Anschlag in Marokko Anzahl der Todesopfer in Marrakesch steigt auf 16

Bei dem Anschlag auf ein Touristencafé in Marrakesch sind bislang 16 Menschen ums Leben gekommen, darunter laut Innenministerium zwei Kanadier, zwei Franzosen und ein Niederländer. Aus Paris hieß es, es seien sogar sechs Landsleute getötet worden.


Rabat - Nach dem Anschlag auf ein Touristencafé in der marokkanischen Stadt Marrakesch verfolgen die Behörden mehrere Spuren. Auch eine Verwicklung des Terrornetzwerks al-Qaida werde nicht ausgeschlossen, sagte der marokkanische Regierungssprecher Khalid Naciri. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich auf 16, in der Nacht zu Freitag starben zwei Schwerverletzte. Ein Arzt sagte, einer der Patienten sei im Krankenhaus gestorben, ein zweiter beim Transport dorthin

Naciri versicherte, durch das Attentat werde der politische Reformprozess nicht in Frage gestellt. Infolge landesweiter Proteste hatte König Mohammed VI. am 9. März umfassende Reformen angekündigt. Naciri hatte am Donnerstag gesagt, es habe sich bei der Explosion um einen "terroristischen Akt" gehandelt. Das Land sei "wieder mit den gleichen Bedrohungen konfrontiert wie im Mai 2003". Damals waren bei Anschlägen in der Küstenstadt Casablanca 45 Menschen getötet worden, darunter die zwölf Selbstmordattentäter.

Durch die Explosion in dem bei Touristen beliebten Café Argana am berühmten Platz Dschamaa el-Fna in der Altstadt von Marrakesch wurden unmittelbar 14 Menschen getötet und 23 weitere verletzt.

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Marokko: Viele Menschen sterben bei Explosion in Café
Sieben Tote konnten bereits identifiziert werden: zwei Marokkaner zwei Franzosen, zwei Kanadier und ein Niederländer, wie das Innenministerium am Freitag mitteilte. Aus französischen Regierungskreisen verlautete am Freitag, sechs Franzosen seien getötet und zehn weitere verletzt worden.

Zehn französische Polizisten wurden nach Marrakesch entsandt, um bei der Identifizierung der Opfer zu helfen. Auch Interpol bot Unterstützung bei den Ermittlungen an. Das Außenministerium in Den Haag bestätigte den Tod einer Niederländerin. Angaben über deutsche Opfer lagen zunächst weiter nicht vor.

Die offiziell verbotene, doch tolerierte islamistische Bewegung Gerechtigkeit und Wohltätigkeit verurteilte das Attentat und bekräftigte ihre Ablehnung aller Gewalt. Zugleich ermahnte die Bewegung die Behörden, dass sich "Verstöße gegen die Menschenrechte" wie nach den Anschlägen von Casablanca 2003 nicht wiederholen dürften. Sie rief die Bevölkerung auf, sich durch "diesen barbarischen Akt" nicht verunsichern zu lassen und "wachsam und friedlich ihren Marsch zum Sturz des Autoritarismus" fortzusetzen.

Nach dem Uno-Sicherheitsrat, den USA und Frankreich verurteilten am Freitag auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in einer gemeinsamen Erklärung den Anschlag. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte in einem Schreiben an Marokkos König Mohammed VI. "Abscheu und Entsetzen" über den Anschlag aus und erklärte, sie verurteile "diesen barbarischen Terrorakt aufs Schärfste".

ffr/AFP/dapd



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