Anschläge auf dem Sinai Terror-Fahnder erschießen mutmaßliche Attentäter

Bei der Fahndung nach Terroristen haben die ägyptischen Sicherheitskräfte auf der Sinai-Halbinsel zwei Verdächtige erschossen. Ein dritter Verdächtiger war nach Angaben der Polizei bereits am Samstag zu Beginn des mehrstündigen Feuergefechts getötet worden.


Kairo – Die Sicherheitskräfte hielten die Gebirgsregion Maghara weiter umstellt, um die Flucht von mindestens drei weiteren Personen zu verhindern, die sich dort noch versteckt halten sollen. Die Männer wurden im Zusammenhang mit den Terroranschlägen von Taba und Scharm-el-Scheich vor zwei Jahren sowie mit den jüngsten Anschlägen im Badeort Dahab gesucht. Bei den Getöteten wurden automatische Waffen und Sprengstoff gefunden. Presseberichten zufolge identifizierten die ägyptischen Sicherheitsbehörden einen der drei mutmaßlichen Selbstmordattentäter von Dahab. Der Mann stamme aus dem Norden des Sinai; sein Bruder sei festgenommen worden.

Spuren des Anschlags in Dahab: Tote bei der Fahnung
AFP

Spuren des Anschlags in Dahab: Tote bei der Fahnung

Als Reaktion auf die Selbstmordanschläge vom vergangenen Montag, bei denen 18 Menschen starben, forderte Regierungschef Ahmed Nasif vom Parlament eine Verlängerung des seit 1981 dauernden Ausnahmezustands um zwei weitere Jahre.

Ägyptische Zeitungen gaben den Namen des Selbstmordattentäters mit Atallah al-Swerki an. Sein Kopf sei am Tatort gefunden worden. Laut den Informationen von Sicherheitsvertretern soll Swerki am Morgen der Anschläge mit einem Pritschenwagen voller Obst nach Dahab gefahren sein. Unter der Ladung habe er den Sprengstoff versteckt. Swerkis Bruder Ibrahim soll ihm beim Transport geholfen haben, dann aber in den Norden des Sinais zurückgekehrt sein. Laut der Nachrichtenagentur Mena wurde auch der Fahrer des Pritschenwagens, Mohammed Schehta, festgenommen. Bei der Fahndung nach den Hintermännern der Anschläge erschossen ägyptische Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben einen weiteren Verdächtigen. Mehrere Männer seien nach heftigen Gefechten festgenommen worden. Die Ermittler vermuten, dass alle drei Selbstmordattentäter aus derselben Region im Norden des Sinai, Scheich Suajjed, stammen. Nach Angaben der Zeitungen gehörten sie derselben Gruppe an wie der Attentäter, der sich zwei Tage nach den Anschlägen von Dahab beim Flughafen al-Gora in die Luft sprengte, als ein Fahrzeug mit Mitgliedern der multinationalen Beobachtertruppe MFO vorbeifuhr. Laut MFO wurde niemand verletzt. Auch die blutigen Anschläge auf Badeorte des Sinai im Oktober 2004 und Juli 2005 sollen auf das Konto dieser Terrorgruppe gehen.

Bis zur Verabschiedung neuer Anti-Terror-Gesetze lasse sich die Stabilität im Lande nur gewährleisten, wenn der Ausnahmezustand verlängert werde, sagte der Ministerpräsident vor den Abgeordneten. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Notstandsverordnungen allein den Terrorismus nicht beseitigte; "aber sie vereinfachen die Bemühungen unserer Sicherheitskräfte, das Land zu schützen". Allgemein wird damit gerechnet, dass das von der regierenden Nationaldemokratischen Partei beherrschte Parlament der Aufforderung nachkommt.

Seit der Ermordung seines Vorgängers Anwar al-Sadat durch Islamisten im Jahr 1981 hatte Nachfolger Husni Mubarak alle drei Jahre den Ausnahmezustand verlängern lassen. Noch während des Präsidentschaftswahlkampfs im vergangenen Jahr hatte Mubarak aber ein Ende der Ausnahmegesetze versprochen. In einem Interview ließ er kürzlich dann wieder durchblicken, dass er an der Maßnahme bis zur Verabschiedung neuer Anti-Terror-Gesetze festhalten wolle. Da die Verfassung dafür geändert werden muss, könnten bis dahin zwei Jahre vergehen.

Die oppositionelle islamistische Muslimbrüderschaft reagierte scharf auf den Vorstoß des Regierungschefs. Der Ausnahmezustand sei zum Kampf gegen den Terror ungeeignet, seine Verlängerung komme einem "Staatsterror" gleich, sagte Sprecher Issam al-Arian der Nachrichtenagentur AFP. Bereits gestern hatte die Polizei 25 Mitglieder der Muslimbruderschaft festgenommen, weil sie Plakate mit Aufrufen zu einem Ende der Notstandsgesetze geklebt hatten.

reh/AP/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.