Hamburg - Es waren bis zu 40.000 Menschen, die am Samstag in Moskau gegen den Machtwechsel in der Ukraine vor einem Jahr auf die Straße gingen. Viele Demonstranten schwenkten russische Flaggen und trugen das orange-schwarze Sankt-Georgs-Band, das auch die Separatisten in der Ostukraine als Erkennungszeichen nutzen. "Der Maidan ist eine Krankheit. Wir werden sie behandeln", stand auf einem Schild. "Ami, geh nach Hause - und nimm den Maidan mit", auf einem anderen.
Doch hinter der Anti-Maidan-Kundgebung steckte offenbar mehr als nur die Empörung russischer Demonstranten. Es floss auch Geld an Teilnehmer, wie die regierungskritische Zeitung "Nowaja Gaseta" berichtet. 300 Rubel, umgerechnet etwas mehr als 4 Euro, seien nach Ende der Veranstaltung bar ausgezahlt worden.
Auf der russischen Webseite massovki.ru war drei Tage vor der Anti-Maidan-Demo eine Einladung zu der Veranstaltung erschienen. Die Webseite sammelt Informationen über politische Veranstaltungen. "Wir laden alle zwischen 16 und 65 ein", hieß es in der Onlineanzeige. Es gehe um eine genehmigte Veranstaltung. Man treffe sich am Samstag um 11.30 Uhr in der Metrostation Teatralnaja. Die Bezahlung (300 Rubel) erfolge am Ende der Veranstaltung zwischen 14.30 Uhr und 15.00 Uhr.
Die Journalistin Natascha Sotowa folgte der Einladung zum "Anti-Maidan". Mehr als 200 Personen hätten sich mit ihr an der Metrostation eingefunden, berichtet sie in der Zeitung "Nowaja Gaseta". Für das Blatt hatte auch die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja gearbeitet. Die Demo-Interessenten hätten Coupons bekommen, die nach Ende der Veranstaltung in 300 Rubel umgetauscht wurden. Sotowa filmte die Ausgabe des Geldes heimlich mit ihrem Handy - siehe Tweet unterhalb dieses Absatzes. "Das Geld werde ich für wohltätige Zwecke spenden", schreibt sie. Unklar blieb, aus welcher Quelle das Geld stammte.
Demo-Teilnahme angewiesen
Regierungsgegner hatten bereits kurz nach der Moskauer Veranstaltung vermutet, dass viele Demonstranten für ihre Teilnahme an den Protestaktionen bezahlt oder mit Bussen zu den Veranstaltungen gekarrt worden waren. Mancher Teilnehmer war offenbar nicht einmal freiwillig gekommen. Auf einem Video, das auf Facebook gepostet wurde, erklären Studenten, der Rektor ihrer Hochschule habe die Teilnahme an der Veranstaltung angeordnet.
Fernsehberichten zufolge gab es ähnliche Kundgebungen wie in Moskau auch in anderen russischen Städten. In St. Petersburg gingen nach Polizeiangaben etwa tausend Menschen auf die Straße.
In Kiew hatten am Freitag Tausende Ukrainer der Opfer der Maidan-Proteste vor einem Jahr gedacht. Viele verharrten weinend und sich bekreuzigend vor den Fotos der Toten. Höhepunkt war eine zentrale Gedenkfeier auf dem Unabhängigkeitsplatz, an der auch Präsident Petro Poroschenko teilnahm.
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Anti-Maidan-Demonstration in Moskau: In der russischen Hauptstadt haben am Samstag Tausende gegen den prowestlichen Kurs der Regierung in Kiew demonstriert. In der Ukraine fanden parallel Gedenkfeiern anlässlich des Maidan-Aufstands vor einem Jahr statt.
Russische Demonstranten: Die Polizei in Moskau spricht von rund 35.000 Teilnehmern. In der Anti-Maidan-Bewegung haben sich Biker-Klubs, Kosaken, Sportler und Veteranen der Kriege in Afghanistan und Tschetschenien zusammengeschlossen.
Einladung zur Demonstration: "Wir laden alle zwischen 16 und 65 ein", heißt es in der Onlineanzeige. Es gehe um eine genehmigte Veranstaltung. Man treffe sich am Samstag um 11.30 Uhr in der Metrostation Teatralnaja. Die Bezahlung (300 Rubel) erfolge am Ende der Veranstaltung.
Viele der Unterstützer von Präsident Wladimir Putin schwenkten russische Flaggen und trugen das orange-schwarze Sankt-Georgs-Band, das auch die Separatisten in der Ostukraine als Erkennungszeichen nutzen.
"Wir sind Donbass", "Putinismus für immer", "Ami, geh nach Hause - und nimm den Maidan mit" - solche Parolen waren auf den Plakaten der Demonstranten zu lesen.
Biker bei der Demo: "In der Maidan-Bewegung konzentriert sich alles Antirussische", sagte eine Rednerin auf einer Bühne in der Nähe des Kreml.
Unter den Teilnehmern war auch der ukrainische Politiker Oleg Zarjow (r.), der mit Separatisten auf der Sanktionsliste der EU steht.
Flaggenmeer in Moskau: In einem Video, das auf Facebook gepostet wurde, erklären Studenten, der Rektor ihrer Hochschule habe die Teilnahme an der Veranstaltung angeordnet.
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