Annäherung in Afghanistan Uno will Taliban von Terror-Liste streichen

Es ist ein deutliches Signal für die Annäherung des Westens an die Taliban: Die Uno erwägt, die afghanischen Kämpfer von einer Terrorliste zu streichen, auf der auch al-Qaida aufgeführt ist. So sollen Friedensgespräche in naher Zukunft möglich werden.
Afghanische Taliban-Kämpfer: Deutliche Abgrenzung von al-Qaida gefordert

Afghanische Taliban-Kämpfer: Deutliche Abgrenzung von al-Qaida gefordert

Foto: Veronique de Viguerie/WPN

Hamburg - Seit zehn Jahren stehen die alliierten Truppen in Afghanistan im Krieg mit den Taliban, eine militärische Lösung des Konflikts scheint ferner denn je. Nun mehren sich die Indizien für einen neuen Kurs der westlichen Verbündeten. Die Vereinten Nationen erwägen, die afghanischen Radikalislamisten von ihrer Liste terroristischer Organisationen zu streichen, auf der auch das Terrornetzwerk al-Qaida aufgeführt ist.

Wie Deutschlands Uno-Botschafter Peter Wittig am Dienstag mitteilte, wird ein Gremium in der kommenden Woche darüber entscheiden, Mitglieder der Taliban auf eine gesonderte Liste zu setzen. Damit würde die Uno signalisieren, dass al-Qaida und die Taliban unterschiedliche Ziele verfolgten, hieß es. Die Qaida hat sich dem weltweiten Kampf gegen den Westen verschrieben, während die Taliban ihre Aktivitäten auf Afghanistan beschränken. "Es gibt zwar Verbindungen. Aber in einen Korb stecken muss man al-Qaida und Taliban deshalb nicht", so Wittig.

Der jüngste Vorstoß der Uno gilt Beobachtern als politische Geste, mit der Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban angestoßen werden sollen.

Besonders die USA drängen auf eine neue Strategie. Zuletzt hatte US-Verteidigungsminister Robert Gates politische Verhandlungen mit den Taliban noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt. Schon im Winter könne "die Möglichkeit einer Art politischer Gespräche oder Versöhnung" an Form gewinnen, sagte Gates am vergangenen Wochenende.

Klare Vorgaben für mögliche Verhandlungen

Allerdings soll es solche Gespräche nur unter Bedingungen geben: Die Taliban müssten ihre Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida kappen, sich zur afghanischen Verfassung bekennen und ihre Waffen niederlegen. Wenn sie diese Forderungen erfüllten, "können sie potentiell eine politische Rolle in der Zukunft des Landes erhalten," sagte Gates. Die Taliban müssten erkennen, dass sie den Krieg nicht militärisch gewinnen können. Derzeit sind etwa 100.000 amerikanische Soldaten am Hindukusch im Einsatz, rund 100 Milliarden Dollar kostet das die US-Steuerzahler pro Jahr.

Weil ein militärischer Sieg in Afghanistan immer aussichtsloser erscheint, gibt es bereits seit langer Zeit die Idee, mit den Radikalislamisten zu verhandeln - und sie womöglich in eine afghanische Regierung einzubeziehen. Die westliche Staatengemeinschaft setzt spätestens seit dem Nato-Gipfel 2009 in Lissabon auf eine politische Lösung. Diese müsse allerdings zwischen den Afghanen vor Ort verhandelt werden.

Berichte über Geheimtreffen mit den Taliban

Der afghanische Präsident Hamid Karzai wirbt offensiv für einen solchen Kurs. Schon länger gibt es außerdem Berichte über Geheimgespräche der afghanischen Regierung mit der Führung der Aufständischen. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass es sogar bereits mehrere Unterredungen zwischen US-Vertretern und einem moderaten Taliban-Vertreter gegeben haben soll.

Eine schrittweise Aussöhnung mit den Taliban würde die Abzugspläne der USA unterstützen. Im Juli wollen sie mit dem Abzug von Soldaten beginnen und die Verantwortung für die Sicherheitslage schrittweise bis 2014 vollständig an die afghanischen Behörden übergeben. Allerdings ist die Gewalt am Hindukusch zuletzt eskaliert, auch in einst relativ friedlichen Regionen wie dem Norden, in dem die Bundeswehr stationiert ist.

jok/APD
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