Nordsyrien Kramp-Karrenbauer warnt Türkei vor Offensive gegen Kurden

Donald Trump hat den Weg frei gemacht für eine Offensive der Türkei in Syrien. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer warnt vor dem Schritt. Der US-Präsident bestreitet, die Kurden verraten zu haben.

Annegret Kramp-Karrenbauer beim Besuch deutscher Soldaten in Mali: "Ich erwarte von unserem Nato-Partner Türkei, dass er alles tut, um die Region zu stabilisieren, und alles unterlässt, um sie noch mehr zu destabilisieren"
Immanuel Bänsch/dpa

Annegret Kramp-Karrenbauer beim Besuch deutscher Soldaten in Mali: "Ich erwarte von unserem Nato-Partner Türkei, dass er alles tut, um die Region zu stabilisieren, und alles unterlässt, um sie noch mehr zu destabilisieren"


Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Türkei aufgefordert, die angekündigte Invasion gegen die Kurden im Norden Syriens einzustellen. "Ich erwarte von unserem Nato-Partner Türkei, dass er alles tut, um die Region zu stabilisieren, und alles unterlässt, um sie noch mehr zu destabilisieren", sagte die Ministerin bei einem Truppenbesuch in Nordmali.

Gleichzeitig kündigte sie an, dass Deutschland die Kurden im Norden des Irak weiter unterstützen werde. "Wir müssen auf jeden Fall weitermachen, die Kurden im Raum Erbil weiter zu ertüchtigen und weiter autark aufzustellen". Die aktuelle Entwicklung, so Kramp-Karrenbauer, zeige, dass die Verlängerung des Bundestagsmandats für die Mission zur Unterstützung der Kurden richtig sei.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Samstag erneut eine baldige Offensive in Nordsyrien angekündigt. Die Region wird von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) kontrolliert, die von den kurdischen YPG-Milizen dominiert sind.

Das Weiße Haus hatte jüngst mitgeteilt, US-Streitkräfte würden sich einer geplanten Offensive der Türkei in Nordsyrien nicht in den Weg stellen und künftig nicht mehr "in der unmittelbaren Region sein". Am Montag zogen 50 US-Soldaten aus dem syrisch-türkischen Grenzgebiet ab.

US-Soldat bei gemeinsamer Patrouille mit türkischen Soldaten in Syrien: Abzug der ersten 50
Delil SOULEIMAN/ AFP

US-Soldat bei gemeinsamer Patrouille mit türkischen Soldaten in Syrien: Abzug der ersten 50

Der Schritt sorgte sowohl in den USA als auch international für Irritationen und Besorgnis. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Trump wurde - auch aus den eigenen Reihen - vorgeworfen, die Kurdenmilizen in Nordsyrien im Stich zu lassen. Die YPG-Kurdenmilizen waren im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ein enger Verbündeter der USA. Sie sind Ziel der türkischen Offensive: Die Türkei sieht in der YPG, die an der Grenze Gebiete beherrscht, eine Terrororganisation.

US-Präsident Donald Trump bestreitet, die Kurden in Nordsyrien im Stich gelassen zu haben. Die USA seien vielleicht dabei, Syrien zu verlassen, "aber wir haben die Kurden, die besondere Menschen und wunderbare Kämpfer sind, in keiner Weise im Stich gelassen", twitterte Trump. Der US-Präsident warnte die Türkei erneut vor einem Einmarsch in Nordsyrien.

mgb/asa

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