Anti-Terror-Strategie Clinton kritisiert Pakistans Kampf gegen al-Qaida

Mit deutlichen Worten hat US-Außenministerin Clinton die pakistanische Regierung kritisiert. Dass diese nicht wisse, wo sich die Chefs von al-Qaida versteckten, sei "schwer zu glauben". Dennoch warb sie bei ihrem Besuch für ein "neues Kapitel" in den Beziehungen beider Länder.

US-Außenministerin Clinton in Lahore: Milliarden-Hilfe gegen Terror-Kampf
REUTERS

US-Außenministerin Clinton in Lahore: Milliarden-Hilfe gegen Terror-Kampf


Lahore - In einem Interview mit mehreren pakistanischen Zeitungen hat sich US-Außenministerin Hillary Clinton wenig diplomatisch geäußert: "Ich finde es schwer zu glauben, dass niemand in Pakistans Regierung weiß, wo die al-Qaida-Chefs sich befinden und sie nicht zu fassen sind, wenn man es wirklich will", sagte sie zu den Journalisten. Bereits seit 2002 sei das Land Rückzugsgebiet für Kämpfer des Terrornetzwerks. Dennoch sagte sie der Regierung bei ihrem Besuch in der Region Hilfe im Kampf gegen die Radikalislamisten zu.

Sie habe ein zudem offenes Ohr für Kritik an der US-Politik in der Region. Die Beziehungen beider Länder dürften aber keine Einbahnstraße sein. Auch Pakistan müsse sich kritische Worte der amerikanischen Regierung gefallen lassen und darauf reagieren, forderte Clinton. Der "entsetzliche Anschlag" in Peshawar im Nordwesten des Landes lasse aber keinen Zweifel daran, dass sich der Staat derzeit mitten in einem Kampf gegen Extremisten befinde, sagte sie im ostpakistanischen Lahore. "Das ist nicht allein Ihr Kampf", ergänzte die Politikerin. Bei einer Debatte mit ausgewählten Studenten warb Clinton für ein "neues Kapitel" in den Beziehungen beider Länder.

Clinton war am Mittwoch in der pakistanischen Hauptstand Islamabad eingetroffen. Kurz nach ihrer Ankunft ereignete sich einer der schwersten Anschlägen in Pakistan seit Jahren: Auf einem belebten Markt in Peshawar im Nordwesten des Landes tötete eine Autobombe 105 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. In der Metropole blieben wegen einer dreitägigen Trauerzeit am Donnerstag Märkte und Läden geschlossen.

Clinton thematisierte während ihres Besuches auch die pakistanische Wirtschaftspolitik - und übte deutliche Kritik. Das Land müsse mehr in seine eigene Wirtschaft investieren, forderte Clinton. Die USA haben kürzlich ein Hilfspaket in Höhe von 7,5 Milliarden Dollar für den zivilen Aufbau in Pakistan beschlossen. Clinton sagte vor Ort weitere Hilfen zu. Demnach soll das Land neben 125 Millionen Dollar für die Verbesserung der Versorgung mit Elektrizität und 85 Millionen für den Kampf gegen die Armut 45 weitere Millionen an Bildungshilfen erhalten. Zudem sicherte die US-Außenministerin mehr als 100 Millionen Dollar für die Polizei an der Grenze zu Afghanistan zu. Clinton wollte noch bis Freitag in Pakistan Gespräche mit politischen und militärischen Verantwortlichen führen.

Im Gegenzug für die Gelder muss Pakistan gegen militante Gruppen vorgehen, die Kontrolle der zivilen Regierung über das Militär sicherstellen und bei der Abrüstung von Atomwaffen kooperieren. Die pakistanische Regierung gerät im Kampf gegen die Islamisten jedoch zunehmend unter Druck, die anti-amerikanische Stimmung im Land wächst. Seit die pakistanische Armee in Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan eine Offensive gegen die Hochburgen der Taliban gestartet hat, ist das Land aus Furcht vor Vergeltungsschlägen im Alarmzustand.

Zugleich bemüht sich Clinton erneut um die Wiederaufnahme der festgefahrenen Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern. Zu diesem Zweck wird sie am Wochenende zu getrennten Beratungen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas zusammentreffen, wie Außenamtssprecher P.J. Crowley am Donnerstag am Rande eines Besuchs Clintons in Pakistan mitteilte. Wo genau die Unterredungen stattfinden werden, war zunächst nicht bekannt. Es hieß lediglich, Clinton werde sich im Nahen Osten mit den beiden Politikern treffen.

kgp/AFP/AP/Reuters



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Seite 1
eigentlicher_Schwan 04.05.2009
1.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Wenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
mauskeu 04.05.2009
2.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Ich könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Justus F. 04.05.2009
3.
Zitat von eigentlicher_SchwanWenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
Genau, nach Berlin. Dann ist unser Kampf sogar gerechtfertigt!
X-Man 04.05.2009
4.
Zitat von mauskeuIch könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Nettes Gedankenspiel, aber leider Unsinn. Seit dem Rückzug der afghanischen Taliban über die Grenze stand fest dass die FATA die neue Basis der Gotteskrieger sind. Von 2002-2005 entstanden weit über 190 Ausbildungslager in den Stammesgebieten, lokale Milizen verschmolzen durch Allianzen mit Taliban-Elementen, ausländische Gruppen allen voran Al Qaida nisteten sich ein, es entstand eine nicht homogene aber ideologisch eng verstrickte Bewegung deren mächtigster Flügel heute die Tehrik e-Taliban ist. Für die pakistanische Führung war also längst klar welche Gebiete die neue Heimat der Taliban sind, man musste ihnen keinen Spielplatz zur Verfügung stellen. Der Einzug in Swat hat vielmehr damit zutun dass es Kreise des ISI und des Militärs gibt die sich nicht von amerikanischer Seite in die Terror-Bekämpfung hineinquatschen lassen wollen. Sie hegen zum Teil große Sympathie für die Taliban, bieten ihnen mit dem Swat ein Gebiet was sich weit weg von den üblichen Terrornestern Waziristans befindet und somit den Radius der Drohnenangriffe erweitert. Zudem erhofft man sich natürlich dort eine kashmir-nahe islamistische Bastion gegen den allgegenwärtigen Erzfeind Indien.
lupenrein 04.05.2009
5.
Man darf sich über die Ziele der Taliban in Pakistan (und im Dominoeffekt anschliessend Afghanistan) keine Illusionen machen. Die Regierung Pakistans - und indirekt auch Afghanistans - ist in ernster Gefahr. Und auch über einen 'Sieg' über die Taliban , dies besonders als Ausländer (USA usw) darf man sich keine Illusionen machen. Der asymmetrische Kriegsführung der Taliban ist mit normalen militärischen Mitteln (Terrorismus) nur sehr schwer wirksam zu begegnen. Am Beispiel der somalischen Piraten sieht man , wie schwierig es ist, mit militärischen Mitteln in diesem Versteckspiel mitzuhalten. Auch die Taliban führen einen (allerdings ideologischen) 'Versteck-spiel-Krieg' a la David gegen Goliath. Und noch eine Übereinstimmung: beide lassen mit sich nicht über eine Einstellung ihrer terroristischen Kampf nicht verhandeln. Alles in allem eine fatale Situation.
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