Anschlagsserie Verteidigungsminister beschuldigt Arafat

Nach den jüngsten Selbstmordanschlägen in Israel hat Verteidigungsminister Schaul Mofas schwere Vorwürfe gegen den palästinensischen Präsidenten Arafat erhoben. "Es würde mich nicht überraschen, wenn Arafat hinter den Terroranschlägen steht", sagte Mofas. "Wir müssen die Frage, wie wir mit ihm umgehen, neu überdenken."


Hardliner Schaul Mofas neben Ariel Sharon
AP

Hardliner Schaul Mofas neben Ariel Sharon

Jerusalem - Mofas hatte sich bereits in der Vergangenheit mehrfach für eine Ausweisung Arafats ausgesprochen. Unterdessen gaben sich Israelis und Palästinenser sich gegenseitig die Schuld an den Anschlägen vom Dienstag - den schwersten seit Beginn der Waffenruhe am 29. Juni. Ministerpräsident Ariel Scharon warf der Autonomiebehörde Untätigkeit im Kampf gegen den Terror vor. Der palästinensische Außenminister Nabil Schaath erklärte, Israel habe die Anschläge durch den Bau seiner Sperranlagen an der Grenze zum Westjordanland und mehrere Razzien provoziert.

Bei den Selbstmordattentaten am Dienstag waren zwei Israelis getötet worden, elf weitere Menschen wurden verletzt. Israelische Soldaten sprengten am Mittwoch das Haus eines der Attentäter im Westjordanland. Auf Hauptstraßen und Zufahrten zu israelischen Orten wurden Straßensperren errichtet. Der Rundfunk meldete, Geheimdienstkreise hätten vor 21 geplanten Anschlägen gewarnt. In der vergangenen Woche seien täglich sieben bis acht Warnungen eingegangen.

Die israelische Regierung kündigte allerdings keine massiven Vergeltungsschläge an. Beobachter sahen darin einen Hinweis, dass die relative Ruhe seit Ausrufung des Waffenstillstands militanter Organisationen erhalten werden solle. Seit Beginn der Feuerpause vor sechseinhalb Wochen wurden sieben Israelis und 15 Palästinenser getötet, in den sechs Wochen davor fielen 30 Israelis der Gewalt zum Opfer.

Die Hamas bezeichnete ihren Anschlag in der Siedlung Ariel im Westjordanland als Vergeltung für die Tötung von zwei Bombenbauern bei einer israelischen Razzia am vergangenen Freitag. Sie werde von nun an wieder die Waffenruhe einhalten. Die für den Anschlag in Tel Aviv verantwortliche Splittergruppe der Al-Aksa-Brigaden drohte indessen mit einer Fortsetzung ihres Kampfes.

Scharon rief die Autonomiebehörde abermals zur Entwaffnung der militanten Organisationen auf. Auch die USA verstärkten den Druck auf die palästinensische Selbstverwaltung. "Die Auflösung des Terrornetzwerks hat sehr hohe Priorität, höchste Priorität", betonte das Weiße Haus.

Arafat darf nicht zur Beerdigung seiner Schwester

Der amerikanische Nahost-Gesandte William Burns traf unterdessen in Jordanien mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas zusammen. Dabei hätten beide Seiten ihre Entschlossenheit zum Abbau der Spannungen und zur Förderung des Friedensprozesses bekräftigt, erklärte der palästinensische Informationsminister Nabil Amr anschließend.

Ein Mitarbeiter Arafats warf Israel vor, den in Ramallah unter Hausarrest stehenden palästinensischen Präsidenten am Besuch seiner todkranken Schwester gehindert zu haben. Jusra Abdel Rauf al-Kidwah starb am Mittwoch in einem Kairoer Krankenhaus. "Ich war bei ihm, als die Todesnachricht eintraf", sagte Ahmed Abdel Rahman. "Er war sehr erschüttert, und es schmerzte ihn sehr, dass er sie nicht am Krankenbett besuchen konnte und auch nicht zu ihrer Beerdigung gehen kann."



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