Anschlag in Bagdad Iraks Justizminister blieb unverletzt

Seit der Machtübergabe an die Übergangsregierung geraten irakische Politiker zunehmend ins Fadenkreuz von Attentätern. Am Samstagmorgen war ein Autokonvoi des irakischen Justizministers Ziel eines Selbstmord-Anschlags. Mindestens vier Menschen wurden getötet, der Minister überlebte.


Bagdad - Eine gewaltige Explosion erschütterte am Samstagmorgen das Zentrum von Bagdad. Als ein Konvoi des irakischen Justizministers Malik al-Hassan durch die Arabija-Straße fuhr, detonierte ein Spengsatz in einem Auto unmittelbar neben der Wagenkolonne. Al-Hassan wurde nicht verletzt, aber mindestens vier Menschen nach Angaben der Polizei und des US-Militärs getötet. Krankenhausärzte berichteten, acht weitere Personen seien verletzt worden.

Die Explosion war so stark, dass man den Knall weithin in der Stadt hören konnte. Fernsehbilder zeigten einen ausgebrannten Geländewagen und mehrere andere beschädigte Fahrzeuge. Der Minister selbst sei eineinhalb Stunden nach dem Anschlag in seinem Büro erschienen, sagte ein Sprecher des Justizministers.

Fast zeitgleich zündete ein Selbstmord-Attentäter einen Sprengsatz außerhalb einer Kaserne der irakischen Nationalgarde. Bei dem Anschlag in Machmudia, 30 Kilometer südlich von Bagdad, starben nach irakischen Angaben neben dem Täter fünf Mitglieder der Nationalgarde, zwölf weitere Menschen wurden verletzt. Zu dieser Zeit hielten sich zahlreiche Iraker vor dem Hauptquartier der Nationalgarde auf, um sich für einen Posten zu bewerben.

Erst am Mittwoch war in Bagdad eine Autobombe in der Nähe der so genannten Grünen Zone hochgegangen, in der die Regierungsgebäude und die US-Botschaft liegen. Dabei wurden elf Menschen getötet.

Im Zentrum der Hauptstadt haben Extremisten in jüngster Zeit wiederholt mit Mörser-Granaten und Autobomben zugeschlagen. Zunehmend ins Fadenkreuz geraten Politiker und hohe Beamte, seit die Macht im Irak am 28. Juni offiziell an eine Übergangsregierung übergeben wurde. So wurde am Mittwoch der Gouverneur der norirakischen Provinz Niniveh ermordet; zu den Anschlagsopfern der letzten Tage zählen außerdem der Sicherheitschef des irakischen Außenministeriums sowie ein hoher Beamter aus dem Finanzministeriums.



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