Anti-Terror-Kampf Karzai will Taliban in Pakistan jagen

Der afghanische Präsident Karzai weitet den Kampf gegen den Terror auf Pakistan aus. Da Taliban-Kämpfer von dort über die Grenze kämen, um zu töten, "haben wir das Recht, das gleiche zu tun". Mit Härte geht die Regierung auch gegen geflohene Häftlinge vor - mindestens 15 Personen wurden getötet.


Kabul - Operationen von afghanischen Truppen in Pakistan sind nicht ganz neu, doch nun gibt Präsident Hamid Karzai dies erstmals offen zu. Afghanistan sei ein "Opfer des Terrorismus", der auf der pakistanischen Seite der Grenze seinen Ursprung habe, sagte Karzai am Sonntag in Kabul. Tausende Taliban-Kämpfer würden von dort nach Afghanistan "entsandt", daher habe sein Land ein Recht auf "Selbstverteidigung".

Afghanistans Präsident Karzai: Pakistanische Taliban-Führer jagen
REUTERS

Afghanistans Präsident Karzai: Pakistanische Taliban-Führer jagen

Der afghanische Präsident weitet damit den Kampf gegen den Terror massiv aus. Er räumte aber ein, dass auch die Sicherheitsbehörden innerhalb Afghanistans gestärkt werden müssten. Dies habe nicht zuletzt die Befreiung Hunderter Taliban-Kämpfer aus einem Gefängnis in Kandahar gezeigt. "Wir haben noch Schwächen".

In der Nacht zum Samstag hatten Aufständische das Gefängnis angegriffen und rund 1000 Häftlinge befreit. Darunter befanden sich nach Regierungsangaben auch rund 400 Taliban-Kämpfer. Selbstmordattentäter hatten ein Loch in die Gefängnismauer gesprengt, anschließend drangen bewaffnete Männer ins Innere der Haftanstalt vor.

Nach der spektakulären Flucht haben die Sicherheitskräfte die Fahndung aufgenommen. Allerdings konnten erst 20 Personen gefasst werden. Am Sonntagmorgen seien 14 Flüchtige in Kandahar und umliegenden Gebieten gefangen genommen worden, sagte der Polizeichef der Stadt.

Am Samstag hatten die afghanischen Sicherheitskräfte bereits sechs ausgebrochene Häftlinge ergriffen. Außerdem haben die US-geführten Koalitionstruppen nach eigenen Angaben mindestens 15 Taliban-Kämpfer in der Provinz Kandahar getötet. Ob es sich dabei um entflohene Häftlinge handelt, war zunächst unklar.

DER SPIEGEL

Das Grenzgebiet im Nordwesten Pakistans gilt als Rückzugsraum für Taliban-Kämpfer und Qaida-Terroristen. Die Regierung in Kabul wirft Pakistan vor, nicht entschieden genug gegen die Extremisten vorzugehen.

Pakistan kritisiert seinerseits, die USA und Afghanistan hätten bei einem Raketenangriff am Mittwoch im Gebiet von Mohmand elf pakistanische Soldaten getötet. Das Kommando der Koalitionstruppen teilte hingegen mit, der Angriff habe Aufständischen gegolten. Den US-geführten Koalitionstruppen wurden in den vergangenen Monaten mehrere Raketenangriffe auf die Stammesregionen im Westen Pakistan zugeschrieben.

Nun hat der afghanische Präsident Karzai dieses Vorgehen erstmals offen zugegeben. "Wenn sie über die Grenze aus Pakistan kommen und Afghanen und Koalitionstruppen töten, dann haben wir das Recht, das gleiche zu tun." Karzai kündigte an, den pakistanischen Taliban-Führer Baitullah Mehsud zu jagen und "in seinem Haus" zu treffen.

wal/dpa/AFP/Reuters



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