Apec-Gipfel Bush droht den Mullahs im Iran

US-Präsident Bush hat die Eröffnung des Apec-Gipfels genutzt, um deutliche Worte Richtung Iran und Nordkorea loszulassen. Während er die Atomprogramme der Regimes kritisierte, kam es in Santiago de Chile zu antiamerikanischen Krawallen und Protesten.


Santiago de Chile: Straßenschlachten gegen den Bush-Besuch
AP

Santiago de Chile: Straßenschlachten gegen den Bush-Besuch

Santiago de Chile - "Iran sollte zur Kenntnis nehmen, dass wir über seine Absichten sehr beunruhigt sind", zitierten chilenische Medien George W. Bush am Rande des Apec-Gipfels in Santiago. Bush bezog sich auf Berichte, Iran entwickele möglicherweise Atomwaffen.

Nordkorea forderte er erneut zum Einlenken auf. Das Land stehe einer Welt gegenüber, die mit einer Stimme spreche, und diese verlange, dass es sein Nuklearprogramm aufgebe, sagte Bush am Samstag auf dem Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Zusammenarbeit (APEC) in Chile. Er bekräftigte, für die USA seien die Sechsparteiengespräche der einzige Weg, das Thema anzugehen. Seit vorigem Jahr sind Vertreter Nord- und Südkoreas, Chinas, Japans, Russlands und der USA drei Mal zu Gesprächen zusammengekommen. Ein Durchbruch wurde nicht erzielt.

In Chile begann heute das zwölfte Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der APEC-Staaten. Chiles Präsident Ricardo Lagos eröffnete das Treffen in einem hermetisch abgeschirmten Konferenzzentrum am Rande der Hauptstadt Santiago.

Bis Sonntag wollen die Vertreter der 21 Mitglieder, darunter die Präsidenten Chinas und Russlands, Hu Jintao und Wladimir Putin, sowie Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi, vor allem Fragen der Handelsliberalisierung und eines effektiveren Schutzes gegen Terrorismus diskutieren. Auch Nordkoreas Atomprogramm soll zur Sprache kommen.

Im Vorfeld war es bei Demonstrationen gegen den Besuch von Bush und das Treffen zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Mehrere Menschen wurden verletzt und hunderte vorübergehend festgenommen. Am Freitag beteiligten sich etwa 50.000 Menschen an einem Demonstrationszug durch die Innenstadt. Auf Transparenten waren Slogans wie "Mörder Bush raus", "Nein zum Krieg" und "Weg mit Apec" zu lesen.

Bei den Handelsgesprächen soll eine gemeinsame Position für die Doha-Verhandlungsrunde im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO festgezurrt werden. Bei Einzelgesprächen der Staatschefs ging es um Handelsabkommen und Themen wie den russisch-japanischen Disput um die Kurilen-Inseln oder Russlands Wunsch nach Aufnahme in die WTO.

In den Apec-Staaten Australien, Brunei, Chile, China, Indonesien, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Papua Neuguinea, Peru, Philippinen, Russland, Singapur, Südkorea, Thailand, Taiwan, USA und Vietnam sowie dem Gebiet Hongkong lebt knapp die Hälfte der Weltbevölkerung. Der Wirtschaftsraum erbringt mehr als die Hälfte der Weltwirtschaftsleistung.



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