US-Wahlkampf "Donald Trump kann das hier nicht lesen, hat aber trotzdem Angst davor"

Eine Satiregruppe kauft in den USA Werbeflächen und führt dort den Republikaner-Kandidaten Donald Trump vor. Jüngster Streich: Ein Plakat in arabischer Schrift - in einer besonderen Stadt.

Arabische Anzeige gegen Donald Trump
Max Temkin

Arabische Anzeige gegen Donald Trump


Im US-Bundesstaat Michigan hängt ein Werbeplakat gegen Donald Trump, das viele Leser ohne Arabischkenntnisse und auch den Kandidaten überfordern dürfte. Es ist in arabischer Schrift verfasst, weiß auf schwarzem Grund. "Donald Trump kann das hier nicht lesen, hat aber trotzdem Angst davor", steht darauf.

Finanziert ist das Billboard an einer Autobahn nahe der Stadt Dearborn vom Kollektiv Nuisance Committee, was sich etwa mit "Quälgeist-Komitee" übersetzen lässt. Die Satiriker zielen auf islamophobe und islamfeindliche Äußerungen des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Trump ab.

Der hatte im Dezember 2015 im Vorwahlkampf der Republikaner gefordert, allen 1,6 Milliarden Muslimen weltweit die Einreise in die USA zu verweigern, bis die Regierung wisse, "was zur Hölle eigentlich los ist". Später formulierte Trump vorsichtiger, es gehe um eine "extreme Überprüfung" aller Muslime, bevor sie einreisen dürften.

Für das Nuisance Committee, das sich bereits mehrfach in den US-Wahlkampf eingeschaltet hat, sagte Sprecherin Melissa Harris dem Radiosender WWJ Newsradio 950: "Mir gefällt die Idee, dass Menschen, die kein Arabisch verstehen, ihre Freunde fragen müssen, die es können." Man habe Dearborn ausgewählt, weil dort die größte arabisch-amerikanische Gemeinschaft lebe.

Der Name der Gruppe ist dem Nuisance Committee zufolge eine Referenz an eine Gruppe größtenteils jüdischer, amerikanischer Soldaten, die sich in deutscher Kriegsgefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs bildete. Die Gefangenen sollen versucht haben, ihre deutschen Bewacher zu überlisten, um lebend aus der Gefangenschaft herauszukommen. In einer Presseerklärung teilte die Gruppe mit: "Der Vergleich zwischen Hitler und Trump ist beabsichtigt."

Das Nuisance Committee vertreibt auch ein Party-Kartenspiel mit dem Titel "Karten gegen Menschlichkeit". Für das beliebte Spiel ist eine Erweiterung zur US-Wahl erhältlich. Die Käufer können den Kaufpreis entweder in eine Spendenkasse für Hillary Clinton oder für Donald Trump bezahlen. Auch in dieser Aktion steckt ein Scherz: "Am Ende der Aktion werden beide Kassen zusammengezählt, und je nachdem, wer mehr eingenommen hat, erhält Hillary Clintons Kampagne in jedem Fall den Gesamtbetrag".

cht

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.