Anschlag auf Bundeswehr in Afghanistan Taliban töten deutschen Fallschirmjäger

Schock für die Bundeswehr: Erstmals seit 15 Monaten ist in Afghanistan wieder ein deutscher Soldat bei einem Attentat getötet worden. Die lokalen Behörden gehen von einem Anschlag der Taliban aus.


Berlin - Die Patrouille war rund sechs Kilometer südlich von Kunduz unterwegs, als sie in eine Sprengfalle geriet. Durch die Explosion wurden vier deutsche Soldaten verwundet. Einer davon so schwer, dass er seinen Verletzungen erlag. In der gepanzerten Patrouille fuhr ein sogenannter Beweglicher Arzttrupp mit, der die Verletzten sofort versorgte, dem Fallschirmjäger aber nicht mehr helfen konnte. Der Getötete soll aus dem rheinland-pfälzischen Zweibrücken stammen. Die Verletzten wurden zum größten deutschen Stützpunkt im nordafghanischen Masar-i-Scharif geflogen.

Bundeswehrsoldat in Kunduz: Verschärfte Sicherheitslage
DDP

Bundeswehrsoldat in Kunduz: Verschärfte Sicherheitslage

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bestätigten den Tod des Soldaten. Jung sprach von einem "feigen, hinterhältigen Anschlag", der Deutschland aber nicht von der Aufgabe abbringen dürfe, zur Stabilität Afghanistans beizutragen. Das Land dürfe nicht wieder zum "Ausbildungscamp des Terrorismus" werden.

Das Mitgefühl gehöre jetzt den Angehörigen und Kameraden des getöteten Soldaten, sagte Jung. Er sei sicher, dass die Zuständigen vor Ort alles tun werden, um die Vorgänge aufzuklären. Ermittler untersuchten nun den Tatort.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich "tief erschüttert" über den Anschlag auf die deutschen Soldaten. Sie sprach "den Hinterbliebenen im Namen des ganzen Kabinetts ihr aufrichtiges Beileid aus", wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm im Anschluss an die Kabinettssitzung in Berlin mitteilte. Sie hoffe zudem, dass die drei verletzten Soldaten rasch genesen, fügte Wilhelm hinzu.

Zuvor hatte Verteidigungsminister Jung dem Kabinett über den Anschlag berichtet. Der Minister räumte ein, es gebe eine verschärfte Sicherheitslage im Norden Afghanistans, wo die deutschen Soldaten stationiert sind.

Unklar war zunächst, ob es sich bei dem Sprengsatz um eine Mine oder eine ferngezündete Bombe handelte. Der Gouverneur der Provinz Kunduz, Mohammad Omar, sagte, die Bundeswehr sei im Distrikt Chardara mit einem ferngezündeten Sprengsatz angegriffen worden. Er machte die Taliban und das Terrornetz al-Qaida für den Anschlag verantwortlich. Bisher bekannte sich niemand zu der Tat.

Vor drei Wochen waren in der Region drei deutsche Soldaten bei einem Anschlag verletzt worden, zwei davon lebensbedrohlich. Zu dieser Tat hatten sich die Taliban bekannt. Bei einem Selbstmordanschlag im Mai 2007 waren in Kunduz drei Bundeswehrsoldaten und acht afghanische Zivilisten getötet worden.

Der Bundestag entscheidet Anfang Oktober über eine Verlängerung des Bundeswehrmandats in Afghanistan. Die Sicherheitslage am Hindukusch hat sich in diesem Jahr erneut verschärft. Besonders Angriffe mit Sprengfallen haben weiter zugenommen.

Im vergangenen Mai kamen in Afghanistan erstmals mehr ausländische Soldaten ums Leben als im Irak. Insgesamt wurden nach Angaben von Hilfsorganisationen bei Kämpfen und Anschlägen in Afghanistan in diesem Jahr mehr als 3000 Menschen getötet, darunter etwa 1000 Zivilisten.

asc/dpa/ddp/AFP

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