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05. Dezember 2008, 09:12 Uhr

Anschlag auf Mumbai

Experten vermuten höhere Zahl von Terroristen

Die Terroranschläge in der Millionenmetropole Mumbai - wie viele Täter waren tatsächlich beteiligt? Indische Behörden gehen von nur zehn Männern aus. US-Analysten dagegen sind sicher: Die Zahl der Attentäter war weit höher. Indiens Innenminister räumte Pannen bei der Sicherheit ein.

Washington - Sie kamen vom Meer, landeten in der Stadt, richteten ein Blutbad an. Sie besetzten zwei Hotels und ein jüdisches Zentrum, ermordeten 172 Menschen und hielten eine Millionenmetropole drei Tage lang in Schach: Die Terroranschläge von Mumbai sollen nach Darstellung indischer Behörden von nur zehn Männern verübt worden sein. Neun von ihnen wurden getötet, einer wurde festgenommen.

Amerikanische Antiterror-Experten gehen jedoch von einer deutlich höheren Zahl von Attentätern aus. "Ich denke, es gibt noch mehr", sagte Farhana Ali, eine ehemalige CIA-Analystin, am Rande eines Treffens von US-Regierungsvertretern in Washington. Sie beziehe ihre Erkenntnisse aus Kreisen in Pakistan: "Meine Quellen sprechen von mindestens 23 Tätern", so Ali.

Ali zweifelte die offizielle Darstellung an, wonach alle beteiligten Täter dingfest gemacht worden sein, und sagte, "Ich glaube, die indischen Behörden rüsten sich für weitere Angriffe".

Die pakistanisch-stämmige Terror-Gruppe Lashkar-i-Toiba (LeT) soll für die Anschläge in Mumbai verantwortlich sein.

Der amerikanische Antiterror-Experte David Kilcullen, unter anderem Berater von US-Außenministerin Condoleeza Rice und General David Petraeus, geht ebenfalls von einer höheren Zahl beteiligter Täter aus. "Die indischen Behörden sprechen von zehn Tätern, weil sie neun von ihnen getötet und einen verhaftet haben. Aber man muss davon ausgehen, dass die Zahl höher ist."

Indien hat mittlerweile Pannen bei seinen Sicherheitsdiensten eingeräumt. "Ich würde nicht ehrlich sein, wenn ich behaupte würde, es habe keine Fehler gegeben", sagte der neue Innenminister Palaniappan Chidambaram. Untersuchungen liefen, um die Mängel abzustellen.

Die Anschläge in der Finanzmetropole haben bereits zu personellen Konsequenzen in der indischen Regierung geführt. Nach scharfer Kritik am Krisenmanagement traten am Sonntag der bisherige Innenressortchef und der Nationale Sicherheitsberater zurück.

pad/cte/Reuters

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