Anti-IS-Einsatz im Sinai Human Rights Watch wirft Ägypten Kriegsverbrechen vor

Hunderte Extremisten sind seit Beginn der Sinai-Offensive der ägyptischen Armee gestorben. Human Rights Watch berichtet nun von Tausenden Fällen von Menschenrechtsverletzungen, darunter Erschießungen.

Soldaten besteigen Truppentransporthubschrauber auf dem Sinai (Archivbild)
Pool/ Egyptian Armed Forces/ Anadolu Agency/ Getty Images

Soldaten besteigen Truppentransporthubschrauber auf dem Sinai (Archivbild)


Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat den Konfliktparteien auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel gravierende Menschenrechtsverstöße vorgeworfen.

Vor allem ägyptische Armee und Polizei, aber auch extremistische Kämpfer hätten "Kriegsverbrechen" verübt, heißt es in dem Bericht. "Deren Verbreitung und die systematische Natur könnten auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit hinauslaufen." Der Bericht basiert auf Interviews mit rund 50 Bewohnern der Halbinsel.

Islamistische Kämpfer haben demnach zahlreiche Menschen auf der Halbinsel entführt und gefoltert. Auch ägyptische Streitkräfte hätten Zivilisten angegriffen. Ein von HRW veröffentlichtes Video zeigt Luftangriffe gegen Wohnhäuser und Erschießungen mutmaßlicher Dschihadisten.

Zudem hätten Regierungseinheiten zwischen Juli 2013 und Dezember 2018 mehr als 12.000 Menschen festgenommen. HRW rief die USA auf, die militärische Unterstützung der ägyptischen Regierung zu beenden.

Armee weist Vorwürfe zurück

Ein Sprecher der ägyptischen Armee wies die Vorwürfe als "unbegründet" zurück. Luftangriffe würden außerhalb von Wohngebieten geflogen. Die Anschuldigungen der Menschenrechtsaktivisten beruhten auf "nicht verifizierten Quellen" und hätten den Zweck, dem Ansehen Ägyptens zu schaden.

Auf der Sinai-Halbinsel kämpfen Dschihadisten insbesondere der Miliz "Islamischer Staat" (IS) gegen die ägyptischen Sicherheitskräfte. Die Armee hatte im Februar 2018 die Offensive "Sinai 2018" gestartet, um die IS-Miliz von der Halbinsel zu vertreiben. Die Offensive war von Präsident Abdel Fattah el-Sisi angeordnet worden, nachdem bei einem Anschlag auf eine Moschee im Norden der Halbinsel mehr als 300 Menschen getötet worden waren.

Nach Angaben der Armee wurden seit Februar 2018 etwa 650 Dschihadisten und 45 Soldaten getötet. HRW zufolge wurden zwischen 2014 und 2018 mindestens 3076 Aufständische und 1226 Sicherheitskräfte getötet.

cht/AFP

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