Anti-Terror-Kampagne Pakistan setzt fünf Millionen Dollar Kopfgeld auf Top-Taliban aus

Pakistans Regierung sagt den Taliban den Kampf an - und setzt dabei auf die Mithilfe der Bevölkerung: Wer zur Festnahme eines Militanten beiträgt, soll eine stattliche Summe erhalten.

Gesuchte Taliban-Anführer: "Und verbreite kein Chaos im Land"
Hasnain Kazim

Gesuchte Taliban-Anführer: "Und verbreite kein Chaos im Land"

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Islamabad/Berlin - Die Anzeige der pakistanischen Regierung nimmt ein Viertel der Titelseite der pakistanischen Tageszeitung "The News" ein: Umgerechnet knapp fünf Millionen Dollar Kopfgeld bietet Islamabad für Hinweise, die zur Festnahme oder zum Tod führender Köpfe der pakistanischen Taliban (TTP) führen. In mehreren Zeitungsanzeigen und Fernsehwerbungen bittet die Regierung am Montag um Hilfe der Bevölkerung im Anti-Terror-Kampf.

"Und verbreite kein Chaos im Land", ist die Anzeige in Anlehnung an einen Spruch aus dem Koran überschrieben. Allein für Hinweise zur Ergreifung von TTP-Chef Hakimullah Mehsud und der beiden hochrangigen Kader Wali-ur-Rehman und Qari Hussain würden jeweils knapp 600.000 Dollar gezahlt, heißt es in der auf Urdu erschienenen Annonce in der englischsprachigen Zeitung.

Außerdem werden die Terroristen Mohammad Raiz Ullah, Maulana Azmat Ullah, Mufti Nur Wali Ahmad, Ismat Ullah und Mohmand Anwar gesucht, auf die ein Kopfgeld von 120.000 bis 240.000 Dollar ausgesetzt ist. Diese Männer - allesamt mit langen, schwarzen Bärten - sind in der Anzeige abgebildet. Außerdem werden die Namen von Terroristen genannt, von denen keine Fotos vorliegen. Das Kopfgeld für sie beträgt ebenfalls 120.000 bis 240.000 Dollar. "Helfen Sie der Regierung, sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen", heißt es in der Anzeige. Und weiter: Die Taliban treiben unschuldige Muslime in den Stammesgebieten an der afghanischen Grenze ins "Tal des Todes".

Die pakistanische Armee hat am 17. Oktober eine Bodenoffensive gegen die Taliban in Südwaziristan gestartet. Nach Angaben der Streitkräfte wurden dabei bisher mehr als 300 Militante getötet, 36 Soldaten seien gefallen. Die Taliban haben Anfang Oktober, in Erwartung der Offensive, ihren Terror verschärft und seither mehrere verheerende Anschläge in pakistanischen Städten verübt. Allein am Montag starben bei einer Explosion in Rawalpindi mehr als 30 Menschen. In den vergangenen zwei Jahren sind über 2000 Menschen in Pakistan bei Terroranschlägen ums Leben gekommen.

US-Drohnenangriffe auf nie gekanntem Niveau

Nach Druck aus den USA und durch die Gewalt zum Handeln gezwungen, hat die Regierung in Pakistan den Kampf gegen die Taliban mit militärischen Mitteln aufgenommen. Im Mai vertrieb die Armee die Militanten aus dem Swat-Tal, nach offiziellen Angaben wurden dabei rund 2000 Extremisten getötet. Seit dem Amtsamtritt von Barack Obama ist zudem die Kooperation des pakistanischen Militärs mit den USA massiv ausgebaut worden.

Auch die Jagd nach Top-Terroristen im Grenzgebiet zu Afghanistan, vor allem ausgeführt durch unbemannte US-Drohnen vom Typ Predator, findet derzeit auf einem nie gekannten Niveau statt. Nach Zählungen von Beobachtern gab es 2009 mehr Angriffe durch die Drohnen als in den vergangenen drei Jahren des von George W. Bush erklärten Kriegs gegen den Terror. Insgesamt gab es nach Zählungen von Experten 41 solcher Angriffe.

Geißelte die pakistanische Regierung in der Vergangenheit noch jeden dieser Angriffe deutlich als Verletzung der Souveränität des Landes, ist es in den vergangenen Monaten nach den gezielten Bombardements selten zu lautstarken Protesten gekommen. Kenner der komplizierten Beziehungen zwischen den USA und Pakistan meinen zu wissen, dass dies an einem heiklen Deal zwischen den Ländern liege. So haben die USA angeblich mehrere der pakistanischen Taliban-Führer, die hauptsächlich gegen die dortige Regierung kämpfen, auf ihre Ziel-Listen genommen.

Bestes Beispiel für den Kurswechsel im Weißen Haus ist die Eliminierung des pakistanischen Taliban-Führers Baitullah Mehsud, der am 5. August bei einem Drohnen-Angriff getötet worden war. Vor seinem Tod hatten die USA fast ein halbes Dutzend mal versucht, den mutmaßlichen Planer des Attentats auf Benazir Bhutto und des tödlichen Anschlags auf ein Luxus-Hotel in Islamabad mit einer Drohne zu töten, hatten ihr Ziel jedoch jedes Mal verfehlt.

Es gibt viele zivile Opfer bei den von Präsident Obama abgesegneten Missionen, Experten schätzen die Zahl der Todesopfer bei den Angriffen seit Obamas Amtsantritt auf zwischen 350 und 580.

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Seite 1
eigentlicher_Schwan 04.05.2009
1.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Wenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
mauskeu 04.05.2009
2.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Ich könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Justus F. 04.05.2009
3.
Zitat von eigentlicher_SchwanWenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
Genau, nach Berlin. Dann ist unser Kampf sogar gerechtfertigt!
X-Man 04.05.2009
4.
Zitat von mauskeuIch könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Nettes Gedankenspiel, aber leider Unsinn. Seit dem Rückzug der afghanischen Taliban über die Grenze stand fest dass die FATA die neue Basis der Gotteskrieger sind. Von 2002-2005 entstanden weit über 190 Ausbildungslager in den Stammesgebieten, lokale Milizen verschmolzen durch Allianzen mit Taliban-Elementen, ausländische Gruppen allen voran Al Qaida nisteten sich ein, es entstand eine nicht homogene aber ideologisch eng verstrickte Bewegung deren mächtigster Flügel heute die Tehrik e-Taliban ist. Für die pakistanische Führung war also längst klar welche Gebiete die neue Heimat der Taliban sind, man musste ihnen keinen Spielplatz zur Verfügung stellen. Der Einzug in Swat hat vielmehr damit zutun dass es Kreise des ISI und des Militärs gibt die sich nicht von amerikanischer Seite in die Terror-Bekämpfung hineinquatschen lassen wollen. Sie hegen zum Teil große Sympathie für die Taliban, bieten ihnen mit dem Swat ein Gebiet was sich weit weg von den üblichen Terrornestern Waziristans befindet und somit den Radius der Drohnenangriffe erweitert. Zudem erhofft man sich natürlich dort eine kashmir-nahe islamistische Bastion gegen den allgegenwärtigen Erzfeind Indien.
lupenrein 04.05.2009
5.
Man darf sich über die Ziele der Taliban in Pakistan (und im Dominoeffekt anschliessend Afghanistan) keine Illusionen machen. Die Regierung Pakistans - und indirekt auch Afghanistans - ist in ernster Gefahr. Und auch über einen 'Sieg' über die Taliban , dies besonders als Ausländer (USA usw) darf man sich keine Illusionen machen. Der asymmetrische Kriegsführung der Taliban ist mit normalen militärischen Mitteln (Terrorismus) nur sehr schwer wirksam zu begegnen. Am Beispiel der somalischen Piraten sieht man , wie schwierig es ist, mit militärischen Mitteln in diesem Versteckspiel mitzuhalten. Auch die Taliban führen einen (allerdings ideologischen) 'Versteck-spiel-Krieg' a la David gegen Goliath. Und noch eine Übereinstimmung: beide lassen mit sich nicht über eine Einstellung ihrer terroristischen Kampf nicht verhandeln. Alles in allem eine fatale Situation.
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