Anschlagswarnung in den USA E-Mails aus Pakistan enthielten detaillierte Terrorpläne

Für US-Heimatschutzminister Tom Ridge sind die neuen Warnungen vor Terroranschlägen in New York, Washington und Newark "nicht das übliche Geschwätz". Wichtige Hinweise sollen die Geheimdienste im Zuge der Verhaftung des mutmaßlichen al-Qaida-Mitglieds Ahmed Khalfan Ghailani auf einem Computer in Pakistan gefunden haben.

Islamabad/New York - Bei der Untersuchung des Computers sei der pakistanische Geheimdienst auf E-Mails gestoßen, die Hinweise auf Terrorpläne enthalten hätten, berichtete Informationsminister Scheich Raschid Ahmed der Nachrichtenagentur AP in Islamabad. Dabei sei es neben geplanten Attentaten in den USA auch um Anschlagsziele in Großbritannien gegangen. Ahmed sagte aber nicht, ob sich auch die jüngste Terrorwarnung in den USA auf diese Informationen stützt.

Der aus Tansania stammende Ghailani war am 25. Juli nach einem zwölfstündigen Feuergefecht in Gujrat im Osten Pakistans festgenommen worden. Er stand auf der FBI-Liste der 22 meistgesuchten Terrorverdächtigen und wird beschuldigt, eine Schlüsselrolle bei den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania gespielt zu haben. Dabei waren im August 1998 mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen.

Neben Ghailani sei noch ein weiteres hochrangiges al-Qaida-Mitglied festgenommen worden, berichtete Ahmed. Es handele sich um einen dringend gesuchten Mann - den Namen könne er aber nicht nennen. Zurzeit würden die Aussagen des Verdächtige noch überprüft. Im pakistanischen Fernsehen wurde der Name des Mannes mit Noor Mohammed Khan angegeben. Nach Angaben der "New York Times" soll der am 13. Juli festgenommene 25-Jährige zahlreiche Details - so auch über seit Jahren geplante Anschläge auf die Finanzzentren - verraten haben.

Ein Mitarbeiter des US-Geheimdienstes brachte den Computer im Gegensatz zu Ahmed aber doch in Zusammenhang mit der jüngsten Anschlagswarnung in den USA. Das auf der Festplatte des pakistanischen Computerexperten gefundene Material könne durchaus die Qualität eines "Schatzes" haben, zitiert ihn die "New York Times".

Aus den Dokumenten soll hervorgehen, wie intensiv die fünf betroffenen Gebäude, allesamt renommierte amerikanische Finanzinstitutionen, von Terroristen überwacht worden seien. Alle Sicherheitsvorkehrungen seien ebenso dokumentiert worden wie Beobachtungen über den Publikumsverkehr oder das Verkehrsaufkommen auf den umliegenden Straßen, Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zu Angestellten oder die räumliche Nähe von Krankenhäusern und Polizeistationen.

Al-Qaida habe schon vor Jahren begonnen, Tage und Uhrzeiten auszuspionieren, an denen sich die meisten Menschen in den Hauptquartieren des International Weltwährungsfonds (IWF) oder der Weltbank aufhielten, berichtet die "New York Times".

Das Material enthalte auch genaue Angaben über die Konstruktion der betroffenen Gebäude. Daraus sei dann von den Terroristen abgeleitet worden, welche Sprengsätze am besten geeignet seien, einen Einsturz herbeizuführen. All diese Themen seien von al-Qaida übers Internet und E-Mail-Adressen in der Türkei, in Nigeria und Pakistan erörtert worden. Khan habe Codes, mit denen die Nachrichten verschlüsselt wurden, den Behörden verraten.

Die al-Qaida-Führung befindet sich angeblich im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan. Kuriere würden Nachrichten zu islamistischen Schulen in Pakistan bringen, von dort wurden sie laut Khan entweder über das Internet oder wiederum per Kurier zu ihm nach Lahore im Osten Pakistans gebracht. Er wiederum habe sie dann an Terroristen weitergegeben, berichtet die "New York Times".

Ein amerikanischer Geheimdienstbeamter sagte, er habe in seinen 24 Dienstjahren noch nie so viele Details in beschlagnahmten Dokumenten entdeckt.

Nach den Warnungen wurden massive Sicherheitsvorkehrungen in den USA vorgenommen. Lastwagen durften am Montag nicht mehr in den New Yorker Stadtteil Manhattan einfahren, wo die Börse und die Zentrale der Citigroup als bedroht galten. In Newark wurden Metallzäune um das Hochhaus der Prudential errichtet, in Washington wurden Mannschaften mit Spürhunden um den Sitz von Weltbank und IWF postiert.

Heimatschutzminister Tom Ridge hatte am Sonntagabend mitgeteilt, dass al-Qaida auf diese Institutionen Autobombenanschläge plane. Die bislang beispiellose Nennung einzelner gefährdeter Gebäude erfolge auf Grund der Genauigkeit der Angaben: "Das ist nicht das übliche Geschwätz. Es gibt verschiedene Quellen mit außerordentlichen Details", sagte Ridge.

Die Sicherheitsstufe für Washington sei von Gelb auf Orange erhöht worden, hatte er am Wochenende mitgeteilt. Diese zweithöchste Alarmstufe gilt in New York bereits seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Die betroffenen Institutionen beziehungsweise Unternehmen teilten mit, sie erwarteten ihre Beschäftigten dennoch am Montag wie gewohnt zur Arbeit. Allein bei IWF und Weltbank in Washington sind rund 10.000 Menschen angestellt.