Geschasster Kommunikationschef Scaramuccis Masterplan

Anthony Scaramucci ist nicht mehr im Amt - doch nun ist ein Dokument aufgetaucht, in dem er seine PR-Strategie für Präsident Trump skizziert. Zusätzlich will sich der Geschasste jetzt auch selbst zu seinem Abgang äußern.

Anthony Scaramucci
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Anthony Scaramucci


Die Amtszeit von Anthony "The Mooch" Scaramucci hätte kaum kürzer ausfallen können. Nur zehn Tage lang arbeitete er als Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, bis US-Präsident Donald Trump ihn feuerte. Der Grund: seine vulgären Verbalentgleisungen. Das Netz reagierte mit Hohn und Spott.

Der geschasste PR-Mann will am Freitag nun der Trump-Wählerschaft und der ganzen Welt seine Sicht der Dinge darlegen - über den Inhalt ist noch nichts bekannt, nur die Form: online und live. Dafür ist nun ein Dokument aufgetaucht, über das der Fernsehsender CNN berichtet.

Das auf den 30. Juli datierte Schriftstück ist eine Art Medien-Masterplan des Kommunikationsstrategen, in dem er nur einen Tag vor seiner Entlassung aufgelistet hat, wie Trumps Präsidentschaft inszeniert und die Beziehungen zu Journalisten verbessert werden könnten. Scaramucci selbst hat die Echtheit des Dokumentes nach Angaben der Nachrichtenagentur AP bestätigt.

"POTUS ist der größte TV-Star aller Zeiten"

Es gab eine Vielzahl von Punkten, die er angehen wollte, um die Beziehungen zu den Medien zu verbessern - einer davon: ein Kummerkasten für Journalisten. Höchste Priorität sollte aber stets die Arbeit am Image des Präsidenten selbst haben: Trump sollte "menschlicher" werden.

Um eine größere Nähe zur US-Bevölkerung herzustellen, wollte er unter anderem darauf hinweisen, dass Trump "der beste Golfer" sei, "der je als Präsident gedient hat". Zudem schlug er ein Online-Gewinnspiel vor. Der Hauptgewinn: Golfen mit Trump.

Für Scaramucci war klar: "POTUS ist der größte TV-Star aller Zeiten." Daraus wollte er Kapital schlagen. Es ging ihm darum, den Präsidenten als "reaganesken 'happy warrior'" zu inszenieren.

"Das ist es, was das echte Volk will"

Seine Vision war die eines multimedialen Pressestabes, der einen "Präsident Donald J. Trump"-Newskanal schaffen sollte - und damit eine eigene Erzählung nach Drehbuch. Dadurch, schrieb er, wäre man in der Lage, "die Nachrichten des Tages an den meisten Tagen zu diktieren".

Das Wort "echt" taucht in dem Dokument ein halbes Dutzend Mal auf, "fake" hingegen kein einziges Mal. Und doch wird klar, was Scaramucci von Journalisten hält. So schrieb er etwa, Trump solle anstelle von Pressekonferenzen Fragen "echter Bürger" über soziale Netzwerke beantworten.

Bei jedweder Kritik an Trump durch Journalisten oder Demokraten hätte das Kommunikationsteam stets auf dessen Wirtschaftspolitik verweisen sollen. Wenn etwa wieder einmal die Personalrochaden und Machtkämpfe im Fokus der öffentlichen Debatten gestanden hätten, hätte nach Scaramuccis Vorstellung die Antwort lauten müssen: "Echte Amerikaner kümmern sich nicht um Palastintrigen im Weißen Haus. POTUS führt und fördert eine Wirtschaft, die ihr Leben besser macht. Das ist es, was das echte Volk will."

dop/AP

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insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
tpk 03.08.2017
1. Mal gespannt
ob er was leakt. (Die größten Kritiker der Elche sind meistens selber welche)
fraluxx 03.08.2017
2. und bevor er es sich
im Arsch des Präsidenten eingerichtet hatte, wird er schon wieder ausgeschissen...Was für eine Erfolgsstory!
molli55 03.08.2017
3. Völlig
durchgeknallt, das ganze Tollhaus in Washington. Man könnte sich weiterhin köstlich amüsieren...wäre da nicht dieser verdammte rote Knopf.
roughneckgermany 03.08.2017
4.
Präsidialer Newskanal? Ich würde so etwas Propagandakanal ala RT nennen.
sanibel123 03.08.2017
5. Ihm hätte auch gut gestanden, erst zu denken und dann zu reden.
Aber die Fertigkeit seines "größten" Präsidenten hätte er auf diesem Gebiet wohl nie erreicht, der als Regierungsform nur die Abfolge von "hire an fire" beherrsccht. Ohne Rücksicht auf Verluste. Armes America. Bisher hat mit der Agenda "America First" dem Land mehr geschadet als genützt. Aber vielleicht wacht die GOP ja doch noch auf.
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