Anthrax Erreger im Außenministerium gefunden

Im Kampf gegen eine weitere Verbreitung von Milzbrandsporen hat die amerikanische Post damit begonnen, Briefe zu bestrahlen. Inzwischen sind in Washington praktisch alle Regierungsstellen betroffen. Am Montag wurden auch im Außenministerium selber Anthrax-Sporen entdeckt.


Sicherheitsteams in Spezialanzügen reinigen sich gegenseitig
EPA/DPA

Sicherheitsteams in Spezialanzügen reinigen sich gegenseitig

Washington - Die amerikanische Post hatte insgesamt acht Bestrahlungsgeräte im Wert von fast 40 Millionen Dollar bei einem kalifornischen Unternehmen bestellt. Im Großraum der Bundeshauptstadt Washington und in New York/New Jersey werden inzwischen insgesamt 13.000 Menschen vorsichtshalber mit Antibiotika gegen eine Ansteckung durch Anthrax behandelt. 557 Mitarbeiter des Bundesgesundheitsministeriums sind nach Angaben von Minister Tommy Thomson ausschließlich damit beschäftigt, Gefahren des Bioterrorismus abzuwehren.

Vier Wochen nach Bekanntwerden der ersten Milzbrandfälle sind praktisch alle Regierungsstellen in Washington betroffen. Auch im US-Außenministerium wurden Milzbrandsporen gefunden, berichtete der TV-Sender CNN. Sie seien unter anderem an Briefen entdeckt worden. Zuvor waren lediglich Anthrax-Sporen in der mehrere Kilometer entfernten Poststelle des Ministeriums gefunden worden. Das Außenministerium selbst bestätigte die Angaben zunächst nicht.

14 Erkrankungen bestätigt

Am Sonntagabend wurden Milzbrand-Sporen auch in der Poststelle des Justizministeriums entdeckt. Unterdessen wurde in den USA die 14. Erkrankung bestätigt. Es handelt sich um eine Postangestellte aus New Jersey, die bereits auf einer Liste gefährdeter Personen stand, wie die Gesundheitsbehörde CDC mitteilte.

Die Frau leide an dem gefährlichen Lungenmilzbrand. Nach Angaben der amerikanischen Post stehen derzeit außerdem 26 Angestellte mit verdächtigen Symptomen in Krankenhäusern unter Beobachtung.

Die Ermittler suchten am Montag nach weiteren mit Milzbrand-Erregern verseuchten Briefen. Der Stabschef des Weißen Hauses, Andrew Card, sagte, es könnten noch einige infizierte Sendungen im Umlauf sein. "Wir bitten die Leute, sehr vorsichtig zu sein", sagte er in einem Fernsehinterview. Das Weiße Haus schließt eine Verbindung zwischen den Anthrax-Briefen und dem Irak aus.

Oberster Gerichtshof geschlossen

Erstmals in seiner 66-jährigen Geschichte musste der Oberste Gerichtshof seine Arbeit am Montag außerhalb des Gerichtsgebäudes aufnehmen. Das Gebäude war am Freitag geschlossen worden, nachdem Anthrax-Sporen im Filter eines Lagerhauses entdeckt worden waren, in dem Post für das Gericht bearbeitet wird.

Die norwegische Botschaft in Washington wurde am Montag wegen einer möglichen Verseuchung mit Milzbrand-Bakterien geschlossen, wie das Außenministerium in Oslo mitteilte. Einem Medienbericht zufolge hatte in der vergangenen Woche ein Botschaftsangestellter grippeähnliche Symptome gezeigt. Erste Tests auf eine mögliche Milzbranderkrankung hätten widersprüchliche Ergebnisse gebracht. Alle anderen Angestellten seien inzwischen ebenfalls getestet worden, sagte Ministeriumssprecher Karsten Klepsvik. Die Ergebnisse sollen in einigen Tagen vorliegen.



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