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28. April 2019, 12:35 Uhr

Israelische Anschlagsopfer in Kalifornien

"Wir sind vor dem Feuer geflüchtet und sind im Feuer gelandet"

Beim Anschlag auf eine Synagoge in Kalifornien ist auch ein achtjähriges Mädchen verletzt worden. Seine Familie war vor den Raketen der Hamas aus der israelischen Stadt Sderot in die USA geflüchtet.

Israel Dahan und seine Familie hatten genug vom Leben im Raketenhagel der Hamas aus dem Gazastreifen. Im Jahr 2014 zogen sie aus der israelischen Kleinstadt Sderot in die USA. In der Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit.

Diese Hoffnung hat am Samstag Risse bekommen. Dahan und drei seiner fünf Kinder nahmen an den Feierlichkeiten zum Pessachfest in der Chabad-Synagoge im kalifornischen Poway teil, als ein Mann das Feuer auf die Anwesenden eröffnete. Der Attentäter, offenbar ein 19-jähriger Rechtsextremist, tötete eine 60 Jahre alte Frau und verletzte drei Personen. Unter den Verletzten sind Dahans achtjährige Tochter Noya sowie sein Schwager Almog Peretz.

"Wir sind vor dem Feuer geflüchtet und sind im Feuer gelandet", erzählte Dahan am Sonntag dem israelischen Rundfunk in einem Interview. "Wir haben Sderot wegen der Raketenangriffe verlassen. Mein Haus wurde mehrfach getroffen. Die Häuser meiner Mutter und Schwiegermutter wurden mehrmals getroffen. Ich wurde mehrfach verletzt. Wir wollten einfach nur weit wegziehen."

Vor fünf Jahren zog die Familien nach Kalifornien. Doch schon 2015 hatten Unbekannte während des Pessachfests Hakenkreuze an ihr Haus und ihr Auto geschmiert.

Dass er und seine Kinder das Attentat auf die Synagoge am Samstag überlebten, haben sie offenbar einer Fehlfunktion der Waffe des Terroristen zu verdanken. "Ich rief den Leuten zu, dass sie fliehen sollten", berichtet Dahan. "Dann klemmte zum Glück seine Waffe."

Video: Angriff auf die Synagoge in Poway

Sein Schwager Peretz sagte dem israelischen Fernsehsender Channel 13: "Ich komme aus Sderot, ich weiß also, wie es ist, vor Kassam-Raketen wegzulaufen." Als der Schütze die Synagoge betrat, habe Peretz sich vier Kinder geschnappt und sei mit ihnen in Richtung der Hintertür gerannt. Dann habe der Attentäter geschossen und ihn am Bein getroffen.

Trotz der Hakenkreuzschmierereien und des Anschlags auf die Synagoge habe er seinen Weggang aus Israel nicht bereut, sagt Dahan. "So ist das Leben. Wir lieben Amerika. Das kann überall passieren."

syd/Reuters

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