Anschlag in Manchester Britische Behörden sollen Warnungen ignoriert haben

Eine muslimische Stiftung erhebt Vorwürfe gegen die britischen Behörden. Diese seien zweimal vor dem mutmaßlichen Attentäter von Manchester gewarnt worden, hätten aber nichts unternommen.

Polizist in Manchester
AFP

Polizist in Manchester


Die britischen Sicherheitsbehörden sollen laut einer muslimischen Stiftung seit zwei Jahren von den extremistischen Tendenzen des Manchester-Attentäters gewusst haben. Ein Aktivist der muslimischen Gemeinde habe die Anti-Terror-Behörde zweimal über extremistische Äußerungen von Salman Abedi informiert, sagte der Vorsitzende der Ramadhan Foundation, Mohammed Shafiq, dem australischen Sender ABC.

Abedi habe demnach auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verherrlicht. "Außerdem berichteten auch eine Reihe von Familienmitgliedern von seiner Radikalisierung und seinem Extremismus und meldeten dies den Behörden", sagte Shafiq weiter. "Er war auf dem Radar der Sicherheitsbehörden", so der Stiftungsvorsitzende. Das werfe Fragen darüber auf, was diese mit den Informationen gemacht hätten.

Bei dem Terroranschlag auf Besucher eines Popkonzerts waren am Montagabend 22 Menschen getötet worden. Unter den mehr als 60 Verletzten waren zahlreiche Menschen mit schweren Verwundungen. Die britische Regierung geht davon aus, dass der mutmaßliche Täter Abedi nicht allein gehandelt hat.

Behörden sollen 18 Anschläge verhindert haben

Die Anti-Terror-Behörde wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht zu den Vorwürfen äußern. Auch die Polizei in Manchester konnte die Aussagen Shafiqs nicht bestätigen. Innenministerin Amber Rudd hatte zuvor eingeräumt, dass Abedi den britischen Sicherheitsbehörden bekannt gewesen sei.

Nach Regierungsangaben haben britische Sicherheitsbehörden in den vergangenen vier Jahren 18 geplante Terroranschläge vereitelt. Allein seit der Attacke im Londoner Regierungsbezirk Westminster im März seien fünf Attentate verhindert worden, zitierte die britische Nachrichtenagentur PA Regierungskreise.

Der Inlandsgeheimdienst MI5 führe um die 500 Ermittlungen gleichzeitig. Jederzeit gebe es bis zu 3000 Personen, die für den Geheimdienst von besonderem Interesse seien.

Abedi habe in der Vergangenheit zu diesem Personenkreis gehört, so die Quelle. Zuletzt sei er aber nicht mehr regelmäßig überprüft worden. Die Entscheidung, ob jemand als potenzieller Terrorist eingestuft werden müsse, sei schwierig.

cte/dpa



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