Anschläge in Afghanistan Attentäter töten mehrere Nato-Soldaten

Tote, Verletzte, ein Land in Angst: Kurz vor der Präsidentenwahl in Afghanistan haben die radikalislamischen Taliban mehrere Anschläge verübt. Bei einem Attentat in Kabul kamen mindestens sieben Menschen ums Leben, darunter auch Nato-Soldaten und Mitarbeiter der Uno.

Polizist in Kabul: Schwere Anschläge vor der Wahl
REUTERS

Polizist in Kabul: Schwere Anschläge vor der Wahl


Kabul - Die Offensive der radikalislamischen Taliban zwei Tage vor den Wahlen in Afghanistan hat mehreren Menschen das Leben gekostet, Dutzende weitere wurden verletzt: Unter den mindestens sieben Todesopfern in Kabul sind nach Angaben eines Sprechers der Nato-Schutztruppe Isaf auch Soldaten, den Angaben zufolge aber keine Deutschen. Nach Uno-Angaben sind auch zwei afghanische Mitarbeiter der Vereinten Nationen bei dem Anschlag ums Leben gekommen. In einer am Dienstag in Kabul verbreiteten Erklärung des Uno-Sondergesandten Kai Eide heißt es, ein dritter afghanischer Mitarbeiter sei verletzt worden.

Die meisten Opfer sind nach Angaben der Polizei afghanische Zivilisten.

Bei dem Anschlag auf einer belebten Hauptstraße im Osten der Hauptstadt wurden nach Angaben des afghanischen Gesundheitsministeriums zudem mehr als 50 Menschen verletzt. Auch unter den Verletzten befänden sich Nato-Soldaten, sagte der Sprecher.

Wie die Polizei mitteilte, fuhr der Attentäter im Osten der Stadt ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in einen Konvoi der internationalen Truppen. Der Anschlag ereignete sich auf einer der Hauptstraßen, die die afghanische Hauptstadt mit Dschalalabad im Osten des Landes verbinden. Dort haben viele internationale Institutionen wie die Uno und mehrere Nationen, deren Soldaten in Afghanistan stationiert sind, ihren Sitz. An der Straße liegt auch die zentrale der afghanischen Wahlkommission AIEC, die den Urnengang am kommenden Donnerstag organisiert.

Augenzeugen berichteten, dass der Angriff in der Nähe der US-Basis "Camp Phoenix" stattfand, demnach richtete sich die Attacke auf einen Konvoi, der aus dem Camp kam. Am Nachmittag wollen die Behörden über den genauen Stand der Dinge berichten.

Bei einem weiteren Selbstmordanschlag in der südlich Provinz Urusgan kamen mindestens fünf Menschen ums Leben, darunter drei afghanische Soldaten. Nach Polizeiangaben sprengte sich der Täter an einem Kontrollposten der Armee in die Luft.

Bereits am frühen Morgen war nach Angaben der Polizei eine Rakete auf dem Gelände des Präsidentenpalastes in Kabul eingeschlagen. Eine zweite Rakete sei in der Umgebung des Amtssitzes von Präsident Hamid Karzai detoniert, sagte ein Polizeioffizier. Niemand sei verletzt oder getötet worden. Am Donnerstag wird in Afghanistan ein neuer Präsident gewählt.

Bundeswehr unter Beschuss

Auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr kam es zu neuen Gefechten zwischen deutschen Soldaten und den Taliban. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden die Deutschen in der Unruheregion Chahar Darreh westlich der Stadt Kunduz zweimal von Aufständischen angegriffen, daraufhin kam es zu jeweils heftigen Feuergefechten.

Der erste Angriff ereignete sich gegen vier Uhr Morgens. Die Bundeswehr erwiderte das Feuer der Taliban, dabei soll es auch Opfer auf der Gegenseite gegeben haben. Nur zwei Stunden später wurde die gleiche Einheit erneut angegriffen, wehrte die Attacke jedoch ab. Deutsche Soldaten wurden bei den beiden Vorfällen nicht verletzt.

Die Taliban haben auch in Kunduz zum Boykott der Wahlen aufgerufen und Wähler in der Region bedroht. Die Bundeswehr unterstützt die afghanische Polizei und Armee in der Region mit "starken Kräften" bei der Sicherung der Wahl am Donnerstag. Deutsche Soldaten werden sich jedoch von den Wahllokalen fernhalten, um dem Eindruck der Beeinflussung vorzubeugen. Insgesamt sollen am Wahltag 2500 afghanische Sicherheitskräfte im Einsatz sein.

Gewalt auch in der Provinz Dschawdschan im Norden des Landes: Dort wurde erneut ein Kandidat für die afghanischen Provinzwahlen getötet. Nach Polizeiangaben vom Dienstag wurde Abdul Rahim am Vortag von Aufständischen aus einem Hinterhalt angegriffen und erschossen. Die Polizei machte die Taliban für die Tat verantwortlich. Rahim war einer der 72 Kandidaten für das Regionalparlament in der nördlichen Provinz, in der Taliban-Angriffe selten sind.

ffr/mgb/anr/dpa/Reuters/AFP

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