Anschlag in Istanbul Polizei fahndet nach dem vierten Angreifer

Sechs Tote bei einem Anschlag auf das US-Konsulat in Istanbul: Drei Angreifer und drei Polizisten sind ums Leben gekommen - nun läuft die Suche nach den Hintermännern. Ein Täter soll mit möglicherweise gefährlicher Fracht entkommen sein.


Istanbul - Über eines sind sich die türkischen Behörden einig: Der Schlag gegen die amerikanische Botschaft in Istanbul sei von Terroristen geführt worden. Der leitende Staatsanwalt von Istanbul, Aykut Cengiz Engin, sagte vor Journalisten: "Die Untersuchung der ersten Spuren zeigt, dass es sich um einen terroristischen Akt handelte." Innenminister Besir Atalay sprach von drei "Terroristen", die beteiligt gewesen seien. Es würden alle möglichen Spuren verfolgt.

Auch US-Botschafter Ross Wilson sprach von einem "Terrorakt". Die Sicherheitsvorkehrungen vor den US-Einrichtungen sollten nach dem Angriff verschärft werden. "Das war ein Angriff auf eine amerikanische diplomatische Einrichtung", sagte Wilson. Der Zwischenfall werde der Zusammenarbeit mit der Türkei keinen Abbruch tun. "Unsere Länder stehen zusammen im Kampf gegen den Terrorismus."

Bei der Schießerei vor dem US-Konsulat in Istanbul sind sechs Menschen getötet worden. Bei den Opfern handelt es sich nach offiziellen Angaben um drei bewaffnete Angreifer und drei Polizisten. Die Angreifer waren mit einem Auto vor das stark gesicherte Gebäude im europäischen Teil Istanbuls gefahren und hatten das Feuer auf die Wachleute eröffnet. Einer der Polizisten starb sofort, seine beiden Kollegen erlagen im Krankenhaus ihren Verletzungen. Ein Polizist und ein Fahrer wurden verletzt. Fernsehbilder zeigten einen der Angreifer, der in einer Blutlache vor dem Gebäude lag. Konsulatsmitarbeiter seien bei der Schießerei nicht verletzt worden, sagte eine Sprecherin der US-Botschaft in Ankara.

Die Behörden haben die Ermittlungen über die Täter und deren Hintermänner aufgenommen. Fernsehberichten zufolge fahndete die Polizei nach einem vierten Mann. Augenzeugen sagten, er sei nach dem Angriff in einem weißen Auto geflüchtet. Der private Fernsehsender NTV berichtete unter Berufung auf die Polizei, das Fahrzeug sei möglicherweise mit Sprengstoff beladen gewesen.

Ein 13-jähriger Junge berichtete, er habe mehrere Männer dabei beobachtet, wie sie Gewehre vorbereitet und in einen Ford Focus gelegt hätten, um dann zu dem nahe gelegenen Konsulat zu fahren. "Die drei stiegen aus dem Auto. Einer von ihnen schoss einem Polizisten in die Brust", sagte das Kind Reportern. "Einen der Terroristen sah ich, wie er sich selbst tötete, nachdem er von der Polizei angeschossen worden war. Danach habe ich mich unter einem Auto versteckt." Ein Besucher des Konsulats sagte, das Gefecht habe eine Viertelstunde gedauert. "Die Terroristen trugen Bärte und langes Haar", sagte der noch vor Schreck zitternde 24-Jährige.

In der Türkei hat es in der Vergangenheit politische Gewalttaten diverser Gruppen gegeben, darunter Linksextremisten, kurdische Separatisten und militante Islamisten. Bei der schwersten Anschlagsserie wurden im November 2003 insgesamt 62 Menschen getötet, als Islamisten zwei Synagogen, eine Bank und das britische Konsulat ins Visier nahmen. Seitdem sind bei den meisten größeren Botschaften und Konsulaten in der Türkei die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden.

asc/Reuters/AFP



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