Festnahme in Sachsen-Anhalt DNA von Terrorverdächtigem auf Bataclan-Tatwaffe gefunden

Die Polizei in Sachsen-Anhalt hat womöglich einen Unterstützer der Attentäter von Paris festgenommen: Nach SPIEGEL-Informationen finden sich DNA-Spuren des Terrorverdächtigen Adis A. auf mindestens einer Tatwaffe.

Verletzte nach dem Anschlag im Pariser Bataclan 2015
Yoan Valat/ DPA

Verletzte nach dem Anschlag im Pariser Bataclan 2015


Vier Jahre nach den Anschlägen in Paris haben Ermittler einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Nach Informationen des SPIEGEL soll die DNA des Terrorverdächtigen Adis A. an mindestens einer der Waffen gefunden worden sein, die im Konzerthaus Bataclan sichergestellt wurden. Dort und an mehreren weiteren Orten in Paris hatten islamistische Kommandos am 13. November 2015 insgesamt 130 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt.

Derzeit wird geprüft, ob der 39-jährige Mann bosnisch-herzegowinischer Staatsbürgerschaft nach Belgien ausgeliefert werden soll. Gegen A. liegt ein Europäischer Haftbefehl der belgischen Behörden vor. Er wird der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verdächtigt. Für das Auslieferungsverfahren ist die Generalstaatsanwaltschaft in Sachsen-Anhalt zuständig.

Die Festnahme war offenbar ein Zufallstreffer: Die Festnahme zweier anderer Männer brachte die Polizei auf die Spur des 39-Jährigen. Am 18. Februar hatte die Bundespolizei am Hauptbahnhof Dresden zwei bosnisch-herzegowinische Staatsangehörige kontrolliert. Sie nahmen den 17- und den 28-Jährigen zunächst wegen des Verdachtes auf unerlaubte Einreise fest.

Weil die Beamten einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vermuteten, durchsuchten sie das Auto der beiden Männer. In der Verkleidung des Kofferraums befanden sich 17 in Folie verpackte Handgranaten. Die verschiedenen Verpackungsgrößen ließen den Schluss zu, dass es sich dabei um Bestellungen handele.

Der 17-Jährige und der 28-Jährige wurden daraufhin wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz festgenommen. Sächsische Fahnder Das Bundeskriminalamt gründete nach SPIEGEL-Informationen eine Ermittlungsgruppe mit dem Codenamen "Splint". Im Zuge der Ermittlungen gegen die beiden kontrollierten Bosnier stießen die Beamten auf Adis A. Die Fahnder stellten fest, dass er wegen einer möglichen Verbindung zu den Paris-Anschlägen gesucht wurde. Kriegswaffen wurden bei ihm nicht gefunden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Textversion stand, das Bundeskriminalamt gründete nach SPIEGEL-Informationen eine Ermittlungsgruppe mit dem Codenamen "Splint". Es handelte sich aber um sächsische Fahnder. Wir haben die Passage korrigiert.

rol/mfh



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.