Trumps Kurzzeit-Kommunikationschef Scaramucci gibt erstes Interview nach Entlassung

Nun also doch: Anthony Scaramucci hat in einem TV-Interview über seine Entlassung als Kommunikationsdirektor im Weißen Haus gesprochen. Und erneut gegen Donald Trumps Chefstrategen ausgeteilt.

Anthony Scaramucci (Archiv)
AFP

Anthony Scaramucci (Archiv)


Was für ein Hin und Her: Erst sorgte die Entlassung von Kommunikationschef Anthony Scaramucci international für Schlagzeilen - schließlich hatte er sein Amt gerade einmal für zehn Tage inne. Dann kündigte der Gefeuerte ein Presse-Event an, bei dem er seine Sicht auf die Dinge klarstellen wollte. Nur einen Tag später sagte er diesen Termin allerdings wieder ab. Er wolle sich auf Familie und Arbeit konzentrieren, twitterte Scaramucci.

Und nun also doch. Am Sonntag gab Scaramucci im US-Sender ABC News ein Interview (hier können Sie das gesamte Transkript nachlesen). Am Montag will er außerdem bei Stephen Colbert auftreten, der "Late Show"-Moderator ist ein scharfer Kritiker von US-Präsident Donald Trump.

Die ABC-Sendung "This Week" wurde von George Stephanopoulos moderiert, der Journalist war unter Bill Clinton einst selbst Kommunikationsdirektor im Weißen Haus. Natürlich fragte er seinen Gast am Sonntag nun nach dessen verbalen Ausfällen - Scaramucci soll in einem Gespräch mit einem "New Yorker"-Reporter über Trumps Chefstrategen gesagt haben: "Ich bin nicht Stephen Bannon. Ich versuche nicht, meinen eigenen Schwanz zu lutschen."

Er habe gedacht, dieses Gespräch sei vertraulich gewesen, sagte Scaramucci nun. Er habe ganz offensichtlich die Konsequenzen dafür gezahlt. "Aber darüber müssen wir nicht mehr sprechen. Das sind News der Vergangenheit. Ich habe einen Fehler gemacht."

Nur ein bis zwei Menschen hätten ihn als Kommunikationschef im Weißen Haus sehen wollen, sagte Scaramucci. Und einer davon sei der US-Präsident gewesen. Gegenüber Trump äußerte sich Scaramucci im kompletten Interview auffallend versöhnlich. Es gebe "Elemente in Washington und auch im Weißen Haus", die nicht unbedingt im Interesse des Präsidenten arbeiten würden, sagte Scaramucci. Trump müsse sich mehr mit loyalen Menschen umgeben.

Explizit kritisierte Scaramucci erneut Chef-Stratege Bannon. Der Präsident habe eine Vorstellung davon, wer die Menschen im Weißen Haus seien, die Informationen nach außen tragen und nur ihre eigenen Interessen verfolgen würden. "Ich glaube, der Präsident weiß, was er mit Steve Bannon tun wird."

Im Anschluss an das Interview mit Stephanopoulos beantwortete Scaramucci noch Zuschauerfragen. Er freue sich nun auf das nächste Kapitel seines Lebens, "mit viel Optimismus". Er denke auch darüber nach, ein Buch zu schreiben, sagte Scaramucci, es solle ein positives werden.

aar



insgesamt 7 Beiträge
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sven2016 14.08.2017
1.
"Das liegt hinter uns, lassen Sie uns in die Zukunft blicken." Nette Aufarbeitung seines Godzilla-Auftritts in zwei Wochen im Weißen Haus. Der Mann stellt sich als völlig politikfreien loyalen Helfer des geliebten Präsidenten dar, der nur die fantastische "Agenda" unterstützen wollte. Dass er drohte, alle um ihn herum zu entlassen und massiv andere Funktionäre bedrohte, hält er für normal. Und mit seinen FBI-Fingerprints über die Leaker hat auch er gelogen, hat er zugeben müssen. Trumps williger Helfer. Solche hatten wir auch schon mal.
BeatDaddy 14.08.2017
2. Ich kann
diese erhobenen Zeigefinger nicht mehr sehen, geschweige denn das Gesülze hören, dass dahinter steht.
Sissy.Voss 14.08.2017
3. Das ist ein Symbol der Zurückhaltung...
Zitat von BeatDaddydiese erhobenen Zeigefinger nicht mehr sehen, geschweige denn das Gesülze hören, dass dahinter steht.
Der erhobene Zeigefinger ist ein Symbol der Zurückhaltung der amerikanischen Politiker. Eigentlich wollen sie der ganzen Welt einen andere Finger zeigen ;- ) Passt ja auch zu Scaramucci´s Vokabular.
susuki 14.08.2017
4. Nach Studium der Quellen...
... kann mit Sicherheit sagen das die mit dem Messanger signal und/oder briar verbreiteten leaks für die Quelle sicher sind. Wir dürfen uns an weiteren Nachrichten aus erster Hand freuen. Es scheinen noch sehr viele echte Amerikaner im weissen Haus zu arbeiten.
marcohass 14.08.2017
5. Zu diesem Menschen ist wirklich jeder Kommentar überflüssig
Ihm sollte keine Plattform mehr gegeben werden bis er sich Signifikant weiterentwickellt hat.
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