Anschlagsserie in Indien 2008 Mumbai-Attentäter des Mordes schuldig gesprochen

Entscheidung im Mumbai-Prozess: Ein indisches Sondergericht hat den einzigen überlebenden Attentäter der Terrorserie in 86 Anklagepunkten schuldig gesprochen - unter anderem wegen Mordes und Kriegsführung gegen Indien. Dem 22-jährigen Pakistaner droht nun die Todestrafe.

Attentäter Kasab am 26. November 2008 in einem Bahnhof von Mumbai: Ihm droht die Todesstrafe
AP/ Mumbai Mirror

Attentäter Kasab am 26. November 2008 in einem Bahnhof von Mumbai: Ihm droht die Todesstrafe


Neu Delhi - Im Prozess gegen den einzigen überlebenden Attentäter der Anschläge von Mumbai im November 2008 ist der Angeklagte des Mordes und der Kriegsführung gegen Indien schuldig gesprochen worden. Ein Sondergericht in der indischen Metropole verkündete an diesem Montag knapp eineinhalb Jahre nach der Terrorserie das Urteil gegen Mohammed Ajmal Amir Iman, bekannt als Kasab.

Richter M.L. Tahaliyani sagte, Kasab habe "Krieg gegen Indien geführt, Menschen am Bahnhof CST und Regierungsvertreter getötet und den anderen neun Terroristen Beihilfe geleistet". Dies waren die schwerwiegendsten Anklagepunkte gegen den 22-jährigen Pakistaner. Das Strafmaß soll am Dienstag verkündet werden - Kasab droht die Todesstrafe. Zwei indische Mitangeklagte, denen Unterstützung der Angreifer vorgeworfen worden war, wurden am Montag freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte als Beweis für die Schuld Kasabs Bilder von Überwachungskameras vorgelegt, die den Angeklagten und einen Komplizen mit Sturmgewehren auf dem Victoria-Bahnhof in Mumbai zeigten. Durch Schüsse und Granaten waren in dem Bahnhof 52 Menschen getötet und 109 weitere verletzt worden. Bei der Anschlagsserie auf den Bahnhof, mehrere Luxushotels und andere Ziele waren insgesamt mehr als 170 Menschen ums Leben gekommen, darunter neun Attentäter. Unter den 26 ausländischen Opfern waren drei Deutsche.

Bei der beispiellosen Terrorserie hatten die Extremisten der radikalislamischen Terrorgruppe Lashkar-i-Toiba über drei Tage Geiseln genommen und Luxushotels sowie andere Gebäude in Mumbai angegriffen und besetzt gehalten.

Nach Überzeugung indischer Ermittler wurde die Terrorserie in Pakistan geplant. Die Anschläge belasten die Beziehungen zwischen den südasiatischen Atommächten Indien und Pakistan bis heute. Indien setzte die Friedensgespräche mit dem Nachbarland aus.

Der Nachrichtensender NDTV berichtete, auch das Gericht habe sich in der Urteilsverkündung überzeugt gezeigt, dass die Angriffe in Pakistan geplant wurden. Die Staatsanwaltschaft wollte bei dem Verfahren Verbindungen zwischen Kasab, Lashkar-i-Toiba und der pakistanischen Armee nachweisen. Das Verfahren gegen Kasab war einer der schnellsten Terrorprozesse in Indien. Es war im April 2009 unter massiven Sicherheitsvorkehrungen in Mumbai eröffnet worden. Insgesamt wurden mehr als 650 Zeugen vernommen.

Für den Prozess war in einem Hochsicherheitsgefängnis eigens ein bombensicherer Gerichtssaal eingerichtet worden. Kasab hatte im vergangenen Juli zunächst seine Tatbeteiligung eingeräumt. Später widerrief er das Geständnis und erklärte, es sei durch Folter erzwungen worden.

anr/dpa/AFP



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