Anschläge in Moskau Attentäterinnen reißen viele Menschen in den Tod

Terror in der Metro: Laut dem russischen Geheimdienst haben zwei Selbstmordattentäterinnen die Anschläge auf Moskauer U-Bahn-Stationen verübt. Mindestens 37 Menschen kamen bei den Explosionen ums Leben, an den Bahnhöfen herrscht Panik.


Moskau - Nach den blutigen Anschlägen auf zwei U-Bahn-Stationen spielen sich in Moskau dramatische Szenen ab. Passagiere rennen weinend aus den Bahnhöfen auf die Straßen. "So leben wir!", ruft ein aufgelöster Mann immer wieder.

Zwei Anschläge hatten mitten in der Rushhour die russische Hauptstadt erschüttert. Dabei wurden den russischen Behörden zufolge mindestens 37 Menschen getötet. Die Angaben über Verletzte unterscheiden sich stark, die Deutsche Presse-Agentur schreibt von 70 Verletzten.

Nach Angaben des russischen Geheimdienstes FSB und des Moskauer Bürgermeisters haben zwei Selbstmordattentäterinnen die Sprengsätze im morgendlichen Berufsverkehr im Abstand von rund 40 Minuten an zwei verschiedenen Metro-Stationen in voll besetzten Zügen gezündet. Die Selbstmordattentäterinnen hätten die Bomben bei sich getragen, sagte der Moskauer Staatsanwalt Juri Semin nach Angaben der Agentur Interfax. Es wurde geprüft, ob sie über ein Mobiltelefon gezündet wurden.

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Metro in Moskau: Anschläge in der Rushhour
Die erste Selbstmordattentäterin sprengte sich demnach gegen acht Uhr Moskauer Zeit (sechs Uhr MESZ) am Bahnhof Lubjanka in die Luft. Dabei wurden mindestens 23 Menschen getötet. Über dem Bahnhof liegt das Hauptquartier des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Laut Staatsanwalt Juri Semin entsprach die Sprengkraft der Bombe etwa drei Kilogramm TNT. Der zweite Anschlag ereignete sich am Bahnhof Park Kultury. Hier wurden 14 Menschen getötet.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte, es seien Ermittlungen gemäß des Terrorismusparagrafen 205 des russischen Strafgesetzbuchs eingeleitet worden. Ministerpräsident Wladimir Putin werde laufend über die Entwicklungen informiert, sagte ein Behördensprecher. Ein Twitter-User schrieb, die Moskauer Polizei habe Mobilfunkfrequenzen blockiert - offenbar, um einer möglichen weiteren Sprengsatzzündung per Handy zuvorzukommen.

Behörden fordern Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben

Ein Bekenntnis zu den Anschlägen gibt es bislang nicht. Experten in Moskau vermuten, dass es sich um einen Racheakt islamistischer Untergrundkämpfer aus dem Nordkaukasus handelt. Russische Sicherheitskräfte hatten in der Konfliktregion, in der auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, zuletzt Dutzende Rebellen getötet.

Die Moskauer Behörden haben derweil die Bevölkerung aufgefordert, Ruhe zu bewahren, Radio- und Fernsehsender empfahlen den Hauptstädtern, möglichst zu Hause zu bleiben und öffentliche Plätze zu meiden. Wegen der Gefahr weiterer Anschläge wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Hinweise auf deutsche Opfer gibt es unterdessen nicht. "Ich gehe zur Stunde davon aus, dass keine Deutschen unter den Opfern sind", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) am Montag in Berlin vor dem Abflug zum G-8-Treffen der sieben führenden Industriestaaten und Russlands im kanadischen Ottawa. "Diese Anschläge in Moskau sind verabscheuungswürdig und durch nichts zu rechtfertigen", sagte der Minister.

Moskau war in der Vergangenheit immer wieder Schauplatz von Anschlägen gewesen, zu denen sich Extremisten bekannten. Erst Ende November waren bei einem Anschlag auf einen Schnellzug im Nordwesten Russlands 26 Menschen getötet worden. Zu der Tat hatte sich eine islamistische Rebellengruppe bekannt.

Bei einem Anschlag auf die U-Bahn der russischen Hauptstadt waren im Februar 2004 mehr als 40 Menschen getötet und etwa 250 verletzt worden. In der Nähe der Station Awtosawodskaja brach damals nach einer Explosion Feuer im Waggon aus. Ein Untergrundkämpfer aus der Unruheregion im Nordkaukasus soll der Täter gewesen sein.

Nur wenige Monate später, im August 2004, kam es auf der Station Rischskaja zu einem weiteren Terroranschlag. Eine Selbstmordattentäterin hatte sich in die Luft gesprengt - mit ihr starben neun Menschen, 50 weitere erlitten schwere Verletzungen. Weitere Anschläge in Moskauer U-Bahn-Höfen hatte es in den Jahren 2001, 1998 und 1996 gegeben.

anr/Reuters/dpa/apn/AFP



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Seite 1
mavoe 29.03.2010
1. Russland
Zitat von sysopTerror in der Metro: Laut dem russischen Geheimdienst haben zwei Selbstmordattentäterinnen die Anschläge auf Moskauer U-Bahn-Stationen verübt. Mindestens 37 Menschen kamen bei den Explosionen ums Leben, an den Bahnhöfen herrscht Panik. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,686121,00.html
DAS hat vielleicht was mit Tschtschenien zu tun. Warum haltet Russland an solch kleine Gebiete so krampfhaft fest? Das Land ist doch sowieso groß genug. Lasst den Kaukasus doch ganz gehen, wenn die es so wollen. Und jetzt spreche ich ausdrücklch mein Beileid für die Opfer in Moskau aus!
pietro-del-cesare 29.03.2010
2. ....
Steht der nächste Feldzug gegen Tschetschenien bevor oder wer ist dieses Mal der Sündenbock?
donbernd, 29.03.2010
3. Namen
Man kann wohl davon ausgehen das die Namen der Attentäterinnen weder Svetlana noch Olga waren ........
pietro-del-cesare 29.03.2010
4. ....
Zitat von mavoeDAS hat vielleicht was mit Tschtschenien zu tun. Warum haltet Russland an solch kleine Gebiete so krampfhaft fest? Das Land ist doch sowieso groß genug. Lasst den Kaukasus doch ganz gehen, wenn die es so wollen. Und jetzt spreche ich ausdrücklch mein Beileid für die Opfer in Moskau aus!
Ich denke, die Russen können es nicht verkraften, dass sie mit Tschetschenien niemals fertig werden. Schon den Zaren und Stalin sind solche Unternehmungen misslungen.
Andro 29.03.2010
5. KGB Regime hat Schuld
Wieder müssen einfache russische Menschen für die KGB Regime büssen. Lassen sie doch Putin im Metro fahren. Oder setzten sie ihn einfach außer dem Kreml kurz. Solange KGBisten im Land deregieren kann nicht anders sein. Hoffentlich nächste Volksbestimmungen in Russland werden diesen KGB Abschei in Abseiits befördern. Demokratische Länder sollen nun um England sich fest anordnen und russischen Menschen helfen. Hauptsache nicht so wie das die deutsche Politik, die sich ganz mies bei dem KGB verdiehnste schreibt. Es tut so leid für die einfache Menschen! Es ist so wie damals im Dresden wann einfache Menschen unter dem Bombenhagel wegen der Bande rund um Hitler starben.
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