Ankunft in Spanien Triumphaler Empfang, aber nicht für Bush

Todesstrafe, Klimaschutz und Raketenabwehr - das Verhältnis zwischen Europa und den USA ist nicht unbelastet. George W. Bush ist zu seinem ersten offiziellen Besuch in Europa eingetroffen - und nicht nur freundlich empfangen worden.


Neuland: Bush bei der Ankunft in Madrid
AP

Neuland: Bush bei der Ankunft in Madrid

Madrid - Es war ein triumphaler Empfang, den die Spanier dem lang ersehnten Ankömmling bereiteten. Jubelnde Menschen und dutzende Journalisten drängten sich am Flughafen, um den Mann aus Amerika zu begrüßen. Die Begeisterung galt jedoch nicht US-Präsident George W. Bush, sondern einem 29-jährigen Spanier, der bis zur vergangenen Woche in einer Todeszelle in Florida saß.

Joaquín José Martínez traf am Sonntag auf dem Madrider Flughafen ein, nachdem ein US-Gericht ihn vom Vorwurf des Doppelmordes freigesprochen hatte. Bei der Ankunft von Bush, der Spanien als ersten Stopp seiner Europareise wählte, ging es am Dienstag dagegen eher förmlich zu. Zur Begrüßung am Flughafen war Außenminister Josep Pique gekommen, König Juan Carlos empfing Bush später. Noch am Montagabend protestierten zahlreiche Gegner der Todesstrafe vor der amerikanischen Botschaft in Madrid. Am Sonntag hatten 2500 Spanier ihrem Unmut gegen den Bush-Besuch Luft gemacht und Transparente mit der Aufschrift "Bush go home" geschwenkt.

In Madrid wurde der Präsident mit Protesten gegen die Todesstrafe begrüßt
AFP

In Madrid wurde der Präsident mit Protesten gegen die Todesstrafe begrüßt

Der Protest gegen die Todesstrafe ist in Spanien in den vergangenen Wochen zum Kern einer antiamerikanischen Stimmung geworden. Als die Richter in Florida am vergangenen Mittwoch das Todesurteil gegen Martinez in einen Freispruch umwandelten, stieg dieser vollends zu nationalem Ruhm auf. Zuvor hatten tausende Landsleute gespendet, damit Martinez seine Anwaltskosten bezahlen kann. Selbst König Juan Carlos machte sich für den Todeskandidaten stark. Engagiert hatte sich auch eine spanische Produktionsfirma, die den Fall des 29-Jährigen unter dem Titel "Florida gegen Martínez" dokumentieren will.

Die Diskussion über die Todesstrafe dürfte Bush bei seiner Europareise noch häufiger begegnen. Wegen der Hinrichtung der deutschen Brüder Walter und Karl LaGrand im Jahr 1999 in Arizona verklagte die Bundesregierung die USA vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Der schwedische Regierungschef und derzeitige EU-Ratspräsident Göran Persson wurde ebenfalls deutlich: `Nach meiner persönlichen Auffassung ist die Todesstrafe etwas absolut Negatives für eine Gesellschaft. Ich glaube, es gibt viele Leute in Europa, die Herrn Bush dies vermitteln wollen."

Reise durch vermintes Gebiet

Es ist die erste Reise des republikanischen Präsidenten nach Europa seit seiner Amtsübernahme im Januar. Sie führt ihn unter anderem zur Nato nach Brüssel, zum Gipfel der Europäischen Union (EU) in Schweden sowie nach Slowenien zu einem ersten Treffen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Die großen Themen der Reise sind voraussichtlich die Absage der US-Regierung an das Umweltschutzabkommen von Kyoto und ihre Pläne zum Bau eines Raketenabwehrschildes. Seit dem Amtsantritt des Republikaners haben beide Themen das Verhältnis der USA zu ihren europäischen Partnern belastet. Die Industriestaaten der Welt haben sich 1997 im japanischen Kyoto darauf verpflichtet, den Ausstoß der umweltschädlichen Treibhausgase zu reduzieren, um die Erwärmung der Erde aufzuhalten. Die Regierung Bush lehnt das Abkommen mit der Begründung ab, es schade der US-Wirtschaft.

Von Spanien aus reist Bush nach Belgien weiter und trifft sich am Mittwoch in Brüssel mit Nato-Generalsekretär George Robertson. Am Donnerstag nimmt er im schwedischen Göteborg am EU-Gipfel teil. Nach einem Zwischenstopp im neuen Nato-Mitgliedsland Polen am Freitag steht am 16. Juni dann im slowenischen Ljubljana das Gipfeltreffen mit Putin auf dem Programm. Aus US-Kreisen verlautete, die USA wollten Russland Militärhilfe und den Ankauf von Waffen anbieten, falls es im Gegenzug dafür seinen Widerstand gegen die Abwehrpläne der USA aufgibt.



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