Anti-Terror-Kampf Pakistans Soldaten feuern auf US-Helikopter

Pakistans Militär scheint Anti-Terror-Einsätze von US-Soldaten im Land nicht dulden zu wollen: Soldaten sollen das Feuer auf amerikanische Hubschrauber eröffnet und die Helikopter zur Rückkehr nach Afghanistan gezwungen haben.


Islamabad - Offiziell wird der Zwischenfall zwar dementiert, aber Anwohner und Zivilbehörden bestätigen ihn: Pakistanische Soldaten haben nach Angaben aus Sicherheitskreisen auf US-Militärhubschrauber geschossen und diese zur Rückkehr nach Afghanistan gezwungen. Der Vorfall habe sich am frühen Morgen in Süd-Waziristan ereignet, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte.

Soldaten im Einsatz am Hindukusch: "Kehrtwende" in der US-Politik
Rune Thomas Ege

Soldaten im Einsatz am Hindukusch: "Kehrtwende" in der US-Politik

Die amerikanischen Hubschrauber seien bei dem Grenzort Angor Adda rund 100 bis 150 Meter auf pakistanisches Gebiet vorgedrungen. Das US-Militär und die pakistanische Armee bestritten die Angaben. In Angor Adda waren beim Angriff einer US-Kommandoeinheit in diesem Monat mindestens 20 Menschen, darunter auch Kinder, getötet worden. Der Angriff stieß in Pakistan auf Empörung.

Der pakistanische Armeechef Ashfaq Parvez Kayani äußerte sich unmissverständlich: Das Land werde auf seinem Gebiet keine ausländischen Truppen dulden. Die territoriale Integrität Pakistans werde um jeden Preis verteidigt.

Pakistan ist zwar ein Hauptverbündeter in dem von den USA ausgerufenen Krieg gegen den Terrorismus. Allerdings ist die US-Regierung zunehmend unzufrieden mit dem pakistanischen Vorgehen gegen Qaida-Kämpfer und der Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan. In der vergangenen Woche hatte die "New York Times" gemeldet, US-Präsident George W. Bush habe persönlich den Befehl für Anti-Terror-Operationen von amerikanischen Truppen in Pakistan genehmigt. Die Zeitung bewertete dies als "Kehrtwende" in der bisherigen US-Politik. Bisher beschränkte sich die US-Armee darauf, Raketen - meist aus Drohnen - auf Ziele in Pakistan abzufeuern. Nun sollen die Restriktionen für Bodeneinsätze in Pakistan gelockert werden.

Die US-Regierung sei zwar auch in Zukunft bereit, Pakistan über militärische Einsätze auf seinem Gebiet in Kenntnis zu setzen. Doch werde man dafür keinesfalls mehr um Erlaubnis bitten. "Die Situation in den Stammesgebieten ist nicht tolerierbar", wurde einer der führenden Beamten zitiert, die anonym bleiben wollten, "wir müssen härter durchgreifen. Die Befehle dafür gibt es." Pakistans Militärchef Ashfaq Parvez Kayani hatte das US-Vorgehen bereits zu dem Zeitpunkt verurteilt und mit dem Völkerrecht argumentiert. Die Grenzübergriffe amerikanischer Truppen verletzten die Souveränität seines Landes, die verteidigt werde, "koste es, was es wolle".

als/Reuters



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