Antrittsrede in Alabama US-Gouverneur brandmarkt Nicht-Christen

Der neue Gouverneur des US-Bundesstaats Alabama sorgt für Empörung: In seiner Antrittsrede missbilligte der Republikaner alle Nicht-Christen. Jeder, der in Jesus keinen Erlöser sehe, sei nicht sein Bruder. Bürgerrechtler sind empört.


Birmingham - Ein Zahnarzt in Rente ist er, 67 Jahre alt, ein Sonntagsschullehrer und Diakon der Baptistenkirche von Tuscaloosa. All das erfährt man auf der Internetseite des neuen Gouverneurs von Alabama, dem Republikaner Robert J. Bentley. Er ist ein religiöser Mensch, das wird deutlich - doch offenbar hält er von Nicht-Christen persönlich wenig.

Diesen Eindruck gewinnt man zumindest nach der offiziellen Antrittsrede des Gouverneurs. Am Montagabend (Ortszeit) sprach Bentley vor einer Kirchengemeinde in der Dexter Avenue Baptistenkirche in Montgomery - derselben Kirche, in der Bürgerrechtler Martin Luther King einst predigte.

Bentley sagte wörtlich, dass diejenigen, die Jesus nicht als ihren Erlöser sehen würden, nicht seine Brüder und Schwestern seien. "Allen, die heute hier sind und Jesus Christus nicht als ihren Erlöser akzeptiert haben, denen sage ich: Du bist nicht mein Bruder, und du bist nicht meine Schwester", zitiert die "Birmingham News" den Gouverneur.

Der Republikaner hatte der "Los Angeles Times" zufolge in seiner Rede auch darauf hingewiesen, dass Nicht-Christen "nicht die gleiche Beziehung" zu ihm haben könnten wie Christen.

"Gouverneur aller Menschen"

Bill Nigut, Regionaldirektor der Anti-Diffamierungs-Liga ADL, kritisierte Bentley in einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme scharf. "Seine Aussagen sind nicht nur beleidigend, sie werfen auch ernsthafte Fragen auf, ob Nicht-Christen die gleiche Behandlung während seiner Amtszeit erhalten." Bentleys Aussagen seien "schockierend".

Sollte der Gouverneur für den Übertritt zum Christentum werben, verstoße er gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten. Diese verbiete es, die Etablierung irgendeiner Religion zu begünstigen, hieß es in dem Schreiben der ADL.

Bentley ließ am Dienstag über sein Büro mitteilen, dass er niemanden habe beleidigen wollen. In einer Stellungnahme heißt es, Bentley stelle klar, er sei der Gouverneur aller Menschen in Alabama.

Die "Los Angeles Times" zitierte auch den Präsidenten der Islamic Society in Birmingham, Ashfaq Taufique. Dieser sagte, er finde Bentleys Aussagen "verstörend". "Im Umkehrschluss hieße es, wir müssten den christlichen Glauben übernehmen, um von ihm als gleichwertig betrachtet zu werden."

amz



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.