Anschlag auf afghanische Hochzeitsfeier "Überall war Blut"
Afghanischer Politiker Ahmed Khan Samangani: Bei der Hochzeit seiner Tochter getötet
Foto: HANDOUT/ REUTERSKundus - Der stolze Brautvater Ahmed Khan Samangani war gerade dabei, die Hochzeitsgäste zu begrüßen, als einer von ihnen den Sprengstoffgürtel zündete. Laut Angaben der örtlichen Polizei starben mindestens 22 Menschen, darunter auch Samangani selbst. Mehr als hundert Menschen sollen verletzt worden sein. Die Regierung in Kabul sprach in einer ersten Erklärung von 17 Toten und 43 Verletzten.
Samangani war Mitglied des afghanischen Parlaments - und ein einflussreicher Mann in der nördlichen Provinz Samangan. Dort fand auch die Hochzeit seiner Tochter statt, in einem Hotel in der Provinzhauptstadt Aibak. Mehr als 150 Gäste waren geladen - einer von ihnen brachte den Tod.
"Es war eine sehr schwere Explosion", sagte Polizeisprecher Mohammed Ahmadsai, sie habe im zweiten Stock des Gebäudes stattgefunden, aber auch im dritten Stock seien noch viele Leute verletzt worden.
Ahmed Dschawad Nasari war bei der Hochzeit dabei. "Ich war im vierten Stock und hörte plötzlich ein sehr lautes Geräusch", sagt er. "Alle im vierten Stock versuchten, zu fliehen, und als wir in den dritten Stock kamen, sahen wir schon die vielen Verwundeten und den ganzen Rauch." Im zweiten Stock sei die Lage noch viel schlimmer gewesen. "Überall war Blut, Teile von toten Körpern lagen herum. So etwas habe ich noch nie gesehen", sagt Nasari. "Ich war doch zu einer Hochzeitsfeier gekommen."
Unter den Verletzten sollen weitere wichtige Politiker und ein regionaler Geheimdienstchef sein. Ein Arzt des örtlichen Krankenhauses berichtete, auch der örtliche Polizeichef sei verletzt worden.
Wer hinter dem Anschlag steckt, ist unklar. Die radikalislamischen Talibanwiesen jegliche Verantwortung von sich. Nach ihrer Darstellung sollen persönliche Feinde Samanganis die Tat verübt haben. Samangani sei ein Befehlshaber der Mudschahidin gewesen. "Er war berüchtigt und es gibt viele, die mit ihm Probleme haben könnten."
Ahmed Khan Samangani ist usbekischer Abstammung. Er kämpfte in den achtziger Jahren als Kommandeur der Mudschahidin gegen sowjetische Truppen und später auch gegen die Taliban. Vor einigen Jahren verließ er die Mudschahidin und schloss sich den Unterstützern von Staatspräsident Hamid Karzai an.
Karzai verurteilte den Anschlag mit scharfen Worten. Die Feinde Afghanistans hätten wieder einmal auf unschuldige Zivilisten gezielt und einen Mudschahidin getötet, der eine wichtige Rolle bei der Einigung des Landes gespielt habe. Karzai kündigte an, eine Kommission solle den Anschlag untersuchen.
Der Norden von Afghanistan gilt eigentlich als deutlich ruhiger als der Osten und Süden des Landes. In den vergangenen Monaten jedoch auch im Norden wiederholt Anschläge auf hochrangige Vertreter der regionalen Sicherheitskräfte verübt.