Anschlag in Pakistan Opferfamilien zeigen Chirac und Villepin an

Hinterbliebene von französischen Opfern eines Anschlags in Pakistan haben Anzeige gegen Ex-Präsident Chirac und seinen früheren Premiers Villepin erstattet. Sie vermuten, dass Schmiergeldzahlungen für ein U-Boot-Geschäft gestoppt wurden und es deshalb zu dem Attentat kam.

Chirac: Schmiergeldaffäre in Pakistan?
REUTERS

Chirac: Schmiergeldaffäre in Pakistan?


Paris - Opferfamilien eines Attentats 2002 in Pakistan wollen Frankreichs früheren Staatschef Jacques Chirac und den ehemaligen Premierminister Dominique de Villepin zur Rechenschaft ziehen. Der Vorwurf der französischen Hinterbliebenen laute auf fahrlässige Tötung und Gefährdung von Dritten, teilte ihr Anwalt Olivier Morice am Freitag mit.

Bei dem Attentat im Mai 2002 hatte ein Selbstmordattentäter ein mit Sprengstoff beladenes Auto vor dem Sheraton-Hotel in Karatschi in einen Bus gelenkt. 14 Menschen kamen ums Leben, unter ihnen elf Franzosen. Sie gehörten zu einer Gruppe von rund vierzig Technikern und Ingenieuren der staatlichen französischen Rüstungswerft DCN, die in Pakistan am Bau eines U-Boots beteiligt waren.

Die Opferfamilien vermuten, dass Schmiergeldzahlungen für ein U-Boot-Geschäft mit Pakistan eingestellt wurden und so der Anschlag provoziert wurde, obwohl es Warnungen vor einem Risiko gegeben habe.

Die französische Justiz untersucht, ob aus Frankreich Schmiergelder in Millionenhöhe für Waffengeschäfte nach Pakistan gezahlt und teils als verdeckte Kommissionen zurückgeflossen sind. Mit den illegalen Geldern soll der Wahlkampf von Präsidentschaftskandidat Edouard Balladur mitfinanziert worden sein, der 1995 gegen Chirac verlor.

Nach seinem Wahlsieg soll Chirac angeordnet haben, die Zahlungen nach Pakistan zu überprüfen und einzustellen. Villepin war zu dem Zeitpunkt Generalsekretär im Elysée-Palast. Eine Vermutung ist, dass der spätere Anschlag auf die Franzosen im Jahr 2002 vom pakistanischen Geheimdienst wegen der ausbleibenden Gelder verübt wurde.

Die Hinterbliebenen hatten am Donnerstag auch eine Vernehmung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy verlangt, der derzeit aber durch seine Immunität als Staatschef geschützt ist. Sarkozy war damals Haushaltsminister und zugleich Sprecher das Wahlkampfes von Balladur. Es besteht der Verdacht, dass er die Verwaltung der illegalen Geldströme aus Pakistan mitorganisierte.

als/AFP

insgesamt 3 Beiträge
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fallobst24 19.11.2010
1. bitte?
Also ist jetzt die bösartige Tat von Chirac etc., dass die Schmiergeldzahlungen eingestellt wurden, oder? Sorry, aber das hört sich nach einer der-Kaffee-war-heiß-Millionen-Schmerzensgeldklage aus den USA. Es ist sehr richtig, dass den Schmiergeldern nachgegangen wird, aber dem Chirac eine Schuld hier zu geben ist sinnlos.
elbröwer 19.11.2010
2. Bizarre
Die sollten mal die beteiligten pakistanischen Terroristen anzeigen. Sitzen alle im Geheimdienst, leicht zu finden. Weil Schmiergeldzahlungen eingestellt wurden wollen die ihren Ex Präsidenten anzeigen. Haben Franzosen eine Meise?
weltbetrachter 19.11.2010
3. NaivitÄten !!!
Man muß schon sehr naiv sein, wenn man glaubt, das bei solchen "Geschäften" die "wirkliche Wahrheit" jemanls an die Öffentlichkeit kommt.
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