Anti-Terror-Einheit im Einsatz Bombe in Athener Metro entdeckt

In Athen hat der Fahrer einer Metro unter einem Sitz eine Bombe mit Zeitzünder entdeckt. Brandanschläge sind in Griechenland nichts Seltenes, bislang gab es allerdings keine in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ist diese Aktion etwa eine gezielte Provokation gegen die Sparpolitik?

Von Ferry Batzoglou, Athen


Die Bombe war schon aktiviert, ein Warnanruf nicht erfolgt. Der Fahrer der Metro-Linie 3 wollte in Kürze von der Endstation "Aigaleo" im gleichnamigen, dicht besiedelten Athener Vorort im Westen zum Flughafen "Eleftherios Venizelos" fahren. Bei einem Kontrollgang durch die noch leeren Waggons entdeckte er eher zufällig unter einem Passagiersitz eine Plastiktüte: Darin ein Behälter mit vier Litern Benzin, eine Zeitschaltuhr und acht Batterien. Der Zeiger der Zeitschaltuhr war schon abgelaufen. Spezialisten entschärften den Brandsatz.

Weshalb er nicht explodierte, wollen die griechischen Sicherheitsbehörden nun klären. Die Anti-Terror-Einheit der griechischen Polizei (Elas) sperrte die Metro-Station "Aigaleo" für mehrere Stunden und untersuchte den Fundort.

Was steckt hinter dem gescheiterten Brandanschlag? Fest steht: In Griechenland und insbesondere in der Vier-Millionen-Metropole Athen sind Brandanschläge nichts Seltenes. Aber bisher gerieten vor allem öffentliche Gebäude, Geschäftsbanken, Filialen von Händlern der Nobelautomarken oder Büros von Politikern ins Visier der Täter. Die Sprengsätze detonierten in der Regel nach Büro- oder Geschäftsschluss. Und das Wichtigste: Stets ging ein rechtzeitiger Warnanruf ein, bevor der Sprengsatz explodierte. Die Täter waren offensichtlich darauf bedacht, Opfer unter der Zivilbevölkerung unbedingt zu vermeiden - um diese nicht gegen sich aufzubringen. Öffentliche Verkehrsmittel blieben bislang verschont.

All dies scheint diesmal anders zu sein.

Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Die Sicherheitsbehörden analysieren derzeit das umfangreiche Filmmaterial zahlreicher Überwachungskameras in der Metro-Station "Aigaleo" und anderen Stationen. Es gibt weder ein Bekennerschreiben noch Hinweise auf das Tatmotiv.

War die Aktion eine gezielte Provokation?

Griechische Medien orakeln, wer hinter der Aktion stehen könnte. Der Verdacht richtet sich gegen die üblichen Verdächtigen: Linksautonome Gruppen seien es, die den Anschlag verüben wollten. Die These: Diese Gruppen seien es, die derzeit besonders gegen die rigorose Sparpolitik der griechischen Regierung unter dem parteilosen Premier Loukas Papademos protestieren, die im Gegenzug für die Mega-Kredite von Griechenlands öffentlichen Geldgebern aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfond durchzusetzen ist.

Doch ist diese These wirklich haltbar? Denn gegen die harte Sparpolitik steht unstreitig die überwältigende Mehrheit der Griechen. Was brächte es folglich ausgerechnet gegen die Sparpolitik protestierende Täter, erstmals mit einem explodierenden Brandsatz in einem vollbesetzten Metro-Waggon für Entsetzen in weiten Teilen der einheimischen Bevölkerung zu sorgen?

Die Gegenthese lautet: Die Aktion ist eine gezielte Provokation. Das Argument: Es ist davon auszugehen, dass die Proteste gegen die Sparpolitik in der nächsten Zeit weiter zunehmen, aus Angst vor einem allgemeinen Chaos soll die Zustimmung oder Duldung der Bevölkerung für ein bevorstehendes hartes Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen den weiter wachsenden Widerstand der Griechen gewonnen werden.

Gewagt auch diese These: Ein Brandsatz wie in der Metro-Station "Aigaleo" wäre ein Anlass, die für April angepeilten Neuwahlen besser zu verschieben - wegen der wachsenden Destabilisierung im Lande. Ohnehin drohe Hellas wegen des erwarteten Stimmenverlustes der beiden Regierungsparteien Pasok und Nea Dimokratia (ND), die als letzte Bastionen im Parlament die Sparpolitik stützen, eine fatale Unregierbarkeit, sagen Vertreter dieser These.

Sicher ist: Solange nicht ein Bekennerschreiben vorliegt oder die Täter gefasst werden, wird die jüngste Aktion in der Athener Metro ein Mysterium bleiben.

Der Vorfall erinnert an den 5. Mai 2010: Damals fanden drei Bankangestellte, darunter eine Schwangere, in den Räumlichkeiten der in der Athener Innenstadt gelegenen Filiale der "Marfin"-Bank einen tragischen Tod. Das neoklassizistische Gebäude war am helllichten Tage bei einer Massendemonstration gegen die zuvor eingeleitete Sparpolitik der Regierung Papandreou in Brand gesteckt worden. Wer die grausame Tat begangen hat, ist bis heute ungeklärt. Die Polizei hat die Täter immer noch nicht ausfindig gemacht.

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
JohnBlank, 26.02.2012
1. Die Bürger sind die Verlierer, die Politiker die Sieger
Zitat von sysopIn Athen hat der Fahrer einer Metro unter einem Sitz eine Bombe mit Zeitzünder entdeckt. Brandanschläge sind in Griechenland nichts Seltenes, bislang gab es allerdings keine in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ist diese Aktion etwa eine gezielte Provokation gegen die Sparpolitik? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817676,00.html
Eins ist bei der Sache doch klar: Durch die Eurokrise verlieren wir Bürger nur noch. Egal ob Deutscher oder Grieche, der kleine Mann muss zahlen. Die Nutznießer sind die Politiker und die Wirtschaftselite. Bald ist China sogar gerechter als die EU ;)
stiip 26.02.2012
2. Keine False-Flag-Operation
Zitat von sysopIn Athen hat der Fahrer einer Metro unter einem Sitz eine Bombe mit Zeitzünder entdeckt. Brandanschläge sind in Griechenland nichts Seltenes, bislang gab es allerdings keine in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ist diese Aktion etwa eine gezielte Provokation gegen die Sparpolitik? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817676,00.html
Egal wer der (die) Verantwortliche(n) für diesen Anschlagsversuch ist bzw. sind: Wenn eine "Anti-Terror-Einheit" die Untersuchungen durchführt, wird das Ergebnis garantiert nicht "False-Flag-Operation" heißen.
Montanabear 26.02.2012
3. Bombe in Athen
Zitat von JohnBlankEins ist bei der Sache doch klar: Durch die Eurokrise verlieren wir Bürger nur noch. Egal ob Deutscher oder Grieche, der kleine Mann muss zahlen. Die Nutznießer sind die Politiker und die Wirtschaftselite. Bald ist China sogar gerechter als die EU ;)
Und was hat das mit der Bombe in Athen zu tun? "Bald ist China gerechter als die EU " ? Na, fahren Sie mal hin .....
Montanabear 26.02.2012
4. Bombe in Athen
Zitat von stiipEgal wer der (die) Verantwortliche(n) für diesen Anschlagsversuch ist bzw. sind: Wenn eine "Anti-Terror-Einheit" die Untersuchungen durchführt, wird das Ergebnis garantiert nicht "False-Flag-Operation" heißen.
Ich finde es tragisch, dass gewisse Leute meinen, eine Bombe in einer Metro haette irgendeine Rechtfertigung, geschweige denn eine Wirkung auf das Defizit. Ich hoffe, sie finden die Verantwortlichen und geben ihnen nicht nur 18 Monate auf Bewaehrung !
mapa13 26.02.2012
5. also, was mann zwischen den zeilen..
..liest: ist es doch nimmer weit bis zum aufstand der griechischen massen! noch viele griechen hocken obdachlos im regen vor den suppenküchen... aber manche haben noch geld für benzin und batterien! vielleicht ist das das rezept für den aufschwung? gute nacht...
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