Anti-Terror-Kampf US-Armee tötet versehentlich neun afghanische Soldaten

Eine Verwechslung - so erklärt Washington den tödlichen Vorfall in der Provinz Chost: Neun afghanische Soldaten kamen dort bei einem US-Luftangriff ums Leben. Eigentlich handelte es sich um einen gemeinsamen Einsatz der beiden Streitkräfte gegen Taliban-Kämpfer.


Hamburg/Kabul - Während einer Offensive gegen die radikal-islamischen Taliban sind am Mittwoch neun afghanische Soldaten bei einem US-Luftangriff getötet worden. Es habe Verwechslungen auf beiden Seiten gegeben, erklärten die US-Streitkräfte. Bei dem Gefecht in der Provinz Chost wurden zudem drei afghanische Soldaten verletzt, wie Gouverneur Arsallah Dschamal erklärte.

Der Vorfall ereignete sich in der Umgebung der Stadt Sajed Cheil im Osten des Landes, wo amerikanische und afghanische Truppen seit mehr als einer Woche in einer gemeinsamen Offensive gegen Aufständische vorgehen.

Nach US-Angaben war ein Truppenkonvoi auf dem Rückweg von einem Einsatz, als es zu mehreren Gefechten und dem Luftangriff auf den Kontrollposten kam. Dabei seien die afghanischen Soldaten getötet worden. US-Oberst Greg Julian sagte, der Zwischenfall werde mit dem afghanischen Verteidigungsministerium besprochen.

In den vergangenen Jahren ist es schon häufiger zu Verwechslungen auf beiden Seiten gekommen. Im vergangenen Monat schossen uniformierte afghanische Polizisten zweimal auf US-Soldaten, wobei zwei Soldaten getötet wurden. Die Polizisten kamen ebenfalls ums Leben, als US-Soldaten das Feuer erwiderten. Die Vorfälle weckten Befürchtungen, dass die Taliban versuchen könnten, die afghanischen Sicherheitskräfte zu unterwandern.

In der südafghanischen Provinz Urusgan sind unterdessen bei zweitägigen Kämpfen nach Behördenangaben 35 Taliban-Kämpfer und drei Polizisten ums Leben gekommen. An den Gefechten seien rund 100 Rebellen beteiligt gewesen, sagte Polizeichef Dschuma Gul Himat.

Allein in diesem Jahr fielen der Gewalt in Afghanistan nach Schätzungen der Nachrichtenagentur AP 5200 Menschen zum Opfer, zumeist Aufständische.

flo/AP



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