Anschlag in Islamabad Tschechischer Botschafter stirbt bei Bombenattentat

Unter den Todesopfern des verheerenden Terroranschlags in Pakistan sind mindestens vier Ausländer: In den Trümmern des Marriott-Hotels in Islamabad starb unter anderem Tschechiens Botschafter. Dass auch ein Deutscher getötet wurde, bestätigte sich nicht. Sieben Bundesbürger wurden verletzt.


Islamabad - Meter für Meter durchkämmen pakistanische Rettungskräfte die ausgebrannte Ruine des Marriott-Hotels in Islamabad. Bisher haben sie 53 Leichen aus den Trümmern gezogen, doch die Zahl der Todesopfer kann am Tag nach dem blutigen Terroranschlag in der pakistanischen Hauptstadt noch weiter steigen. Die Zahl der Verletzten gibt die Behörde derzeit mit 266 an, unter ihnen sind nach Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes in Berlin auch sieben Deutsche. Einer von ihnen soll schwer verletzt sein.

Am Morgen hatte der kommissarische Innenministers Pakistans, Rehman Malik, auch von einem getöteten Deutschen gesprochen. Auf einer Pressekonferenz später am Sonntag sprach Malik wiederholte er diese Aussage nicht. Laut Malik starben mindestens vier Ausländer in den Trümmern. Dabei handle es sich um zwei Amerikaner, einen Vietnamesen und einen Tschechen.

Der getötete Tscheche ist der höchste Diplomat des Landes in Pakistan, Botschafter Ivo Zdarek. Der pakistanische Premierminister Yousaf Raza Gilani bestätigte am Sonntag den Tod Zdareks. Wie aus Sicherheitskreisen weiter verlautete, wurde die am Vormittag (Ortszeit) aus dem zerstörten Luxushotel geborgene Leiche des 47-Jährigen inzwischen an die tschechische Botschaft übergeben.

In Prag erklärte eine Außenministeriumssprecherin, der tschechische Botschafter habe vorübergehend im Marriott gewohnt, da das Botschaftsgebäude derzeit umgebaut werde, um die Sicherheit zu verbessern. Er hatte erst im Sommer seinen Posten angetreten. Ein dänischer Botschaftsvertreter wird seit dem Anschlag auf das bei westlichen Ausländern wie auch wohlhabenden Pakistanern beliebten Hotel vermisst.

Zardari beschwört Kampf gegen den Terror

Pakistans neuer Präsident Asif Ali Zardari bekräftigte in einer TV-Ansprache, sein Land werde mit aller Härte gegen den Terrorismus vorgehen. "Terrorismus ist ein Krebsgeschwür in Pakistan. Und wir sind entschlossen, das Land von diesem Krebsgeschwür zu befreien", erklärte er am Sonntag vor seiner Abreise nach New York.

Dort wollte der Staatschef, der erst seit knapp zwei Wochen im Amt ist, an der Uno-Generaldebatte teilnehmen. Die Atommacht Pakistan gilt als enger Partner des Westens im Kampf gegen den Terrorismus.

Der folgenschwerste Terroranschlag in der Geschichte der pakistanischen Hauptstadt wurde international verurteilt. US-Präsident George W. Bush sagte Pakistan Unterstützung im Kampf gegen den Terror und bei der Verfolgung der Hintermänner des Anschlags zu. Bis zum Sonntag hatte sich niemand zu dem Blutbad bekannt. Die pakistanische Regierung macht jedoch radikalislamische Extremisten für den Anschlag verantwortlich. Pakistans Nachbarn Indien und Afghanistan verurteilten den Anschlag ebenfalls.

Die französische EU-Ratspräsidentschaft äußerte sich entsetzt über das "schreckliche" Attentat und sagte zu, man wolle Pakistan beim Kampf gegen den Terror "mehr denn je zur Seite zu stehen". Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, Deutschland werde "gemeinsam mit seinen Partnern Pakistan bei Bemühungen um Stabilität und Prosperität weiter unterstützen." Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte das Attentat.

Eine Tonne Sprengstoff

Rettungskräfte konnten erst am Sonntagmorgen mit der Suche nach weiteren Opfern in den Trümmern des ausgebrannten sechsstöckigen Hotels beginnen. Der Attentäter hatte seinen mit einer Tonne Sprengstoff beladenen Lieferwagen am Samstagabend an einer Sicherheitsschleuse rund 30 Meter vor dem Hoteleingang zur Explosion gebracht. Zu der Zeit befanden sich Hunderte von Menschen in dem Gebäude, viele Familien saßen im Restaurant beim abendlichen Fastenbrechen während des Ramadans.

Durch die Wucht der Detonation stürzte die Fassade des Hotels und die Decke im Speisesaal ein. Zerstörte Gasleitungen lösten ein Flammeninferno aus, das die ganze Nacht über loderte. Die Bombe riss einen Krater von sechs Metern Durchmesser in den Boden vor dem Fünf-Sterne-Hotel, das in einer Hochsicherheitszone nur rund 500 Meter entfernt von der Residenz des Präsidenten und des Regierungschefs liegt. Nach dem Anschlag bot sich ein Bild des Grauens. Neben Rettungskräften halfen auch Freiwillige, blutüberströmte Opfer wegzutragen.

Noch kurz vor dem Anschlag hatte Präsident Zardari vor dem Parlament in Islamabad erklärt, er werde dafür sorgen, dass der Terrorismus ausgemerzt werde, ganz egal wo er seine hässliche Fratze zeige.

Beobachter sehen in der zunehmenden Zahl von Terroranschlägen gegen Politiker und Sicherheitskräfte eine Reaktion auf die im August begonnene pakistanische Militäroffensive gegen Extremisten im Grenzgebiet zu Afghanistan. Diese unwegsame Region gilt als Rückzugsgebiet von radikalislamischen Taliban und der mit ihnen verbündeten al-Qaida-Terroristen, die gegen die Koalitionstruppen in Afghanistan kämpfen.

phw/AP/AFP/dpa/Reuters

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