Anschlag auf deutsche Bäckerei Indizien führen zu Qaida-Verbündetem

Der Terrorführer und Qaida-Verbündete Ilyas Kaschmiri warnt vor "weiteren" Anschlägen in Indien - und bringt sich damit selbst als Drahtzieher des Anschlags auf eine deutsche Bäckerei in der Stadt Pune am vergangenen Samstag ins Gespräch. Es gibt noch weitere Indizien.

Zerstörte "German Bakery" im indischen Pune: Sollte ein anderes Ziel getroffen werden?
Getty Images

Zerstörte "German Bakery" im indischen Pune: Sollte ein anderes Ziel getroffen werden?

Von Yassin Musharbash


Berlin - In der Redaktion der "Asia Times Online" trudelte eine brisante E-Mail ein. Sie stammte allem Anschein nach von Ilyas Kaschmiri, einem wichtigen Terrorführer der in Südasien aktiven HuJI ("Harakatul Jihad al-Islami"). Kaschmiri ist zudem Kommandeur von deren "Brigade 313". Diese Einheit gilt wiederum als eine Art informeller Arm des Terrornetzwerks al-Qaida.

In dem Schreiben, das die "Asia Times" am heutigen Dienstag in englischer Übersetzung online veröffentlichte, heißt es unter anderem: "Wir, die Mudschahidin der Brigade 313, schwören, dass wir so lange weitere Anschläge in ganz Indien durchführen werden, bis die indische Armee Kaschmir verlässt und den Kaschmiris ihr Recht auf Selbstbestimmung einräumt." Zugleich warnte Kaschmiri die "internationale Gemeinschaft" davor, Sportler zu Turnieren und anderen Veranstaltungen nach Indien zu schicken. "Wenn sie es dennoch tun, tragen sie die Verantwortung für die Konsequenzen."

In dem Schreiben gibt es keinen direkten Bezug zu dem Anschlag auf eine deutsche Bäckerei in der indischen Stadt Pune am vergangenen Samstag, bei dem zehn Menschen ums Leben gekommen waren und 60 weitere verletzt wurden.

Aber die Redaktion der "Asia Times" wertete das Schreiben dennoch als implizites Eingeständnis dafür, dass Kaschmiris Leute die Verantwortung für den Anschlag tragen. Die Zeitung erwähnt auch, dass Kaschmiri sich bisher noch nie in dieser Form zu einem Anschlag bekannt hat; allerdings stand das Blatt nach eigenen Angaben "bis vor kurzem mit Kaschmiri in Kontakt und interviewte ihn im vergangenen Oktober". Daher hält die Redaktion das Schreiben für authentisch. Eine unabhängige Bestätigung für die Echtheit gibt es freilich nicht.

Sollte eigentlich ein anderes Ziel getroffen werden?

Die Drahtzieherschaft Kaschmiris wäre jedoch alles andere als abseitig. Der Mittvierziger ist seit Jahrzehnten eine Größe in der südasiatischen Dschihadisten-Szene. Er ist Veteran des Kampfes der Gotteskrieger gegen die Sowjets in Afghanistan und hält nach Erkenntnissen des US-Justizministeriums seinerseits enge Kontakte zur zentralen Führung von al-Qaida. Auch zu den Taliban in Afghanistan werden ihm beste Beziehungen nachgesagt.

Es gibt aber noch ein weiteres Detail, das als Indiz für die Involvierung von Kaschmiris Truppe gelten kann. Im Oktober 2009 wurde auf dem Chicagoer Flughafen David Headley festgenommen, ein pakistanischstämmiger US-Bürger, dem die US-Behörden vorwerfen, einen Anschlag auf die dänische Tageszeitung "Jyllands-Posten" geplant und Ziele für die Terroranschläge in Mumbai im November 2008 ausgekundschaftet zu haben. Er gilt als Gefolgsmann Kaschmiris, den er im Jahr 2009 auch zwei Mal persönlich getroffen haben soll.

Den US-Ermittlern zufolge gaben Headley und Kaschmiri die Idee jedoch wieder auf, die "Jyllands-Posten" anzugreifen, die seinerzeit eine Serie von umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht hatte - möglicherweise war der Verfolgungsdruck nach den Terroranschlägen von Mumbai zu groß geworden.

Während Headley in Indien Ziele auskundschaftete, hielt er sich indischen Presseberichten zufolge zwischenzeitlich auch in Pune auf - und zwar in unmittelbarer Umgebung der deutschen Bäckerei, die am Samstag zum Ziel des Anschlags wurde.

Indische Behörden nehmen vier Verdächtige fest

Laut einem Bericht des "Indian Express" fanden Reporter des Blatts unmittelbar nach den Anschlägen von Mumbai in einem Hotel in Pune Unterlagen, die Headley selbst und mit seinem richtigen Namen ausgefüllt hatte. Demzufolge hielt er sich am 16. und 17. März 2009 im Hotel Surya Villa in Pune auf, das nur wenige Minuten Fußweg von der "German Bakery" entfernt liegt - und außerdem in den Nähe zu einem weiteren möglichen Ziel Headleys, dem Chabad House, eine jüdischen Einrichtung. Eine ähnliche Einrichtung war auch in Mumbai attackiert worden. Indische Behörden glauben, dass der Anschlag auf die deutsche Bäckerei eigentlich dem wenige Meter entfernten Chabad House von Pune hätte gelten sollen.

Unterdessen nahmen die indischen Behörden vier Verdächtige fest. Ob sich aus den Festnahmen bereits handfeste Hinweise ergeben haben, die auf Kaschmiris Drahtzieherschaft deuten oder in eine andere Richtung weisen ist noch nicht bekannt.



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diomedes 20.02.2010
1. Die albernen Gelüste der Wirtschaft
So als ob, wenn es die Damen und Herren Unternehmer nur wollten, sich politische und religiöse Konflikte einfach beruhigen würden; gerade so als ob sich Mohammedanismus und Hinduismus seit dem ersten mohammedanischen Einfall in Indien im 8. Jahrhundert – das streitbare Europa und das sanftmütige Indien sind hier Schicksalsschwester, doch nur Europas Dummheit in den letzten Jahrzehnten hat es in die ähnlich elende Lage wie Indien versetzt: Namentlich die fünfte Kolonne des Mohammedanismus in Europa überhaupt erst erzeugt – bis aufs Blut bekämpft hätten, einen so tiefen Hass gegeneinander hegten, dass sie selbst gegen die Briten – wie es in China Nationalisten und Kommunisten zumindest formal gegen Japan taten – nicht verbündeten und einander abschlachteten, bevor die Briten abgezogen waren (und Gandhi bittere Tränen umsonst darüber vergoss und sein Leben durch einen Eiferer verlor), sich nun, auf Wunsch der Wirtschaft ihren alten Groll und ihre theologische Todfeindschaft begraben und ihre Anhänger fortan in Frieden und Harmonie miteinander lebten! Welche albernen Gecken ersinnen derartiges? Man müßte einen Zwangsstaat wie den Leviathan des Thomas Hobbes aufrichten, um derartiges zu erreichen; und selbst dies würde auf Dauer nicht helfen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.