Anschlag auf Hotel in Mogadischu Attentäter töten mehr als 30 Menschen

Bewaffnete Attentäter haben in der somalischen Hauptstadt Mogadischu ein Hotel gestürmt und mehr als 30 Menschen getötet. Berichten zufolge sind unter den Opfern auch Parlamentsabgeordnete. Bei Kämpfen in der Stadt starben zudem Dutzende Zivilisten.


Mogadischu - Angriffe von Islamisten haben in der somalischen Hauptstadt Mogadischu innerhalb von zwei Tagen mehr als 70 Menschen das Leben gekostet. Ein Selbstmordattentäter und mehrere bewaffnete Männer griffen am Dienstag ein Hotel in der Nähe des Präsidentenpalastes an und töteten nach Angaben der somalischen Regierung mindestens 31 Menschen. Unter den Toten seien auch sechs Parlamentsabgeordnete und Sicherheitskräfte, teilten die Behörden mit.

Zu dem Anschlag bekannte sich die islamistische Schabab-Miliz. Sie hatte einen "endgültigen Krieg" gegen die Friedenstruppen der Afrikanischen Union in dem Krisenland erklärt.

Bei dem Angriff auf das bei Politikern beliebte Hotel konnten die Täter offenbar unerkannt dorthin gelangen, weil einige von ihnen Militäruniformen trugen. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich in der Nähe der Rezeption in die Luft. Weitere Angreifer und Sicherheitskräfte lieferten sich danach noch eine Stunde lang Schießereien. Ein Abgeordneter, der in dem Hotel war, berichtete, überall hätten Leichen gelegen. Es sei ein Massaker gewesen.

Ein Sprecher der Schabab-Miliz erklärte, Mitglieder einer Spezialeinheit hätten den Angriff auf das Hotel ausgeführt. Sie hätten diejenigen attackiert, die "die Ungläubigen unterstützen". Die Friedenstruppe der Afrikanischen Union in Somalia (Amisom) erklärte, auch ein elfjähriger Schuhputzer und eine Frau, die vor dem Hotel Tee verkaufte, seien getötet worden.

Helfer berichten von vielen toten Zivilisten

Seit Montag sind bereits mehr als zwei Dutzend Menschen, zumeist Zivilisten, bei Kämpfen in Somalias Hauptstadt getötet worden. "Die Verluste steigen von Minute zu Minute, und der Kampf wird heftiger", sagte Ali Muse, der Leiter der Ambulanz in Mogadischu. Seinen Angaben zufolge starben mindestens 40 Zivilisten, 130 seien verletzt worden.

Die Armee habe "mehr als 15" Rebellen der islamistischen Schabab-Miliz getötet, erklärte die Regierung am Dienstag. Die Islamisten wollen die schwache, vom Westen gestützte Regierung vertreiben, die in kleinen Enklaven in Mogadischu von etwa 6000 AU-Friedenskräften aus Uganda und Burundi beschützt wird. Immer wieder geraten Zivilisten bei Kämpfen in die Schusslinie.

Seit fast zwei Jahrzehnten herrscht in Somalia Bürgerkrieg, die derzeitige Regierung des ostafrikanischen Landes hält sich nur mit Mühe und der Hilfe der AU-Soldaten an der Macht.

Schabab-Miliz bekannte sich auch zu Anschlag während der WM

In Mogadischu kontrolliert die Regierung nur noch einen kleinen Teil der Hauptstadt. Die Schabab-Miliz kontrolliert zudem große Gebiete im Süden sowie im Zentrum Somalias. Die Aufständischen, die sich offen zum Terrornetzwerk al-Qaida bekennen, hatten am Montag in mehreren Vierteln Mogadischus Armeebaracken angegriffen. Nach einer Feuerpause in der Nacht flammten die Kämpfe am Dienstag wieder auf.

Die Islamisten hatten sich im Juli auch zu den blutigen Terroranschlägen in Uganda bekannt, bei denen 76 Menschen getötet wurden. Die Schabab-Miliz hatte die Anschläge auf friedliche Fußballfans, die in einem Restaurant und einem Rugby-Club das WM-Finale in Südafrika verfolgten, als Strafe für die Beteiligung Ugandas am Amisom-Einsatz in Somalia bezeichnet.

mmq/AP/Reuters



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frubi 24.08.2010
1. .
Zitat von sysopBewaffnete Attentäter haben in der somalischen Hauptstadt Mogadischu ein Hotel gestürmt und mindestens 15 Menschen getötet. Berichten zufolge sind unter den Opfern auch Parlamentsabgeordnete. Bei Kämpfen in der Stadt starben zudem Dutzende Zivilisten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,713460,00.html
Normalerweise, auf Grundlage der lächerlichen Argumentation im Bezug auf den Afghanistan-Einsatzes, müssten wir unsere Soldaten nun auch nach Somalia schicken und dort das Heil über die Menschen bringen. Ich wüsste nicht, dass es den Zivilisten in dieser Region besser gehen würde als den Afghanen. Also Herr Guttenberg, worauf warten Sie noch?
csaa6966, 24.08.2010
2.
Merkwürdig, wie wenig Aufmerksamkeit dieser Artikel bzw. das Thema Somalia erfährt. Eine eingehendere Beschäftigung über die Hintergründe dieses von Islamisten verursachte Desaster könnte wohl die gerade flaue Spendenlaune für Pakistan weiter schmälern.
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