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Trauermarsch in Paris: "Wir sind im Kriegszustand"

Foto: JEAN-FRANCOIS MONIER/ AFP

Trauer in Paris Wo war Obama?

Staatschefs aus vielen Ländern haben mit Millionen Franzosen um die Terrortoten getrauert. Einer fehlte jedoch: US-Präsident Obama. Dafür muss er sich in seiner Heimat Kritik gefallen lassen.

Paris - Die Bilder aus der französischen Hauptstadt waren beeindruckend: Staats- und Regierungschefs aus aller Welt - Arm in Arm gegen den Terror. Mit dem Marsch in Paris setzten Hollande, Merkel und Co. ein Zeichen nach dem Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und die folgenden brutalen Geiselnahmen. Einen höchst prominenten politischen Vertreter suchte man in Paris allerdings vergeblich: Barack Obama.

Der US-Präsident war der Trauerfeier ferngeblieben - und auch seine möglichen Vertreter, Vize-Präsident Joe Biden oder der Außenminister John Kerry etwa, hatten anderes zu tun. Eine offizielle Erklärung des Weißen Hauses gibt es noch nicht. Zuletzt hieß es, zumindest Kerry werde im Laufe der Woche nach Frankreich reisen.

Die Abwesenheit der Top-Politiker ist auch in den USA bemerkt worden, Kritik kommt allerdings vor allem aus der üblichen Ecke. So schrieb der Republikaner Newt Gingrich auf Twitter: "50 Anführer der Welt zeigen in Paris ihre Solidarität und Obama macht nicht mit. Das ist traurig." Ähnlich äußerte sich Moderatorin Greta Van Susteren vom stramm konservativen TV-Sender Fox News: "Das ist peinlich - WO IST PRÄSIDENT OBAMA? Wieso ist er nicht hingefahren?" Am Montag jedenfalls sieht der Kalender des Präsidenten einen Empfang des NBA-Meisterteams San Antoino Spurs im Weißen Haus vor.

Kurz nach den Angriffen auf "Charlie Hebdo" am vergangenen Mittwoch hatte sich der US-Präsident noch äußerst solidarisch mit den Franzosen erklärt: "Frankreich ist der älteste Verbündete Amerikas und es steht Schulter an Schulter mit den Vereinigten Staaten im Kampf gegen Terroristen, die unsere gemeinsame Sicherheit in der Welt gefährden." Im Februar will er zu einem internationalen Sicherheitstreffen nach Washington einladen.

Als höchster US-Vertreter war schließlich Justizminister Eric Holder nach Paris gereist. Er nahm allerdings nur an einem Treffen mit seinen europäischen Amtskollegen teil, nicht an dem Trauermarsch selbst.

In Frankreich selbst wird Obamas Abwesenheit bisher nur wenig thematisiert, das Land widmet sich erst einmal der Aufarbeitung der traumatischen Woche. Ein Kommentator im französischen Fernsehen bemerkte jedoch: Vielleicht hat es gar nicht geschadet, dass Obama weggeblieben ist. Die Sicherheitsvorkehrungen für den Trauermarsch waren schon ohne Secret Service, CIA und Co. aufwendig genug.

jok/Reuters
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