Anti-Terror-Kampf USA planen für Bin Laden böse Geburtstagsüberraschung

Die USA sind sich sicher: Osama Bin Laden ist in Pakistan untergetaucht. US-Vize Cheney präsentierte Präsident Musharraf in Islamabad bereits Beweise. Jetzt werden neue Agenten auf die Spur des Terrorfürsten gesetzt - pünktlich zu seinem 50. Geburtstag.

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Hamburg - Die Bush-Administration verstärkt dieser Tage massiv ihre Anstrengungen bei der Suche nach Terror-Chef Osama Bin Laden. In den letzten Tagen mehrten sich bereits die Gerüchte in Pakistan, nun berichten auch der amerikanische Fernsehsender "ABC" und die britische Tageszeitung "Daily Telegraph" über eine massive Aufstockung der CIA-Mannschaft in Pakistan. Hochrangige US-Beamte sagten den beiden Medien, dass die USA derzeit zusätzliche CIA-Agenten und paramilitärische Einheiten nach Pakistan verlagern, um nach Bin Laden und der Führungselite von al-Qaida zu suchen.

Soll endlich gefasst werden: al-Qaida-Chef Osama Bin Laden
AFP

Soll endlich gefasst werden: al-Qaida-Chef Osama Bin Laden

Die zusätzlichen Truppen der CIA sollen den Druck auf Bin Laden erhöhen und ihn zu Fehlern zwingen - so jedenfalls das Kalkül des Geheimdienstes. Ziel der Mission sei, so die US-Beamten, den al-Qaida-Chef, der nach Angaben von Interpol morgen 50 Jahre alt wird, festzunehmen oder zu töten.

Ein US-Beamter wird mit den Worten zitiert: "Berichte, wonach die Spur zu Bin Laden eiskalt ist, sind nicht korrekt. Vielmehr verstärken wir unsere Bemühungen dort erheblich." Bin Laden wird, wie auch sein Stellvertreter Aiman al-Sawahiri, seit Jahren in der bergigen Grenzregion zwischen Afghanistan und Pakistan vermutet.

Weder Mitglieder der US-Regierung noch der pakistanischen Führung haben die Berichte bislang bestätigt, Pakistan dementierte die Berichte sogar vehement.

USA erhöhen Druck auf Pakistan

Die USA jedoch erhöhen den Druck auf Pakistan. So hatte letzte Woche der neue nationale Geheimdienstkoordinator von US-Präsident Bush, Mike McConnell, vor einer Neugruppierung al-Qaidas in Pakistan gewarnt – spezifisch wie seit Jahren nicht mehr. Vor dem Senat sagte McConnell, die US-Führung sei sicher, "dass sich die oberste Führungsebene, die Nummer eins und Nummer zwei, dort befinden und versuchen, Trainingszentren wiederaufzubauen und neu zu gründen" - eine deutliche Anspielung auf Bin Laden und al-Sawahiri.

Mit "großem Nachdruck" werde man versuchen, die bisherigen Bemühungen zu verbessern, "um die Führungsebene entweder zu töten oder festzunehmen."

Kurz darauf war US-Vizepräsident Dick Cheney nach Islamabad gereist, um sich mit Pakistans Präsident Pervez Musharraf zu Gesprächen zu treffen. Gemeinsam mit dem stellvertretenden CIA-Direktor Stephen Kappes erhöhte er den Druck auf Musharraf, US-Geheimdiensten bei der Suche nach Bin Laden stärker unter die Arme zu greifen und ihnen größeren Spielraum zu geben. Während des Gesprächs soll Kappes zum Beweis der Neugruppierung al-Qaidas in Pakistan Satellitenfotos und abgefangene Gespräche präsentiert haben.

Zudem sind die USA offenbar bemüht, den pakistanischen Geheimdienst ISI zu einer verstärkten Kooperation in der Jagd nach Osama Bin Laden zu bewegen. Wie der "Daily Telegraph" berichtet, traf sich Kappes während seines Besuchs in Pakistan mit ISI-Agenten und Vertretern des CIA in Islamabad, um eine gemeinsame Strategie auszuloten.

Die Bemühungen der US-Regierung, die pakistanische Führung zu einer konstruktiveren Zusammenarbeit zu drängen, dürften zumindest teilweise innenpolitischen Ursprungs sein. Die Mehrheit der Demokraten in beiden Parlamentskammern gibt der US-Regierung paradoxerweise die Möglichkeit, den Druck auf Regierungen in der Region zu erhöhen. Immer wieder fordern die Demokraten angesichts der ausbleibenden sicherheitspolitischen und demokratischen Erfolge in den Ländern, die teils enormen Hilfszahlungen und militärischen Zulieferungen zu kürzen oder zu stoppen. Pakistan, als enger US-Verbündeter im Anti-Terror-Kampf, würde ein solcher Schritt besonders treffen.

Erst einmal ist eine Kürzung der Mittel nur eine Drohung. Allerdings hat der Kongress beschlossen, sich die Entscheidung über das Budget ab sofort jedes Jahr noch einmal vorlegen zu lassen.



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