Anschlag in Minsk Weißrussische Ermittler nehmen Verdächtige fest

Weißrusslands Präsident Lukaschenko wollte nach dem blutigen U-Bahn-Anschlag in Minsk rasche Ermittlungserfolge - und seine Sicherheitsbehörden haben bereits zugegriffen: Es seien mehrere Menschen verhaftet worden, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Verstärkte Kontrollen: Sicherheitspersonal beim Einsatz in Minsk
REUTERS

Verstärkte Kontrollen: Sicherheitspersonal beim Einsatz in Minsk


Minsk - Sie patrouilliert auf den Straßen, kontrolliert Bahnhöfe und Flughäfen: Die weißrussische Polizei hat nach dem blutigen U-Bahn-Anschlag in Minsk ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Ermittler nahmen am Dienstag zudem mehrere Verdächtige fest. Nähere Angaben machte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Andrej Schwed zunächst nicht. Es habe sich nicht um ein Selbstmordattentat gehandelt, sagte Schwed. Der mit Metallteilen gespickte Sprengsatz sei ferngezündet worden.

Schwed kündigte an, es würden in Kürze Phantombilder von den Verdächtigen veröffentlicht, die noch auf der Flucht seien. Die weißrussischen Behörden hatten bereits kurz nach dem Anschlag erklärt, dass sie von einem "Terrorakt" ausgingen.

Ziel des Anschlags in der zentralen Metrostation Oktjabrskaja am Montag sei gewesen, die Ex-Sowjetrepublik zu destabilisieren, sagte Schwed. Den Angehörigen der Toten versprach die Führung des verarmten Landes jeweils umgerechnet 6900 Euro Schadensersatz.

Nach Angaben des Geheimdienstes KGB wurden bei dem Sprengstoffanschlag mindestens zwölf Menschen getötet und 149 weitere verletzt. 22 Menschen befänden sich noch in einem kritischen Zustand, neun Tote seien bislang identifiziert worden. Wie Gesundheitsminister Wasili Scharko sagte, hatten zahlreiche Opfer Schrapnellwunden, in den schlimmsten Fällen riss die Wucht der Explosion den Menschen die Gliedmaßen ab.

Präsident Alexander Lukaschenko, dessen Büro und Residenz sich direkt an der zerstörten U-Bahnstation Oktjabrskaja befindet, sagte am Montagabend: "Ich schließe nicht aus, dass dieses 'Geschenk' aus dem Ausland kommt." Laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti beauftragte Lukaschenko den Chef des KGB persönlich mit den Ermittlungen. "Die Schuldigen müssen so bald wie möglich gefunden werden. Stellt das ganze Land auf den Kopf", sagte der autoritär regierende Staatschef demnach.

Die Attentäter hatten einen Sprengsatz unter einer Bank auf dem Bahnsteig der U-Bahn-Station versteckt, wie Innenminister Anatoli Kuletschow sagte. Die Bombe habe eine Sprengkraft wie fünf bis sieben Kilogramm TNT gehabt und sei mit zahlreichen Metallkugeln von einem Zentimeter Durchmesser gespickt gewesen und ferngezündet worden. Rund 300 Menschen hätten sich in der Nähe befunden, als der Sprengsatz im abendlichen Berufsverkehr explodierte.

Der führende Oppositionspolitiker Alexander Milinkewitsch wies jede Verwicklung der weißrussischen Opposition in das Attentat zurück. Er befürchtete, dass die Führung in Minsk den Vorfall zum Vorwand nehmen werde, um ihre Kritiker noch stärker als bisher zu unterdrücken.

Es ist das erste tödliche Attentat in der jüngeren Geschichte des Landes, das anders als Russland bisher nicht von islamischen Extremisten heimgesucht wurde. Im Juli 2008 waren aber bei einem Bombenanschlag während eines Open-Air-Konzerts in der weißrussischen Hauptstadt Dutzende Menschen verletzt worden. Unter den Besuchern befand sich damals auch Lukaschenko, der sich allerdings weit entfernt vom Anschlagsort aufhielt.

Lukaschenko war erst im Dezember wiedergewählt worden, die Wahlen waren jedoch umstritten. Nach dem Urnengang gab es Massenproteste gegen den Staatschef. Dabei wurden Hunderte Menschen vorübergehend festgenommen. Mehr als 40 Menschen wurden angeklagt, unter ihnen fünf Oppositionskandidaten. Mehrere Angeklagte erhielten Haftstrafen von bis zu vier Jahren.

hen/AFP/dpa/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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efka526 12.04.2011
1. Gladio anyone?
Normalerweise bin ich ja kein Freund von Verschwörungstheorien und anderen Verschwurbeleien, aber das hier riecht doch zu sehr nach einer False Flag Operation. Es gibt nur eine Person in Europas letzter Diktatur der so ein Terror-Anschlag nützt: Alexander Lukaschenko. Sonst niemandem.
netivist85 13.04.2011
2. Lukaschenko erklärt Ermittlungen für beendet
na wunderbar- endgültig stellen sich die Ermittlungen zum Attentat als Farce heraus!
netivist85 13.04.2011
3. positiver Bombenanschlag für Lukaschenko
Zitat von netivist85na wunderbar- endgültig stellen sich die Ermittlungen zum Attentat als Farce heraus!
Ja jetzt ist es klar: Die/Der "Attentäter" haben/hat gestanden! Zwei wurden verhaftet, einer 25-jähriger Mann hat schon gestanden. Er hat angeblich auch den Anschlag 2005 in Vitebsk (als er noch minderjährig war...) und weil aller guten Dinge ja drei sind: auch direkt noch den Anschlag 2008 bei dem Konzert in Minsk. Angeblich wäre er Anarchist. Perfekt! Alle grossen Anschläge auf das Land in Handumdrehen geklärt! Anarchisten muss man schon wirklich suchen in Belarus, wo doch die politischen Gruppierungen sehr schwach ausgeprägt sind. Solche politische Überlegungen dafür findet man höchstens unter einer handvoll Studenten und nicht wie bei diesem jungen Mann, der vom Land kommt und nur als Arbeiter tätig ist. Das wirkliche Erschrecken kommt wenn man versteht, dass die Leute im öffentlichen Leben, wirklich davon sprechen, dass dieser Anschlag von der "Opposition" kommt. Dabei ist die Opposition so schwach, dass sie selber nicht mal ein Bein auf dem Boden bekommt. Die müssen sich mit echten Banalitäten herumschlagen, wie das alle naselang die Büroeinrichtung vom KGB konfiziert wird oder die ständige Überwachung der Mitarbeiter. Im Endeffekt profiert hier eindeutig nur Lukaschenko. Das hat er auch dringend nötig, wenn die Leute nicht mal mehr $ oder € in den Wechselstuben tauschen können. Stattdessen ist eine Seite innerhalb von 10 Tagen extrem populär geworden auf der man privat das Geld tauschen kann: http://prokopovi.ch/
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