Anschlag auf Christen Deutsche Politiker verschärfen Druck auf Ägypten

21 ägyptische Christen wurden in der Neujahrsnacht ermordet - die Reaktion des Regimes ist in den Augen mehrerer Bundestagsabgeordneter zu schwach. CSU und Grüne verlangen von Kairo mehr Einsatz gegen islamistische Gewalt und warnen vor Hassattacken auch in Deutschland.

Proteste aufgebrachter Christen in Kairo: Ruf nach besserem Schutz
dpa

Proteste aufgebrachter Christen in Kairo: Ruf nach besserem Schutz


Frankfurt am Main - Mit scharfen Worten wenden sich deutsche Politiker nach dem blutigen Anschlag auf koptische Christen in der Neujahrsnacht an die ägyptische Regierung. "Eine Verurteilung solcher Anschläge ist zu wenig", sagte Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck der "Frankfurter Rundschau". "Ägypten und andere Staaten müssen dem Ungeist religiöser Intoleranz wirksam entgegentreten." De facto sei das Land eine Diktatur. "Der Westen aber schaut aus außenpolitischer Rücksichtnahme auf das Regime Husni Mubarak systematisch weg." Auch Deutschland habe seine Möglichkeiten zur Einflussnahme "bei weitem nicht ausgeschöpft".

Nach Ansicht Becks, der auch menschenrechtspolitischer Sprecher seiner Partei ist, muss eine Menschenrechtsagenda mit klar formulierten Bedingungen Teil außen- und entwicklungspolitischer Vereinbarungen sein, insbesondere bei staatlicher Budgethilfe. Im Falle Ägyptens spotte der Umgang mit allen Formen von Opposition jeder Beschreibung, sagte er. Polizeiwillkür bis hin zu einer "Folter auf Bestellung" seien in dem Land "Teil eines staatlichen Kalküls der Abschreckung" von Oppositionellen. Ägypten gewähre Religionsfreiheit nur im Rahmen der Regeln der Scharia, des islamischen Religionsgesetzes. Das reiche aber nicht aus, "um islamistischen Wirrköpfen die Stirn zu bieten."

Auch der CSU-Außen- und Sicherheitspolitiker Hans-Peter Uhl forderte nach dem Anschlag vom 1. Januar mit 21 Toten eine eindeutige Distanzierung der gemäßigten Muslime und warnte vor einem Übergreifen islamistischer Gewalt auf Deutschland.

Neue Krawalle in Alexandria

Kritik übten CSU-Politiker auch an muslimischen Vertretern in Deutschland. "Ich erwarte, dass sie ihre Abscheu noch klarer formulieren, so wie das weltweit geschehen ist", sagte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer der "Frankfurter Rundschau". Im Kampf für Religionsfreiheit spiele die Öffentlichkeit eine entscheidende Rolle. Der Aufruf deutscher Muslime zu mehr religiöser Toleranz sei besonders wichtig, weil Muslime in Deutschland ihren Glauben frei ausüben könnten. In Ländern wie Ägypten oder dem Irak sei genau das für viele Gläubige nicht der Fall.

In der ägyptischen Hafenstadt Alexandria gab es derweil neue Krawalle zwischen Kopten und der Polizei. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt. Nach Medienberichten verlangten die Demonstranten in Alexandria und Kairo einen besseren Schutz für Christen in Ägypten. Auch in Assiut - knapp 400 Kilometer südlich von Kairo - hätten etwa 2000 Kopten demonstriert, schrieb die Zeitung "The Daily News Egypt" auf ihrer Website. Sicherheitskräfte hätten mehrere Verdächtige festgenommen, berichtete der arabische Nachrichtensender "al-Dschasira."

"Der Anschlag ist das Ergebnis konfessioneller Stimmungsmache"

21 Gläubige hatte ein Selbstmordattentäter in der Neujahrsnacht mit in den Tod gerissen. 97 Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt. Der koptische Klerus sagte aus Trauer über den Anschlag die Feierlichkeiten zum koptischen Weihnachtsfest am 7. Januar ab. Die Terrortat wurde weltweit verurteilt - von US-Präsident Barack Obama, der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, Bundesaußenminister Guido Westerwelle und dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Papst Benedikt XVI. forderte beim Neujahrsgottesdienst im Petersdom nachdrücklich Religionsfreiheit überall auf der Welt.

Ohne nähere Erläuterung beschuldigte Ägypten "ausländische Elemente" als Drahtzieher. Am Sonntag befanden sich nach Angaben von Sicherheitskräften noch sieben Personen für Befragungen in Haft, zehn weitere wurden von der Polizei wieder entlassen. Tatsächlich hatte kürzlich eine Gruppe mit Verbindungen zum islamistischen Terrornetz al-Qaida im Irak den Christen im ganzen Nahen Osten mit Anschlägen gedroht. Die Organisation wirft den Kopten vor, zwei angeblich vom Christentum zum Islam konvertierte Frauen als "Geiseln" festzuhalten.

Die koptische Kirche widersprach in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung dieser Deutung der Tragödie. "Der Anschlag ist das Ergebnis der anhaltenden konfessionellen Stimmungsmache der letzten Monate", hieß es darin. Ägyptische Medien hatten den Fall der beiden angeblichen Konvertitinnen oft reißerisch und tendenziös dargestellt.

Etwa zehn Prozent der Ägypter sind Christen. Wegen des Baus von Kirchen, Konvertierungen und Landdisputen kommt es immer wieder zu Spannungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen.

anr/AFP/dpa



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Seite 1
sitiwati 03.01.2011
1. verlangen-
warnen-wollen die Grünen und dei Schwarzen einen neuen Einsatz für die BW?
Pelayo, 03.01.2011
2. !
Zitat von sysop21 ägyptische Christen wurden in der Neujahrsnacht ermordet - die*Reaktion des Regimes ist in den Augen mehrerer Bundestagsabgeordneter zu schwach. CSU und Grüne verlangen von Kairo mehr Einsatz gegen islamistische Gewalt und warnen vor Hassattacken auch in Deutschland. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737409,00.html
Lachhaft, solange leute wie dieser Pierre Vogel weiter hetzend durch Deutschland zeihen dürfen.
EuroStar2011 03.01.2011
3. titels are for monarchs
Zitat von sysop21 ägyptische Christen wurden in der Neujahrsnacht ermordet - die*Reaktion des Regimes ist in den Augen mehrerer Bundestagsabgeordneter zu schwach. CSU und Grüne verlangen von Kairo mehr Einsatz gegen islamistische Gewalt und warnen vor Hassattacken auch in Deutschland. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737409,00.html
und die Gruenen und/oder die CSU glauben, dass sich irgendjemand in Aegypten dafur interessiert was sie mit "scharfen Worten" fordern? Welchen Druck sollten diese Politiker wirklich ausueben koennen, ausser dass sie am dritten Tag im neuen Jahr die Hauptschlagzeile geschafft haben, was sich jeden Moment wieder aendern kann?
frubi 03.01.2011
4. .
Zitat von sysop21 ägyptische Christen wurden in der Neujahrsnacht ermordet - die*Reaktion des Regimes ist in den Augen mehrerer Bundestagsabgeordneter zu schwach. CSU und Grüne verlangen von Kairo mehr Einsatz gegen islamistische Gewalt und warnen vor Hassattacken auch in Deutschland. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737409,00.html
2011 beginnt wie gewohnt. Der Wahnsinn hat weiter Konjunktur. Nicht nur das sich die Menschen gegenseitig in die Luft sprengen. Es wird auch weiter auf dieser Religionswelle geritten. Tote Christen hier, tote Moslems da usw.
johndoe2 03.01.2011
5. Schaun wa mal ...
Zitat von sysop21 ägyptische Christen wurden in der Neujahrsnacht ermordet - die*Reaktion des Regimes ist in den Augen mehrerer Bundestagsabgeordneter zu schwach. CSU und Grüne verlangen von Kairo mehr Einsatz gegen islamistische Gewalt und warnen vor Hassattacken auch in Deutschland. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737409,00.html
Wie darf man das verstehen, ist nicht gerade Claudia Roth für ihre Appeasement-Politik gegen über dem Islam bekannt/berüchtigt? Da sollte mehr kommen als Empörungs-Rituale!
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