Anschläge in Rom Polizei durchsucht Botschaften nach Bomben

Italiens Polizei ist alarmiert. Nach der Explosion von zwei Päckchen in den Botschaften der Schweiz und Chiles durchsuchen Ermittler weitere diplomatische Vertretungen. Dabei wurden mehrere verdächtige Postsendungen entdeckt.


Rom - Zwei Attentate mit Briefbomben haben Rom erschüttert: Die Polizei sucht derzeit in sämtlichen diplomatischen Vertretungen der italienischen Hauptstadt nach weiteren Sprengsätzen. Am Donnerstagmittag war eine Briefbombe in der Schweizer Botschaft explodiert und hatte einen Mitarbeiter schwer verletzt, kurz darauf detonierte in der chilenischen Vertretung ebenfalls eine Postsendung. Auch dort wurde eine Person verletzt.

Beide Male soll es sich dabei um einen gelben Umschlag von der Größe einer Videokassette gehandelt haben, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Ermittler.

In der Schweizer Vertretung wurde ein 53-jähriger Mitarbeiter durch eine durch das Öffnen des Päckchens ausgelöste Detonation verletzt. "Sein Gesundheitszustand ist ernst, aber es besteht keine Lebensgefahr", sagte der Schweizer Botschafter Bernardino Regazzoni. Der Mann habe insbesondere Verletzungen an den Händen erlitten. Zum Zeitpunkt des Unglücks sei er alleine im Büro gewesen.

Der durch die Paketbombe in der chilenischen Botschaft verletzte Mitarbeiter wurde noch am Donnerstag operiert, wie Ansa aus dem Krankenhaus Umberto I berichtete. Auch er wurde nach Angaben der Botschaft und der Familie schwer an einer Hand verletzt. "Uns ist unerklärlich, warum wir auf diese Art und Weise angegriffen wurden", sagte der chilenische Botschafter in Italien, Oscar Godoy.

Nach den als terroristisch eingestuften Anschlägen wurden alle Botschaften in der Stadt alarmiert. Die Sicherheitsvorkehrungen für alle Vertretungen wurden verstärkt. Einsatzkräfte stellten am Donnerstagabend zunächst mehrere verdächtige Pakete sicher. Funde in der slowenischen und ukrainischen Botschaft stellten sich allerdings als falscher Alarm heraus. Als Reaktion auf die Anschläge setzte das Auswärtige Amt in Berlin die Sicherheitsmaßnahmen für die deutsche Vertretung herauf. Das teilte ein Sprecher mit.

Suche nach den Hintermännern

Als Urheber würden derzeit nach Angaben des italienischen Innenministers Roberto Maroni anarchistische Kreise vermutet. "Wir verfolgen die anarchistisch-aufständische Spur", sagte Maroni am Donnerstagabend. Hintergrund seien ähnliche Vorkommnisse im vergangenen November in Griechenland. Dafür gebe es erste Indizien. Es gehe um eine äußerst gewalttätige Gruppe, die auch in Spanien und Griechenland aktiv sei und deren Mitglieder engen Kontakt hielten.

Die Zeitung "Corriere della Sera" hatte unter Berufung auf erste Ermittlungsergebnisse berichtet, es werde eine Spur zu "anarchistischen Milieus" der ökologischen Bewegung verfolgt. Möglich sei zudem ein "organisierter Anschlag" durch anarchistische Gruppen, weil einige Mitglieder dieser Bewegung offenbar in Schweizer Haftanstalten sitzen.

Der italienische Außenminister Franco Frattini verurteilte die Anschläge. Die diplomatischen Vertretungen Italiens auf der Welt seien alarmiert worden. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle nannte den Angriff auf die Schweizer Botschaft einen "feigen Anschlag". "Mein tiefes Mitgefühl möchte ich gegenüber dem Verletzten und den Mitarbeitern der Botschaft zum Ausdruck bringen", erklärte der FDP-Politiker in Berlin.

Erst am Dienstag hatte ein verdächtiges Päckchen in Roms U-Bahn für Aufregung gesorgt. Bürgermeister Gianni Alemanno gab wenige Stunden später jedoch Entwarnung. Das Päckchen sei nicht explosiv gewesen. Im November hatten europaweit verschickte Paketbomben für Aufregung gesorgt. Damals erhielten mehrere Botschaften in der griechischen Hauptstadt Athen sowie das Kanzleramt in Berlin explosive Post. Auf dem Flughafen der italienischen Stadt Bologna ging damals ein Paket in Flammen auf, das an Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi adressiert war. Urheber sollen damals griechische Linksextremisten gewesen sein.

In Deutschland hatte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) Mitte November vor Anschlägen islamistischer Terroristen gewarnt. Als Folge wurden die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, Bahnhöfen und Grenzen deutlich verschärft. Ende Oktober war eine im Jemen aufgegebene Paketbombe auf dem Köln-Bonner Flughafen für den Weiterflug umgeladen und erst in Großbritannien entdeckt worden.

ore/dapd/dpa/Reuters



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T. Wagner 23.12.2010
1. Am Ende sind sie tot
Egal, welche hehren Ziele die Terroristen verfolgen: am Ende sterben sie im Knast. Das sollte man sich halt vor Augen führen, bevor man derartigen Unfug macht. Als wenn jemals Terror-Akte zu irgendeiner von den Terroristen erwünschten Reaktion geführt hätten. Hohlköpfe! Allesamt!
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