Anschlag in Pakistan Attentäter reißt viele Menschen mit in den Tod

Der Attentäter nahm Terrorfahnder ins Visier: Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Polizeigebäude in Pakistan sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Die Wucht der Autobombe riss einen riesigen Krater in die Straße.

Helfer suchen nach Opfern des Anschlags in Lahore: Mindestens elf Menschen starben
AFP

Helfer suchen nach Opfern des Anschlags in Lahore: Mindestens elf Menschen starben


Islamabad - Ein Selbstmordattentäter hat in der ostpakistanischen Stadt Lahore eine Autobombe direkt vor den Büros von Anti-Terror-Fahndern gezündet. Mindestens elf Menschen starben bei dem Anschlag am Montag, mehr als 60 wurden verletzt. Die Zahl der Opfer könnte aber noch steigen, da Rettungskräfte noch viele Menschen unter den Trümmern vermuten. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Sicherheitskräfte verdächtigen aber die pakistanischen Taliban.

Der Polizeichef der Provinz Punjab, Tariq Saleem Dogar, sagte, der Attentäter habe ein mit 600 Kilogramm Sprengstoff beladenes Auto in das Haupttor eines Gebäudes gelenkt, in dem ein Büro der Sonderermittlungseinheit des pakistanischen Bundeskriminalamts (FIA) untergebracht war.

Die Wucht der Bombe brachte das Gebäude zum Einsturz und riss einen drei Meter tiefen Krater mit einem Durchmesser von bis zu sechs Metern in die Straße, sagte der Polizeichef von Lahore, Pervez Rathore. Zur Zeit des Anschlags seien 40 bis 50 Menschen in dem Polizeigebäude gewesen.

Fernsehbilder zeigten, wie Rettungskräfte aus den Trümmern Tote und Verletzte bargen. Der Fernsehsender Aaj berichtete, unter den Toten seien fünf Kriminalbeamte. Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte, auch eine Frau und eine Schülerin seien bei dem Anschlag ums Leben gekommen.

Durch die Explosion wurden eine Koranschule und weitere Häuser beschädigt. Die Detonation war in der ganzen Stadt zu hören. Ein Schüler einer nahen Koranschule berichtete, er sei durch die Wucht der Explosion mehrere Meter weit durch die Luft geschleudert worden.

Mehr als 3000 Menschen starben seit 2007 bei Anschlägen

Die Sondereinheit der Polizei, der der Anschlag offenbar galt, ist im Bundeskriminalamt zuständig für Ermittlungen bei Terroranschlägen. Bei zwei Anschlägen auf Büros von Ermittlern waren im vergangenen Jahr in Lahore 26 Menschen getötet worden.

Seit die pakistanische Armee im Oktober vergangenen Jahres eine Offensive gegen Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan begann, haben die Aufständischen eine ganze Serie von Anschlägen verübt, die allein Ende vergangenen Jahres 600 Menschen das Leben kosteten.

Insgesamt wurden in Pakistan in den vergangenen zweieinhalb Jahren über 3000 Menschen bei mehr als 360 Anschlägen getötet. Immer öfter nehmen die Attentäter dabei auch Zivilisten ins Visier. So starben bei einem Doppelanschlag auf einem belebten Markt in Lahore Anfang Dezember 49 Menschen.

mmq/dpa/AFP



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