Anschläge Istanbul Behörden prüfen Bekennerschreiben von al-Qaida

Nach den Anschlägen auf zwei Synagogen in Istanbul mit 23 Toten sind zwei Bekennerschreiben aufgetaucht. In einem übernimmt die mutmaßliche al-Qaida-Splittergruppe Abu-Hafs-al-Masri die Verantwortung für die Bluttaten, in der anderen Mitteilung ein al-Qaida-Funktionär. Die Authentizität der Schreiben ist noch nicht bestätigt.




Anschläge auf Synagogen in Istanbul: Warnung an die türkische Regierung, ihren pro-amerikanischen Kurs aufzugeben
AP

Anschläge auf Synagogen in Istanbul: Warnung an die türkische Regierung, ihren pro-amerikanischen Kurs aufzugeben

Istanbul - Bei zwei in London ansässigen arabischsprachigen Zeitungen gingen am Samstag und Sonntag Bekennerschreiben ein, die von al-Qaida stammen sollen. Die Authentizität der Schreiben konnte jedoch noch nicht bestätigt werden. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte am späten Sonntagabend, die angeblichen Bekenntnisse der al-Qaida müssten nun eingehend überprüft werden. Innenminister Abdulkadir Aksu sagte, seine Regierung gehe davon aus, dass die Attentäter von Istanbul Verbindungen zu internationalen Terrororganisationen hatten. Dabei werde auch eine Verwicklung von al-Qaida nicht ausgeschlossen.

Die in London erscheinende Tageszeitung "al-Quds al-Arabi" erhielt nach eigenen Angaben am Samstag per E-Mail ein Bekennerschreiben der Abu-Hafs-al-Masri-Brigaden, die als Teil von al-Qaida gelten. In dem zweiten Schreiben, das am Sonntag bei der Wochenzeitung "al-Majalla" einging, übernimmt ein mutmaßlicher al-Qaida-Funktionär auch die Verantwortung für den Anschlag auf das Polizeihauptquartier der Italiener in der irakischen Stadt Nassirijah, bei dem am vergangenen Mittwoch 19 Italiener und 14 Iraker und andere Staatsbürger getötet wurden.

Eine Kopie des ersten Schreibens lag der Nachrichtenagentur AP in Kairo vor. Darin heißt es, die Abu-Hafs-al-Masri-Brigaden hätten die Anschläge verübt, weil sich israelische Geheimdienstagenten in den Synagogen aufgehalten hätten. Weiter fordert die Gruppe die sofortige Freilassung der in Guantanamo auf Kuba inhaftierten arabischen Gefangenen. US-Präsident George W. Bush wird davor gewarnt, dass sich Anschläge in Zukunft auch direkt gegen die USA richten würden.

Die Abu-Hafs-al-Masri-Brigaden haben sich schon drei Mal in Bekennerschreiben an die Zeitung "al-Quds al-Arabi" gewandt. So übernahmen sie auch die Verantwortung für den verheerenden Anschlag auf das Uno-Gebäude in Bagdad vom 19. August mit 23 Toten. In Washington hieß es, es sei unklar, ob diese Gruppe überhaupt existiere und ob sie wirklich Beziehungen zu al-Qaida habe.

Die E-Mail "al-Majalla" wurde der Zeitung zufolge von Abu Mohammed al-Abladsch unterzeichnet, der dem Terrornetzwerk von Osama Bin Laden zugerechnet wird. Er übernahm darin die Verantwortung für die Anschläge in Istanbul sowie für das Attentat in Nassirijah. In der vergangenen Woche hatte sich al-Abladsch gegenüber "al-Majalla" ferner zu dem Anschlag in Riad am 8. November bekannt, dem 17 Menschen, überwiegend Araber, zum Opfer fielen.

Türkische Terrorismusexperten werteten die Anschläge als Warnung an die Regierung in Ankara, dass sie ihren pro-amerikanischen Kurs aufgeben solle.



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