Anschlag in Riad Behörden korrigieren Opferzahl nach oben

Bei einem verheerenden Selbstmordanschlag auf ein Ausländer-Wohnquartier in der saudiarabischen Hauptstadt Riad sind am Sonntag mindestens elf Menschen getötet und 128 verletzt worden. Die US-Behörden haben alle Amerikaner im Land aufgefordert, sich nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen.


Aufräumarbeiten: Sicherheitspersonal auf der Suche nach weiteren Opfern
DPA

Aufräumarbeiten: Sicherheitspersonal auf der Suche nach weiteren Opfern

Riad - Rettungshelfern bot sich am Tatort ein Bild der Verwüstung: Das Gebiet war mit Trümmern eingestürzter Häuser übersät und zahlreiche Feuer loderten. Im Fernsehen war zu sehen, wie Kräne unter Flutlicht große Betonbrocken aus der Trümmerwüste hievten. Augenzeugen schilderten einem saudiarabischen TV-Journalisten den Tathergang und sagten, zwei Autos seien auf das Gelände gefahren und explodiert. "Ich kann eines der Fahrzeuge sehen, das völlig zerstört ist, und ich kann menschliche Überreste sehen", sagte der Reporter. Allerdings sei unklar, wie viele Extremisten in den Wagen gesessen hätten. Viele der mit Ambulanzen in Hospitäler gebrachten Opfer seien Kinder unter zehn Jahren.

Wie am Sonntag aus saudischen Sicherheitskreisen verlautete, trugen die Attentäter Uniformen der Sicherheitskräfte. Auch das von ihnen benutzte Fahrzeug sei denen von der Polizei genutzten Wagen ähnlich gewesen. Die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA berichtet unter Verweis auf einen Beamten des Innenministeriums, es habe elf Tote und 128 Verletzte gegeben. Unter den Toten befänden sich auch vier Kinder. Zunächst hatte es etliche unterschiedliche Schätzungen über die Opferzahl gegeben. Es war von zwei, fünf und 20 bis 30 Toten die Rede.

Amerikaner sollen sich verstecken

Direkt nach dem Anschlag forderte die US-Botschaft in Riad alle in der Stadt lebenden Amerikaner auf, sich bis auf weiteres nicht mehr in die Öffentlichkeit zu begeben. Botschaftsangestellte und ihre Angehörigen sollten das Diplomatenviertel nicht verlassen, hieß es auf der Internet-Seite der US-Vertretung. Der für Sonntag geplante Besuch von US-Vizeaußenminister Richard Armitage in Saudi-Arabien wurde nach Angaben von Diplomaten in Riad nicht abgesagt.

"Ich habe Schüsse gehört, viele Schüsse und dann eine heftige Explosion. Viele Häuser wurden beschädigt, vier oder fünf stürzten ein", sagte ein Bewohner, der mit dem Schrecken davon kam. "Eine riesige Explosion hat die Fenster bersten lassen. Ich sah viele Verletzte, und ich glaube, eine Menge Menschen starben", sagte ein arabischer Bewohner der Anlage dem Fernsehsender al-Arabija. Die meisten Bewohner des Quartiers seien Libanesen, Ägypter und Syrer, hieß es weiter. In der Wohnanlage im Westen der Hauptstadt wurden Sicherheitskräfte zusammengezogen, während Hubschrauber den Explosionsort überflogen. Ein westlicher Diplomat sagte, nach der Explosion sei eine dünne Rauchsäule im Nachthimmel über dem Wohnquartier aufgestiegen.

Sicherheitskreise verdächtige al-Qaida

"Das ist ein gegen Unschuldige gerichtetes Verbrechen im Stile der al-Qaida. Es ist eine al-Qaida Operation", verlautete nach dem verheerenden Anschlag aus Sicherheitskreisen. Vor einem halben Jahr waren in Riad 35 Menschen bei Anschlägen getötet worden, für die damals auch al-Qaida verantwortlich gemacht wurde. Die Organisation des in Saudi-Arabien geborenen Moslem-Extremisten Osama Bin Laden hat mehrfach Drohungen sowohl gegen die Herrscher in Riad ausgestoßen als auch gegen westliche Ausländer, die Schlüsselpositionen in dem größten Ölexportland der Welt einnehmen.

Über die Zahl der Toten gibt es bisher widersprüchliche Angaben. Mehrere Stunden nach dem Anschlag meldete das Innenministerium zwei getötete Wachleute, zwei arabische Fernsehsender sprachen von fünf Todesopfern, darunter ein Kind. Aus Krankenhauskreisen war zuvor verlautet, bei dem Anschlag gegen Mitternacht seien Dutzende von Menschen getötet worden. Später sprach der Gewährsmann nur noch von einer Reihe von Toten. Der Fernsehsender al-Arabija berichtete, es seien auch die Leichen von mehreren mutmaßlichen Angreifern gefunden worden. Die Agentur Reuters berichtet hingegen von Schätzungen, laut denen es bis zu 30 Todesopfer gegeben habe.



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