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18. August 2017, 16:05 Uhr

Anschlag in Barcelona

Innenministerium riet zur Aufstellung von Pollern 

Hätte der Anschlag in Barcelona verhindert werden können? Das Innenministerium empfahl der Stadtverwaltung im vergangenen Jahr, Straßenpoller aufzustellen - doch die setzte auf Polizeipatrouillen.

Ein breiter Gehweg, gesäumt von kleineren Geschäften und Häusern, an den Rändern der Straße liegen regungslose Menschen - die Bilder der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona gingen nach dem Anschlag vom Donnerstagabend um die Welt. 13 Menschen starben, mehr als hundert wurden verletzt.

Der Lieferwagen, mit dem die Täter Jagd auf Passanten machten , hatte dort über Hunderte Meter freie Fahrt. Schon vor Monaten soll das spanische Innenministerium vor einem solchen Szenario gewarnt haben.

Hintergrund waren die Anschläge in Nizza und auf dem Berliner Breitscheidplatz, bei dem die Täter ihre Lastwagen ungebremst in Passanten lenken konnten. Aus Madrid kam deshalb die Empfehlung, den Fußweg entlang der 1,2 Kilometer langen Las Ramblas mit Straßenpollern abzusichern. Kioskbesitzer - die in den kleinen Buden am Rande der Straße arbeiten - sollen dem Sender RNE berichtet haben, dass sie die Stadtverwaltung von Barcelona um diese Maßnahme gebeten haben.

Die Zeitung "El País" zitiert aus dem Schreiben des Innenministeriums an die Stadtverwaltung. Demnach sollten die Verantwortlichen "mit Objekten oder Polizisten strategische Punkte abschotten, die das Ziel von terroristischen Anschlägen sein könnten".

Die Stadtverwaltung Barcelonas entschied sich für die verstärkte Polizeipräsenz - und gegen die Poller. Zur Begründung hieß es, dass es praktisch unmöglich gewesen sei, den Boulevard komplett mit Pollern abzusichern, weil die Straße für Feuerwehreinsätze offenbleiben müsse.

Bürgermeisterin Ada Colau wehrt sich nun gegen die Kritik, nicht die richtigen Maßnahmen zur Verhinderung des Anschlags getroffen zu haben. Sie sagte laut der Zeitung "El País", eine 100-prozentige Sicherheit gebe es nie. Auch Innenminister Joaquim Forner verteidigt die Entscheidung der Stadtverwaltung. Er sagte, die Aufstellung der Poller hätte den Verkehr in der Stadt verkompliziert und könnte terroristische Anschläge in anderen Ecken der Stadt ohnehin nicht verhindern.

vks/bbr

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