Anschläge in Istanbul Mutmaßliche Attentäter identifiziert

Zwei Tage nach den verheerenden Anschlägen auf zwei Synagogen in Istanbul haben die Behörden die mutmaßlichen Selbstmordattentäter offenbar identifiziert. Es soll sich um zwei Türken handeln, die möglicherweise Verbindungen zur al-Qaida hatten. Die Zahl der Todesopfer stieg derweil auf 24 an.




Istanbul - Einer der beiden Fahrern der sprengstoffbeladenen Kleinlaster sei mehrmals für eine Terrorausbildung nach Iran gereist. Die Polizei bestätigte die Angaben zunächst nicht. Kurz zuvor hatte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan mitgeteilt, mit Ergebnissen der DNS-Tests zu den mutmaßlichen Fahrern werde am Dienstag gerechnet.

Die Zahl der Anschlagsopfer stieg derweil auf 24, nachdem Rettungskräfte in den Trümmern der einen Synagoge die Leiche einer alten Frau entdeckt hatten. Unter den Toten sind auch die beiden Attentäter. Sechs der Anschlagsopfer sind Juden, darunter die am gefundene Frau. Von den 303 Verletzten werden derzeit noch 66 in Krankenhäusern behandelt, zehn von ihnen auf Intensivstationen. "Die DNS-Tests dauern an", sagte Erdogan. "Mit den Ergebnissen werden die Dinge klarer sein." Zuvor hatten Medien berichtet, die Polizei verhöre den Bruder eines mutmaßlichen Täters. Einer der Kleinlaster sei mit Dokumenten gekauft worden, die auf den Bruder ausgestellt gewesen seien. Nach einem Fernseh-Bericht bewiesen DNS-Vergleiche des Mannes mit Überresten eines der Selbstmordattentäter deren Verwandtschaft.

Ohne Angabe von Quellen hieß es in dem Bericht weiter, beide Männer hätten möglicherweise Verbindungen zu al-Qaida gehabt. Zuvor zitierte der Sender den Gouverneur von Istanbul, Muammer Güler, mit den Worten, es seien weitere Verdächtige festgenommen worden. Man habe bereits wichtige Informationen.

Zudem prüften die Geheimdienste zwei Bekennerschreiben des Terrornetzwerks al-Qaida, die bei zwei in London ansässigen arabischsprachigen Zeitungen eingegangen waren. Innenminister Abdulkadir Aksu bekräftigte die Auffassung der Regierung, wonach die Attentäter Verbindungen zu internationalen Terrororganisationen hatten.

Die in London erscheinende Tageszeitung "Al Quds Al Arabi" erhielt am Samstag per e-Mail ein Bekennerschreiben der Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden, die als Teil von al-Qaida gelten. In dem zweiten Schreiben, das am Sonntag bei der Wochenzeitung "Al Majalla" einging, übernimmt ein mutmaßlicher al-Qaida-Funktionär auch die Verantwortung für den Anschlag auf italienische Truppen in Nassirijah. Die Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden hatten sich in einem früheren Bekennerschreiben an "Al Quds Al Arabi" auch als Urheber des Anschlags auf das UN-Gebäude in Bagdad bezeichnet. In Washington hieß es, es sei unklar, ob diese Gruppe überhaupt existiere.



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