Anschlag auf US-Soldaten „Wir werden kommen, um euch zu schlachten“

Islamische Extremisten mit Verbindungen nach Afghanistan sollen für den tödlichen Angriff auf US-Soldaten in Kuweit verantwortlich sein. Bei der Attacke waren ein amerikanischer Marineinfanterist und die beiden Attentäter ums Leben gekommen.


Kuweit: Anas Ahmad Ibrahim al-Kandari, 21, soll einer der Attentäter sein.
DPA

Kuweit: Anas Ahmad Ibrahim al-Kandari, 21, soll einer der Attentäter sein.

Das kuweitische Innenministerium sprach von einem Terroranschlag. 30 Personen seien festgenommen und verhört worden. Die beiden 21 und 26 Jahre alten getöteten kuweitischen Attentäter seien möglicherweise Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida von Osama Bin Laden. Fest stehe auf jeden Fall, dass die arbeitslosen jungen Männer einige Zeit in Afghanistan verbracht hätten, hieß es in Zeitungsberichten, die sich auf Ermittler berufen.

Die beiden Attentäter hatten am Dienstag zwei Gruppen von Soldaten angegriffen, die an einem Manöver im Straßenkampf auf einer kuweitischen Insel teilnahmen. Ein US-Soldat wurde getötet, ein weiterer verletzt, die beiden Angreifer von anderen Soldaten erschossen.

Die Mutter des 21-jährigen Anas Ahmad Ibrahim al-Kandari, einem der Attentäter, sagte gegenüber der Zeitung "Al-Rai al-Aam“, ihr Sohn habe sie aufgefordert, dafür zu beten, dass er als Märtyrer für Gott sterbe. Die amerikanische Unterstützung für Israel habe ihn gegen die USA aufgebracht. Nach dem jüngsten israelischen Angriffen auf Zivilisten im palästinensischen Flüchtlingslager Chan Junis habe er zu ihr gesagt: "Gott schütze die Amerikaner, wir werden kommen, um euch zu schlachten, so wie ihr uns geschlachtet habt.“

Bei den Ermittlungen wurden im Wagen der Täter drei Sturmgewehre und Munition gefunden. Unklar ist bislang, wie die Täter überhaupt in das Manövergelände auf der unbewohnten Insel gelangt waren. Der US-Geheimdienst hatte zunächst keine Erkenntnisse darüber, ob sie Verbindungen zu einer Terrorgruppe hatten.

Insel ist vermint

Die Insel Failaka liegt rund 20 Kilometer vor der Küste von Kuweit im Persischen Golf. Die Einwohner hatten sie 1990 beim Angriff des Irak auf den Golfstaat verlassen. Der Irak hatte die Insel danach stark vermint. Die früheren Bewohner blieben auf dem Festland und wurden von der kuweitischen Regierung entschädigt. Das Manöver der US-Truppen begann dort am 1. Oktober mit der Ankunft der amphibischen Transportschiffe "Denver" und "Mount Vernon", die tausend Marineinfanteristen und ihre Ausrüstung an Bord hatten.

In Kuweit, das einen alleinigen Angriff der USA auf den Irak ablehnt, sind Fundamentalisten politisch stark vertreten. Die Regierung will den Vereinigten Staaten die Nutzung von kuweitischem Boden für einen Angriff auf das Nachbarland nur gestatten, wenn es dazu einen Beschluss der Vereinten Nationen gibt. Auch die Fundamentalisten in Kuweit würden einen Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein begrüßen, sie unterstellen den USA aber andere Motive. So wolle Washington die Araber schwächen, um Israel zu helfen oder um die eigene kriselnde Wirtschaft zu beleben.

BKA hat keine Hinweise auf Anschlagspläne

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat unterdessen mitgeteilt, es gebe keine konkreten Hinweise auf neue Anschlagspläne der Qaida in Deutschland oder anderen Ländern. Aiman al-Sawahiri, der als "rechte Hand“ von Bin Laden gilt, hatte am Dienstag nach einem Bericht des katarischen Fernsehsenders al-Dschasira mit neuen Anschlägen gedroht.

Al-Qaida werde die US-Wirtschaft so angreifen, dass das amerikanische Volk Präsident George W. Bush "verfluchen“ werde, sagte Sawahiri auf einem Tonband, das der Fernsehsender abspielte. Al-Qaida habe auch Warnungen an Frankreich und Deutschland gesandt, hatte al-Sawahiri behauptet. "Die jungen Gotteskrieger haben eine Botschaft an Frankreich und Deutschland geschickt“, sagte der Ägypter wörtlich.



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