Justizkreise Attentäter von Nizza hatte womöglich Helfer

Den Anschlag von Nizza verübte der Attentäter nach einem Agenturbericht womöglich nicht allein. Darauf deute eine SMS hin, die er kurz vor der Tat abgesetzt haben soll.
Der LKW des Attentäters

Der LKW des Attentäters

Foto: Alberto Estevez/ dpa

Mohamed Lahouaiej-Bouhlel hat den Anschlag von Nizza nach Erkenntnissen der Ermittler gezielt vorbereitet. Der Attentäter habe die Strandpromenade von Nizza mit dem gemieteten Lastwagen bereits Tage vorher ausgespäht, berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittlerkreise. Demnach hatte der 31-Jährige womöglich Helfer: Ein Albaner, der am Sonntag festgenommen wurde, könnte dem Täter eine Pistole besorgt haben.

Die Ermittler hätten zahlreiche Zeugen und Material ausgewertet, das in der Wohnung des Attentäters gefunden wurde. Insgesamt seien sieben Menschen in Polizeigewahrsam gewesen. Die Frau des Tunesiers, von der er getrennt lebte, wurde nach Vernehmungen wieder freigelassen.

Wie AFP berichtet, habe der Täter kurz vor dem Anschlag noch eine SMS abgesetzt, in der er laut Ermittlerkreisen eine Waffenlieferung erwähnte. Demnach brachte er seine Genugtuung darüber zum Ausdruck, dass er eine Pistole habe, und erwähnte "die Lieferung weiterer Waffen". Ermittler gingen nun der Frage nach, ob diese Waffen für den Attentäter oder andere Menschen gedacht waren, und versuchten nun, "alle Empfänger" dieser Mitteilungen zu identifizieren.

Die französische Regierung geht davon aus, dass sich der Attentäter von Nizza sehr schnell radikalisiert hat. Premierminister Manuel Valls äußerte sich erneut überzeugt, dass der Mann entgegen den Angaben vieler Zeugen Islamist gewesen sei.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte den Anschlag für sich beansprucht und den Täter als "Soldaten" des IS bezeichnet. Die Erklärung wird jedoch von Sicherheitsexperten als vage eingeschätzt und enthält kein Täterwissen. Auch die französische Regierung hat keinen Beleg dafür, dass der Attentäter IS-Anhänger war. Präsident François Hollande hatte relativ schnell von einem Terrorakt gesprochen - eine Festlegung, die durchaus kritisch gesehen wird.

Nach Angaben der Behörden wurden erst 35 der mindestens 84 Toten offiziell identifiziert. Mehr als 80 Menschen wurden am Sonntag noch in Krankenhäusern behandelt, rund 18 von ihnen schwebten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Lebensgefahr.

Landesweit wurde in Gottesdiensten und Versammlungen der Toten gedacht. Auf der Strandpromenade in Nizza legten zahlreiche Menschen Blumen und französische Flaggen nieder.

In Frankreich gilt noch bis einschließlich Montag eine dreitägige Staatstrauer. Für Montagmittag ist eine landesweite Schweigeminute geplant, zuvor will Präsident François Hollande mit dem Nationalen Sicherheitsrat über den Anschlag beraten.

asa/AFP/dpa
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