Anschlag in Islamabad Geistliche triumphieren über toten Gouverneur

Islamische Geistliche loben den Attentäter und verdammen die öffentliche Trauer um den ermordeten pakistanischen Gouverneur Taseer: Der Anschlag solle gemäßigten Kräften im Land eine Lehre sein. Der liberale Politiker war von seinem Leibwächter erschossen worden.
Anhänger des Taseer-Attentäters in Islamabad: "Lektion" für liberale Kräfte im Land

Anhänger des Taseer-Attentäters in Islamabad: "Lektion" für liberale Kräfte im Land

Foto: T. Mughal/ dpa

Islamabad - Der Mord an dem liberalen Gouverneur Salman Taseer geschah am helllichten Tag: Der Politiker der regierenden Pakistanischen Volkspartei (PPP) wurde am Dienstag vor einem Einkaufszentrum ermordet - einer seiner Leibwächter tötete ihn mit über einem Dutzend Schüssen. Am Mittwoch wurde Taseer in Lahore beigesetzt.

Mehrere hundert islamische Geistliche warnten jetzt vor Trauerbekundungen für den Provinzgouverneur, der ein entschiedener Gegner des Blasphemie-Gesetzes war. Die mehr als 500 Theologen erklärten, wer Gotteslästerungen unterstütze, mache sich selbst der Blasphemie schuldig, die in Pakistan mit dem Tode bestraft werden kann. Der Mord an Taseer sollte für die Gegner des Gesetzes eine Lektion sein.

Eigentlich vertritt die Gruppe der Geistlichen eine liberale Auffassung des Islam, die Theologen gelten als Kritiker der Taliban. Auf der anderen Seite führte die Gruppe in der Vergangenheit Protestdemonstrationen für das Gesetz gegen Gotteslästerungen an. In Pakistan sind mehr als 95 Prozent der 170 Millionen Einwohner Muslime.

Jubel und Rosenblätter

Die Geistlichen würdigten in ihrer Erklärung den "Mut" und die Konsequenz des Attentäters, auf die alle Muslime stolz sein könnten. Der nach der Tat festgenommene Leibwächter Taseers gehörte zu einer Eliteeinheit der Polizei. Beim Verlassen eines Gerichts rief er: "Um dem Propheten zu dienen, ist der Tod akzeptabel."

Der Leibwächter wurde von Befürwortern des Gesetzes begeistert empfangen. Sie warfen Rosenblätter und schrien "Allahu akbar" ("Gott ist der Größte"). Im Fernsehen wurde der Leibwächter mit der Aussage zitiert, der Politiker habe die Strafe für die Gotteslästerung erhalten.

Taseer hatte sich unter anderem für eine christliche Landarbeiterin eingesetzt, die nach den Bestimmungen des Blasphemie-Gesetzes zum Tode verurteilt worden war. Nach Angaben von Ärzten wurde er aus kurzer Distanz mit 14 Schüssen getötet.

An der Trauerfeier für seinen Parteifreund Taseer nahmen am Mittwoch Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani und andere hochrangige Regierungsvertreter teil. Tausende Menschen erwiesen dem ermordeten Politiker bei der Gedenkveranstaltung in seiner Residenz die letzte Ehre und schwenkten Flaggen der pakistanischen Volkspartei.

amz/Reuters
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