Anschlag in Schweden Polizei identifiziert Stockholmer Attentäter

Zwei Explosionen mitten in der Stockholmer Innenstadt - doch noch sind die genauen Hintergründe des Anschlags unklar. Inzwischen ist der Attentäter eindeutig identifiziert. Er soll sich in Großbritannien islamistischen Gruppen angeschlossen haben.


Stockholm/London - Wer ist der Mann, der sich am Samstag im Zentrum der schwedischen Hauptstadt Stockholm in die Luft gesprengt hat und dabei zwei Personen verletzte? Ermittlern ist es nun gelungen, den Attentäter eindeutig zu identifizieren. Den Namen des Mannes werde man freigeben, sobald alle Angehörigen unterrichtet seien, erklärte die schwedische Sicherheitspolizei Säpo. Für 12 Uhr ist eine Pressekonferenz angekündigt.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE handelt es sich bei dem Selbstmordattentäter um einen jungen Iraker, der sehr aktiv in verschiedenen sozialen Netzwerken im Internet war und sich dort gegen die Kriege im Irak und in Afghanistan positioniert hatte. Schwedische und britische Zeitungen liefern nun offenbar Details über seine ersten Kontakte mit Islamisten.

Dem schwedischen "Aftonbladet" zufolge kam der Mann 1992 mit seinen Eltern nach Schweden und begann nach dem Abitur 2001 ein Studium an der englischen Universität Bedfordshire in der Stadt Luton. Der Täter, dessen Name mit Taimur A. angegeben wird, schloss sich in Luton demnach radikalislamistischen Gruppen an.

Luton ist eine islamische Hochburg in Großbritannien. 20.000 Muslime leben dort. Am Bahnhof der Stadt hatten sich auch die Attentäter vom 7. Juli 2005 versammelt, bevor sie zu ihren Anschlägen auf die Londoner U-Bahn und einen Linienbus starteten. Damals starben 52 Menschen.

Die britische Polizei durchsuchte in der Nacht zu Montag ein Haus in der Grafschaft Bedfordshire, wollte aber keine Details nennen. Sie bestätigte lediglich, dass die Durchsuchung in Verbindung mit den Explosionen in Schweden gestanden habe. Den Angaben zufolge wurde kein gefährliches Material entdeckt, festgenommen wurde niemand.

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Stockholm: Selbstmordanschlag in der Innenstadt

Britische Zeitungen schrieben am Montag auch, zur Ausbildung für Terroraktivitäten sei Taimur A. unter anderem nach Pakistan geschickt worden. In diesem Frühjahr habe er sich zudem in Jordanien aufgehalten.

Die schwedische Sicherheitspolizei bestätigte, dass der Attentäter vor seiner Tat in einer E-Mail Bezug auf den Dschihad und den Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan genommen hatte. Nach Angaben der schwedischen Nachrichtenagentur TT war dort rund zehn Minuten vor dem Anschlag am Samstag eine E-Mail mit einer Drohung eingegangen, die auf einen islamistischen Hintergrund schließen ließ.

Eine islamistische Web-Seite veröffentlichte am Sonntag ein Foto von einem Mann mit schwarzer Jacke, dunkler Brille und Dreitagebart vor einer grünen hügeligen Landschaft und behauptete, es handele sich dabei um den Attentäter von Stockholm. Die Behörden kommentierten das nicht.

"Wir können für Deutschland keine Entwarnung geben"

Die schwedische Polizei geht derzeit von einem Einzeltäter aus. Keine bekannte Terrororganisation hat sich bisher zu den Bomben bekannt. Der Selbstmordattentäter hinterlässt den Berichten zufolge drei kleine Kinder. "Aftonbladet" zitierte aus einer Kontaktanzeige einer Datingsite für Muslime, in der der 28-Jährige nach einer Zweitfrau suchte. Darin kündigte er auch an, dass er in ein arabisches Land umziehen wolle. Frau und Kinder des Mannes lebten demnach weiterhin in Luton.

Der Attentäter hatte sich am Samstagnachmittag in Stockholm in die Luft gesprengt. Der Mann war sofort tot. Einen Rucksack hatte er mit Reißnägeln und weiterem Sprengstoff gefüllt. Wenige Minuten zuvor war nur 200 Meter entfernt an der Ecke Olof-Palme-Gatan zur Drottninggatan ein Auto explodiert. Die Drottninggatan ist vor allem an den Dezember-Wochenenden Stockholms meistbesuchte Einkaufsstraße.

Auch in Deutschland hat der Anschlag eine neue Debatte um die Sicherheit ausgelöst. Die Behörden sehen auch hierzulande die Gefahr von Terroranschlägen durch Einzeltäter. "Das ist eine der beiden Hauptvarianten, die wir besonders befürchten für Terroranschläge auch in unserem Land", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag im "Morgenmagazin" des ZDF.

Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), hatte der "Rheinischen Post" gesagt, der Terroranschlag mache deutlich, wie ernst die Situation sei: "Für Deutschland heißt das, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Entwarnung geben können. Wir werden noch über Weihnachten bis in das neue Jahr hinein das hohe Niveau der Sicherheitsvorkehrungen halten müssen."

kgp/dpa/Reuters

insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
MentalWorks 13.12.2010
1. Wow...
Zitat von sysopZwei Explosionen mitten in der Stockholmer Innenstadt - doch noch sind die genauen Hintergründe des Anschlags unklar. Inzwischen ist der Attentäter eindeutig identifiziert. Er soll sich in Großbritannien islamistischen Gruppen angeschlossen haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,734274,00.html
...ist schon interessant wie man quasi binnen 24 Stunden ganz eindeutig den in die Luft gesprengten Täter identifiziert hat und selbst die ganze Welt schon alles über seinen bisherigen Lebenslauf erfahren kann.
karsten rohde 13.12.2010
2. .
Diese Maerthyreraktionen haben nichts mit dem Islam zu tun. Islam heisst Frieden und ist die am schnellsten wachsende Weltreligion. Der Islam gehoert zu Deutschland! Genauso wie zu Europa. Das Problem ist nur die wachsende Islamophobie, durch die solche Terroranschlaege wie gegen die Berliner Gotteshaeuser erst moeglich werden. Im Islam ist die Toetung Unschuldiger streng verboten, genauso wie Selbstmord. Der Islam ist tolerant wie keine andere Religion: Es gibt keinen Zwang im Glauben! heisst es im Heiligen Qu'ran. In der Bibel dagegen wird zu Kreuzzuegen aufgerufen, schon vergessen?
neuronenzenker 13.12.2010
3. was isses nur ? hmmm
tja was könnte es nur sein ? *grübel* ach ja, der westen führt seit fast einem jahrzehnt illegale angriffkriege in islamischen ländern, glauben sie das könnte vielleicht damit zusammenhängen, dass immer mehr verzweiflung herrscht ?!
k1ck4ss 13.12.2010
4. was genau
Zitat von MentalWorks...ist schon interessant wie man quasi binnen 24 Stunden ganz eindeutig den in die Luft gesprengten Täter identifiziert hat und selbst die ganze Welt schon alles über seinen bisherigen Lebenslauf erfahren kann.
wundert sie daran?
Riff 13.12.2010
5. 3 Fragezeichen
Wer Verständnis für derartigen Terrorismus hat und "sich im Konflikt mit der westlichen Welt" sieht, sollte dann beginnen zu überlegen, ob er als "Mitbürger" im richtigen Teil der Welt lebt. Nicht?
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